Wie Recycling beim Design beginnt

Ob ein Produkt am Lebensende recyclierbar ist, entscheidet sich nicht erst in der Sortieranlage. Es wird schon am Konstruktionstisch entschieden, wenn Produktdesigner Materialkombinationen wählen und sich für oder gegen Klebstoffe entscheiden.

© Fraunhofer CCPEThe “Circular Child Seat” demonstrator in monomaterial design

Monomaterial-Design für echte Kreislauffähigkeit: Der „Circular Child Seat“  Foto: © Fraunhofer CCPE

Das Fraunhofer CCPE, das Cluster of Excellence Circular Plastics Economy, setzt auf das Konzept des Monomaterial-Designs. Die Idee dahinter: ein Produkt so zu entwickeln, dass es vollständig aus einem einzigen Kunststofftyp besteht. Das klingt zunächst einschränkend – muss es aber nicht sein. Das Forscherteam hat mit dem Monomaterial-Design-Set ein Werkzeug entwickelt, das Konstrukteure dabei unterstützt, funktional komplexe Objekte herzustellen. Das Tool soll es ermöglichen, Produkte ausschließlich aus Thermoplasten herzustellen, also Kunststoffen, die sich einschmelzen und erneut formen lassen.
Drei Kunststoffarten wurden erprobt: PET, PLA und Polyamid. Durch den Verzicht auf Klebstoffe entfällt die aufwendige Trennung unterschiedlicher Bestandteile. Das Ergebnis laut Fraunhofer: zu 100 Prozent recycelbare Produkte. Das Vorzeigeprojekt ist ein Kindersitz – der „Circular Child Seat“. Er besteht aus einem biobasierten Polymer mit Naturfaserverstärkung, modular aufgebaut und aus einem einzigen Material gefertigt. Metallteile, die aus Sicherheitsgründen unvermeidbar sind, lassen sich ohne Werkzeug entfernen. Der Rest ist reparierbar, wiederverwendbar und recycelbar.

Fraunhofer präsentierte den Prototyp Mitte März auf der Circular Valley Convention in Düsseldorf. Begleitet wurde die Vorstellung von einem Positionspapier zur Rolle Künstlicher Intelligenz in der Kunststoffwertschöpfung bis 2030. Das war das Ergebnis auf Basis von 46 Expertinnenbefragungen. Das Fazit: KI ist bereits Alltag. In der Bildverarbeitung. In der Prozesskontrolle und  in der automatisierten Sortierung.
„KI kann Material-, Prozess- und Datenlücken schließen – ihr Potenzial entfaltet sie jedoch nur auf einer gemeinsamen, verlässlichen Datenbasis“, sagt Dr. Anna Kerps, Leitautorin des Papiers. Sie benennt fehlende einheitliche Datenstrukturen entlang der Lieferkette als größtes Hindernis. Die Datenlücke über die fachgerechte Verwertung sei stärker bremsend als fehlende Algorithmen.

Mit der Präsentation machte das Fraunhofer CCPE deutlich, was politische Debatten über Recyclingquoten oft ausblenden: Ob ein Produkt recycelbar ist, entscheidet sich nicht am Ende, sondern am Anfang. Welche Produkte sich künftig mit Monomaterial-Technik herstellen lassen, wird sich zeigen. Klar ist aber schon jetzt: Recyclingfähigkeit wird zunehmend zum Maßstab für Produktions- und Kaufentscheidungen.

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