Nordsee-CCS startet

Zweitnutzung für alte Ölplattform

Carbon Capture and Storage (siehe: solarify.eu/2012/05/24/ccs-ccu) war einmal ein Un-Wort für Klimaschützer.  Jetzt sieht es sogar der grüne Klimamimister als seriöse Option, um CO2 loszuwerden. Und da bietet sich Dänemark an. Seit gestern (08.03.2023) speichert unser nördlicher Nachbar laut zahlreicher Medienberichte CO2 unter der Nordsee. Unternehmen und Politik sehen in der CCS-Technologie ein unerlässliches Instrument zur Bewältigung des Klimawandels. Bis 2030 sollen in einem alten Ölfeld in der dänischen Nordsee bis zu 13 Millionen Tonnen CO2 eingelagert werden, 8 Millionen Tonnen davon im Projekt Greensand – für das Klima. Der dänische Kronprinz Frederik gab den Startschuss. Umweltschützer sind nach wie vor skeptisch und warnen, die Technologie sei nicht sicher.

CO2 – Montage © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft, für Solarify

Dänemark hatte vor gut einem Monat erste Zulassungen erteilt, damit Unternehmen im größeren Maßstab CO2 unter dem Meeresboden der Nordsee einlagern können. Sie gingen zum einen an den Konzern TotalEnergies, zum anderen an das Konsortium um die deutsche Wintershall Dea. Frederik reiste extra an die Westküste und gab das symbolische Kommando zum Start: CO2 soll ab sofort in einem ehemaligen Ölfeld etwa 200 Kilometer von der Küste entfernt im Meeresboden der Nordsee eingelagert werden. Sein Vater Prinz Henrik hatte fast genau 50 Jahre zuvor ein viel beachtetes Startkommando gegeben – damals für die Förderung von Öl und Gas. „Ich bin sehr erfreut, den Fluss in den Leitungen umzukehren und CO2 in den dänischen Boden zu schicken“, so Kronprinz Frederik. „Zum Nutzen des Klimas, für Dänemark, für Europa, für den Planeten.“

In einer pompösen Veranstaltung feierten Vertreter der dänischen Regierung, beteiligter Unternehmen sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Beginn des Pilotprojekts. Dänemarks Klimaminister Lars Aagaard sprach von einem wichtigen Tag im Kampf gegen den Klimawandel: „Dänemarks Boden bietet die Möglichkeit, deutlich mehr CO2 speichern zu können als wir selbst jemals produzieren werden. Diese Ressource, die uns verpflichtet, Europa zu helfen.“ In Belgien eingefangenes und per Schiff transportiertes CO2 soll dabei im Rahmen des Projektes Greensand in einem alten Ölfeld gut 200 Kilometer vor der dänischen Nordseeküste eingelagert werden.

Als „ökologisches Feigenblatt für Klimakiller“ wird CCS von Umweltschützern bezeichnet. Karsten Smid von Greenpeace Deutschland etwa warnt vor unangebrachter Euphorie – die Technologie sei zu unsicher: „Es ist dieses ‚Aus dem Auge, aus dem Sinn“. Wir deponieren den CO2-Müll und schaffen damit Endlager, die für Hunderte und Tausende Jahre auch dicht sein sollen. Wir übergeben damit den zukünftigen Generationen Ewigkeitslasten, ohne zu wissen, ob das auch wirklich dicht ist.“

Auch Nachbarland Norwegen hat ähnliche Pläne

Norwegen will Kohlendioxid tief unter der Nordsee in Gesteinsschichten pumpen und speichern. So soll ein „CO2-Tresor“ unter dem Meer entstehen.

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