Fünf Millionen Einweg-Vapes pro Woche, täglich Brände in Müllwagen und Sortieranlagen, enorme Rohstoffverschwendung: Seit Januar ist die Elektro-Novelle in Kraft, die bald alle Händler zur Rücknahme verpflichten. Doch Kritiker bezweifeln, dass eine Rücknahmepflicht viel bewirkt.

Klein, bunt, gefährlich: Einweg-Vapes landen oft im Müll statt in der Rückgabe und werden so zur Brandgefahr und Umweltsünde . Foto: RELX
Branchenberichten zufolge werden in Deutschland jede Woche rund fünf Millionen Einweg-Vapes konsumiert. Die ElektroG-Novelle, seit Januar 2026 in Kraft, verpflichtet ab dem 1. Juli alle Händler zur Rücknahme – unabhängig von der Verkaufsfläche. Ein neues einheitliches Symbol mit grünem Stecker und Pfeilen soll Verbraucher auf die Abgabemöglichkeit hinweisen. Bei Verstößen drohen Bußgelder. Doch die Regelung greift zu kurz. Supermärkte verfügen längst über Sammelstellen für Elektroschrott. Das eigentliche Problem liegt in der falschen Entsorgung: Laut britischen Studien landen mehr als die Hälfte aller Einweg-Vapes im Hausmüll. Die Folgen sind dramatisch. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft berichtet von täglichen Bränden in Sortieranlagen, Müllwagen und Wertstofftonnen. Die fest verbauten Lithium-Ionen-Akkus entzünden sich bei mechanischer Beschädigung. Die Folgen reichen von Schwelbränden bis zu Großfeuern, die Anlagen für Tage stilllegen und Hunderttausende Euro Schaden verursachen. Der Auslöser: Geräte, die wenige Euro kosten und nach wenigen Zügen im Müll landen.
Mit dem neuen Gesetz werden vielleicht ein paar mehr Geräte korrekt entsorgt. Aber eine Motivation gegen die falsche Entsorgung im Hausmüll oder anderweitiges Wegwerfen liefert das Gesetz nicht. Dafür bräuchte es ein Pfand oder etwas Ähnliches. Die Deutsche Umwelthilfe hält die Rücknahmepflicht daher für unzureichend und fordert sogar ein vollständiges Verbot von Einweg-E-Zigaretten. Die Organisation verweist auf die strukturellen Schwächen des Systems: Selbst in Ländern mit bestehenden Rückannahmepflichten landen die meisten Geräte im Restmüll. Ab 2027 schreibt die EU-Batterieverordnung zwar austauschbare Akkus vor. Doch bis dahin werden weitere Millionen Wegwerfgeräte verkauft und falsch entsorgt.
Neben der Brandgefahr haben wir es hier mit einer beispiellosen Rohstoffverschwendung zu tun. In den Wegwerfprodukten stecken kritische Batterierohstoffe wie Lithium – unverzichtbar für die Energiewende. Eine britische Studie von Material Focus belegt das Ausmaß für das Vereinigte Königreich: Allein das dort jährlich weggeworfene Lithium würde für 1.200 Elektroauto-Batterien reichen. Sechs Einweg-Vapes enthalten zusammen so viel Akkukapazität wie ein Smartphone. Doch weil die Komponenten fest verbaut sind, gestaltet sich das Recycling komplex und teuer. Geräte, die im Restmüll landen, werden thermisch verwertet – die wertvollen Materialien gehen verloren. Die ElektroG-Novelle ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch angesichts der Brandgefahr und der Rohstoffverluste braucht es mehr als Sammelpunkte und Hinweissymbole. Wer die Kreislaufwirtschaft ernst nimmt, muss Produkte vom Markt nehmen, die sich nicht sinnvoll recyceln lassen. Ein Verbot oder eine Motivation wie ein Pfandsystem wären hilfreich – eine bloße Rücknahmepflicht ist es nicht.
Quellen:
- Bundesumweltministerium: Händler von Einweg-E-Zigaretten müssen ab 2026 ausgediente Geräte zurücknehmen
- Material Focus UK Study: Disposable vapes waste and lithium revoery data
- Elorec: ElektroG: Novelle bringt 2026 diese Änderungen