Umweltbundesamt berichtet: Recycling klappt, nur noch nicht im großen Maßstab

Deutschlands neue Recyclingzahlen sind da: 5,5 Millionen Tonnen Verpackungen gehen zurück in den Kreislauf. Doch für jedes Kilo Recyclingkunststoff kommen acht Kilo Neuware aus Primärrohstoffen dazu.

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Plastik am Strand. Während das Plastikrecycling Fortschritte macht, stehen wir im Kampf gegen Ressourcenverschwendung noch am Anfang. Foto: Sergei Tokmakov,

Am 27. Januar 2026 stellten das Umweltbundesamt (UBA) und die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) neue Recyclingzahlen vor. Demnach hat Deutschland beim Recycling von Kunststoffverpackungen erstmals die 70-Prozent-Marke überschritten.  Nur zwölf Prozent aller Rohstoffe stammen aus Recycling.  Auch Papier, Weißblech und Aluminium erfüllen die gesetzlichen Vorgaben.  Laut Dr. Bettina Rechenberg, Leiterin des Fachbereichs Abfallwirtschaft des Umweltbundesamtes (UBA), ist dies vor allem auf strengere gesetzliche Vorgaben zurückzuführen.

Doch der Blick aufs große Ganze fällt ernüchternd aus. Glas und Getränkekartons bleiben unter dem Ziel. Oft sind die Zusammensetzung der Produkte das Problem: Mehrschichtverpackungen wie Tetra Paks, bei denen Kunststoff, Aluminium und Pappe fest miteinander verklebt sind, lassen sich mit der heutigen Technik kaum wirtschaftlich in ihre Bestandteile zerlegen. Wo Sortierung und Verwertung an ihre Grenzen stoßen, endet der Kreislauf in der Verbrennungsanlage.
Jeder Mensch in Deutschland verbraucht pro Jahr umgerechnet rund 16 Tonnen Rohstoffe. Das Gewicht von zwei voll beladenen Betonmischern. Davon stammen gerade einmal etwa zwölf Prozent aus Recycling, der Rest wird der Erde als Primärmaterial entnommen. Erze, Holz und fossile Rohstoffe. Gemessen an diesem Verhältnis wirken die Fortschritte beim Verpackungsrecycling wie eine Nebensache.
Die im Dezember 2024 vom Kabinett verabschiedete Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) soll dagegen ansetzen. Bis 2030 soll der Sekundärrohstoffanteil deutlich steigen und der Primärrohstoffverbrauch pro Kopf bis 2045 halbiert werden. Ein Aktionsprogramm soll bis 2027 konkrete Maßnahmen für Bereiche wie die Bauwirtschaft, die Textilindustrie und den Fahrzeugbau liefern. Zu den geplanten Instrumenten gehören digitale Produktpässe, die bis 2030 EU-weit alle wichtigen Produktgruppen begleiten sollen. Verbraucher und Verbraucherinnen könnten dann per Scan sehen, aus welchen Materialien ein Produkt besteht und wie es sich recyceln lässt.
Die Grundstoffindustrie, also Stahl, Aluminium, Kunststoffe und Beton, verursacht bereits bei der Gewinnung und Vorverarbeitung der Rohstoffe, also lange bevor ein Produkt in der Fabrik Form annimmt, zwischen 60 und 80 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen. Wer hier Primärmaterial durch Recyclingware ersetzt, spart Emissionen dort, wo sie am stärksten anfallen. Allerdings konkurrieren Sekundärrohstoffe auf dem Weltmarkt mit billigen Primärrohstoffen. Solange hier eine Recycling-Infrastruktur fehlt, bleibt der Kreislauf die Ausnahme.

Für das Jahr 2026 plant die Bundesregierung laut Umweltminister Schneider gerade neue Pfandregelung für weitere Produktgruppen, darunter Handys und Batterien. Wer ein altes Gerät zurückgibt, erhält Geld zurück und die wertvollen Metalle im Inneren gelangen zurück in die Produktion, statt in der Schublade zu landen. Die aktuellen Zahlen zeigen ein klares Muster: Recycling funktioniert dort, wo klare Quoten, etablierte Technologien und wirtschaftliche Anreize zusammenkommen. Auch wenn die Quote beim Plastikrecycling beeindruckt. Zwischen den aktuellen zwölf Prozent und dem Zielwert für 2030 liegt nicht nur eine Verdopplung, sondern auch ein notwendiger Umbau der Infrastruktur.

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