Stuttgart startet Wasserstoff-Welle: WAVE-H2 geht in Betrieb

36 Millionen Euro für Wasserstoff-Forschung in Stuttgart: Die Universität hat im Januar 2026 die Plattform WAVE-H2 eingeweiht. Einen Standort für Laborversuche, einen für industrielle Maßstäbe. Die Forschung reicht von Elektrolyse bis zu synthetischem Kerosin.

Wie kann Wasserstoff aus Ammoniak gewonnen werden? Daran forscht das Projekt „Ammonia2H2“ Bild: Universität Stuttgart / Max Kovalenko

Wie kann Wasserstoff aus Ammoniak gewonnen werden? Eine der Grundfragen, an denen die neue Forschungsplattform WAVE-H2 forscht Bild: Universität Stuttgart / Max Kovalenko

Die Universität Stuttgart hat im Januar 2026 die Forschungsplattform WAVE-H2 eingeweiht. Mit 36 Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) den Aufbau an zwei Standorten in Baden-Württemberg. Am Campus Vaihingen entsteht der experimentelle Kern mit Laboren und Prüfständen. In Freudenstadt im Schwarzwald soll ab Sommer 2026 ein zweiter Standort den Übergang in den industriellen Maßstab ermöglichen. Die Zweiteilung ist Programm: Was im Labor funktioniert, wird unter realen Produktionsbedingungen erprobt. Geleitet wird WAVE-H2 von Prof. Alexander Sauer vom Institut für Energieeffizienz in der Produktion und Prof. Kai Peter Birke vom Lehrstuhl für Elektrische Energiespeichersysteme am Institut für Photovoltaik. Dass beide Institute zusammenarbeiten, spiegelt den Ansatz der Plattform wider: Sie untersucht nicht einzelne Technologien isoliert, sondern die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über die Verarbeitung und den Transport bis zur dezentralen Nutzung.
In der Praxis bedeutet das: Am Standort Vaihingen testen Forschungsteams verschiedene Elektrolyseverfahren zur Wasserstoffproduktion. Parallel laufen Versuche zur Ammoniaksynthese und -rückgewinnung – ein Verfahren, das Wasserstoff transportfähig machen soll, da Ammoniak sich leichter speichern und über bestehende Infrastruktur bewegen lässt als reiner Wasserstoff. Hinzu kommen systematische Brennstoffzellentests unter wechselnden Lastbedingungen.

Zwei weitere Schwerpunkte gehen über die klassische Wasserstoffnutzung hinaus: die Herstellung von nachhaltigem Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel) aus Biogas und die Gewinnung chemischer Grundstoffe durch Abfallpyrolyse. Beides sind Anwendungsfelder, in denen fossile Rohstoffe bisher kaum ersetzbar sind. Kerosin für die Luftfahrt, Grundchemikalien für die Industrie – hier setzt WAVE-H2 an den Stellen an, an denen die Dekarbonisierung bislang am schwierigsten vorankommt.
Die Plattform fügt sich in eine Reihe von Infrastrukturprojekten ein, die Deutschlands Wasserstoff-Versorgung aufbauen sollen. Viele Prozesse entlang der Wertschöpfungskette sind noch nicht ausgereift. Wie effizient lässt sich Ammoniak als Wasserstoffträger im Dauerbetrieb nutzen? Welche Elektrolyseverfahren halten industriellen Anforderungen stand? Unter welchen Bedingungen wird synthetisches Kerosin aus Biogas wirtschaftlich?

WAVE-H2 soll diese Fragen unter praxisnahen Bedingungen klären – zunächst im Labor in Vaihingen, dann unter industrienahen Bedingungen in Freudenstadt. Ob die Ergebnisse schnell genug in die Anwendung gelangen, bleibt abzuwarten. Die nationale Wasserstoffstrategie setzt auf Skaleneffekte und sinkende Kosten, doch der Aufbau der nötigen Infrastruktur steht noch am Anfang. WAVE-H2 liefert dafür Grundlagenarbeit. Die nächste Bewährungsprobe kommt im Sommer 2026, wenn der Standort Freudenstadt den Betrieb aufnimmt. Dann zeigt sich, ob der Sprung vom Labor in die industrielle Erprobung gelingt.

 

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