Bis 2050 braucht Europa rund 60-mal mehr Lithium als heute. Ein Teil davon wird jeden Tag verbrannt, weil Batterien und Zigaretten im Hausmüll landen statt beim Recycler.

Gefährliche Abfälle und wertvoller Rohstoff: Lithium und Seltene Erden. Foto: Korn Recycling GmbH
Mehr als die Hälfte aller Altbatterien und ausrangierten Elektrogeräte werden nicht recycelt. Sie wandern stattdessen in die Restmülltonne oder die gelbe Tonne. Und die Sortierbetriebe haben damit zu kämpfen: Lithium-Akkus geraten unter Druck, entzünden sich und vernichten dabei Kobalt, Lithium und Seltene Erden, nach denen Europa gleichzeitig händeringend sucht. Ganz zu schweigen von der Brandgefahr und der Gefahr für Leib und Leben.
Hier setzt das Würzburger Start-up WeSort.AI an. Sein System „BatterySort” kombiniert Spezialkameras mit Röntgentechnik und künstlicher Intelligenz. Wenn es in die Sortierbänder von Verpackungs- oder Altpapierbetrieben eingebaut ist, erkennt es Batterien und Elektrokleingeräte auf dem laufenden Band. Und bevor sie Schaden anrichten können, werden sie automatisch aussortiert. Die ersten Praxistests waren erfolgreich: Bei Korn Recycling im schwäbischen Albstadt sank die Zahl batteriebedingter Brände seit der Systemeinführung im Jahr 2024 um mehr als 90 Prozent. Auch PreZero, das Recycling-Unternehmen der Schwarz-Gruppe, nutzt die Technologie in einer Anlage im österreichischen Sollenau. Der Effekt ist doppelt: weniger Brände und mehr zurückgewonnene Rohstoffe.
Mitte März 2026 schloss WeSort.AI eine Finanzierungsrunde über 10 Millionen Euro ab. Mit Beteiligung der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND: Die Behörde fördert ausschließlich Technologien, die ganze Märkte neu ordnen können. Von SPRIND hat die Sortier-Innovation schon den „TechMetal Transformation Challenge“ Preis erhalten. Das restliche Kapital kommt von europäischen Privat- und Impact-Investoren sowie vom Bundeswirtschafts- und Bundesforschungsministerium und dem Freistaat Bayern. Derartige Innovationen werden von Tag zu Tag wichtiger. Die EU ist bei 14 kritischen Rohstoffen faktisch vollständig importabhängig. Gründer Nathanael Laier bezeichnet das Potenzial in Haushaltsabfällen als „urban mine“. Also als eine bislang unerschlossene Mine aus Kobalt, Lithium und Seltenen Erden. Eine Rohstoff-Quelle, die bisher ungeborgen im Müll verpufft.
Derzeit läuft BatterySort in einer Handvoll Anlagen in Deutschland und Österreich. Allein in Deutschland gibt es Hunderte Sortieranlagen für Leichtverpackungen, Altpapier und Gewerbeabfälle – allesamt mögliche Anwendungsbereiche. Die zehn Millionen Euro sind für den Marktausbau und die internationale Skalierung vorgesehen. Wie viel Rohstoff am Ende tatsächlich zurückfließt, hängt davon ab, wie schnell die Ausrüstung vorankommt.
Das Problem ist technisch gelöst. Ein KI-System, das einen Lithium-Akku erkennt, bevor er abbrennt, ist kein Forschungsprojekt mehr. Es ist eine Technik, die seit zwei Jahren erfolgreich im Einsatz ist. Dass trotzdem mehr als die Hälfte aller Altbatterien dem Fachrecycling entgehen, ist kein technisches Versagen. Es ist ein systemisches Versagen.
Quellen:
- EU-Startups: With Europe reliant on foreign critical raw materials, Germany’s WeSort.AI raises €10 million to recover them from waste
- Europäischer Rechnungshof: Sonderbericht 2026 – Kritische Rohstoffe für die Energiewende