Niedrigwasser: Wenn der Schrott nicht zum Ofen kommt

Aktueller Engpass für die Kreislaufwirtschaft ist in diesem Sommer die Klimakrise. Warum die Wassertiefe im Rhein ein riesieges Problem ist.

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Der Rhein-Pegel in Kaub bei Niedrigwasser: Nach dieser Zahl berechnet die Rheinschifffahrt, wie viel sie laden darf. Aktuell bei 26cm und der Stahlschrott kann nicht transportiert werden. Foto: Marion Halft

Am Pegel Kaub in Rheinland-Pfalz maß die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung am Freitagmittag 26 Zentimeter. Das ist ein Zentimeter mehr als der historische Tiefstand vom Oktober 2018. Der Pegelstand ist keine Wassertiefe, sondern die Zahl, nach der die Schiffer ihre Ladung berechnen. Je tiefer er fällt, desto weniger darf an Bord. Unter rund 40 Zentimetern lohnt sich die Fahrt kaum noch.
Das hat Folgen für den Transport und die Rohstoffversorgung der Recyclingbetriebe. Die Auswirkungen haben die Recyclingverbände BDSV, bvse und VDM am 29. Juli in einer gemeinsamen Mitteilung festgehalten. Binnenschiffe auf Rhein, Donau und Oder transportieren nur noch ein Drittel bis die Hälfte ihrer üblichen Ladung, auf Teilen der Oder steht die Frachtschifffahrt still. Die Frachtsätze haben sich auf einzelnen Strecken verdrei- bis vervierfacht, dazu kommen Kosten für Verzögerungen. „Wenn die Transportkapazität auf ein Drittel sinkt, lassen sich diese Mengen nicht einfach auf andere Verkehrsträger verlagern“, sagt BDSV-Geschäftsführer Guido Lipinski. Straße und Schiene haben die Kapazität nicht. Die Mehrkosten bleiben zunächst bei den Recyclingbetrieben, die den Schrott ankaufen, aufbereiten und ausliefern. Dass sie dort dauerhaft hängen bleiben, ist der zweite Punkt, den die Verbände kritisieren.

Wie schnell sich das in der Produktion bemerkbar macht, zeigt sich aktuell in Duisburg. Thyssenkrupp Steel hat Mitte Juli die eigenen Schiffe aus dem Verkehr gezogen, da die Fahrrinne nicht mehr tief genug ist. Zudem wurden die Hochöfen vorsorglich etwas gedrosselt. Rund 50.000 Tonnen Einsatzstoffe benötigt das Werk eigenen Angaben zufolge pro Tag. Ersatz kommt nun von gemieteten Schiffen mit geringerem Tiefgang, zu höheren Kosten. Für die Kreislaufwirtschaft ist das ein ungewohnter Befund, denn an Material mangelt es nicht. Stahlschrott ist der größte Sekundärrohstoffstrom des Landes. Laut BDSV und bvse kauften die deutschen Werke 2025 zwölf Millionen Tonnen Schrott, während 7,7 Millionen Tonnen ins Ausland gingen. Der Engpass liegt also im Transport.

Was Niedrigwasser kostet, hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft nach dem Trockensommer 2018 durchgerechnet. Bleibt der Messwert 30 Tage unter 78 Zentimetern, sinkt die deutsche Industrieproduktion um etwa ein Prozent. Die Verbände fordern eine Sanierung der Bundeswasserstraßen sowie eine Niedrigwasserstrategie Während NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur eine durchgehende Vertiefung ablehnt und auf flachgehende Schiffe setzt.

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