In Deutschland landen jedes Jahr tausende Tonnen Mineralwolle auf der Deponie, recycelt wird sie fast nie. Nicht, weil es nicht ginge, sondern weil niemand muss. Österreich zeigt, dass es auch anders geht.

Was beim Rückbau anfällt, landet bisher auf der Deponie. In Kärnten wird daraus ab Ende 2026 wieder Dämmstoff. Foto: RachelW1
Ab dem 1. Januar 2027 darf Mineralwolle in Österreich nicht mehr deponiert werden. Der Dämmstoffhersteller Knauf Insulation baut deshalb in Ferndorf in Kärnten die erste Recyclinganlage des Landes für Glas- und Steinwolle. Das Unternehmen investiert 30 Millionen Euro. Die Anlage soll Ende 2026 in Betrieb gehen.
Das eigentlich Neue steckt in einem Wort: herstellerunabhängig. Laut Firmenangaben verarbeitet die Anlage alle Arten von Mineralwolle, auch die aus Rückbau und Sanierung, unabhängig davon, welche Marke einmal verbaut wurde. Bislang läuft das Dämmstoff-Recycling anders. Rücknahmesysteme wie Rockcycle von Rockwool oder Resulation von Knauf holen zwar Verschnitt von der Baustelle, sind aber auf das eigene, saubere Neumaterial zugeschnitten. Was beim Abriss eines jahrzehntealten Hauses anfällt, fremd und mit Putz und Kleber verklebt, bleibt außen vor. Es existieren zwar auch hier Recyclingwege, doch sie enden, wenn das Material von der falschen Marke stammt oder zu alt und verschmutzt ist. Genau diese Lücke will Knauf in Kärnten schließen, während sie im weit größeren deutschen Markt offen bleibt.
Österreichs neue Deponieverordnung stuft Mineralwolle künftig als verwertbaren Abfall ein, der nicht mehr vergraben werden darf. Damit entsteht ein Materialstrom, der von einem Tag auf den anderen irgendwohin muss. Das Sammeln übernimmt der Abfalldienstleister ABCO mit einem österreichweiten Netz. Warum die Mineralwolle bisher liegenblieb, hat mit ihrer Beschaffenheit zu tun. Sie ist leicht und sperrig, beim Rückbau verklebt sie mit Baustoffresten, und ältere Ware ist ein Fall für sich. Dämmungen aus der Zeit vor der Jahrtausendwende sind gefährlicher Abfall. Ihre Fasern stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Ein großer Teil dessen, was in den kommenden Jahren bei Sanierungen anfällt, besteht aus genau diesem Material.
Bisher wird Mineralwolle allenfalls als Füllstoff verwendet und verschwindet als Ballast im Deponiekörper oder im Straßenunterbau. Eine Anlage, die aus alter Glaswolle wieder Glaswolle macht, schließt den Kreis auf dem Wertniveau, statt ihn nach unten zu öffnen. Knauf hat die geplante Kapazität bisher nicht genannt, und der Antrieb ist ein Verbot, kein Markt. Es bleibt die Frage, die über solchen Projekten steht: Entsteht der Kreislauf nur dort, wo ein Gesetz ihn erzwingt?
Quellen:
- IV Kärnten: Knauf Insulation baut erste Recyclinganlage für Mineralwolle
- Knauf Insulation: Wir bauen Österreichs erste Recyclinganlage für Mineralwolle
- Rockwool: Steinwolle entsorgen: Abfallrücknahme-Service Rockcycle
- ABCO: Recyclinganlage von Knauf Insulation