Die Dürre 2026 kostet die deutsche Landwirtschaft mehr als 600 Millionen Euro. Rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps sind seit Mitte Juni verdorrt. Auf genau diesen Feldern könnte eine Technik zweierlei zugleich leisten: Strom erzeugen und die Pflanzen vor der Hitze schützen. Das Fraunhofer ISE hat den Effekt bereits gemessen.

Doppelte Ernte auf einem Feld: Unter den Modulen der Heggelbacher Versuchsanlage wächst weiter Ackerfrucht, während oben Strom entsteht. In Deutschland ist die Technik bislang kaum verbreitet. Foto: BayWa r.e.
Bei der Agri-Photovoltaik werden Solarmodule so hoch über den Acker gestellt, dass darunter weiterhin gepflügt, gesät und geerntet werden kann. Der Halbschatten der Module senkt die Verdunstung und die Pflanzen verlieren weniger Wasser. An der Versuchsanlage im baden-württembergischen Heggelbach zeigte sich im Dürresommer 2018, was das bedeutet: Drei von vier Kulturen lieferten unter den Modulen einen höheren Ertrag als auf der freien Vergleichsfläche daneben. Zählt man Strom und Lebensmittelertrag derselben Fläche zusammen, brachte der Acker mehr, als reine Landwirtschaft könnte: im Normaljahr 160 Prozent, im Dürresommer sogar 186 Prozent.
Ein Selbstläufer ist die Technik damit nicht. Nicht jede Pflanze verträgt den Schatten gleich gut: In normalen Jahren, ohne den Wasservorteil der Dürre, kann die geringere Lichtmenge lichtbedürftige Kulturen Ertrag kosten. Am meisten lohnt Agri-PV dort, wo Verschattung von Vorteil ist, etwa bei Gemüse, Obst, Beeren und empfindlichen Sonderkulturen. Ihr eigentlicher Vorteil liegt ohnehin in der Doppelnutzung: Dieselbe Fläche produziert Nahrung und Energie zugleich.
Doch genutzt wird diese Möglichkeit bisher kaum. In Deutschland stehen erst einige hundert Megawatt, die größte Anlage im mecklenburgischen Tützpatz seit September 2025 auf rund 93 Hektar. Das Potenzial liegt um Größenordnungen höher: Ein bis zwei Prozent der Ackerfläche würden genügen, um 170 bis 340 Gigawatt unterzubringen, ohne der Nahrungsproduktion Fläche zu nehmen. Der Hauptgrund für die Zurückhaltung ist der Preis: Aufgeständerte Anlagen benötigen hohe Ständer und sind teurer als ebenerdige Solarparks. Gemessen an 600 Millionen Euro Dürreschaden in einem einzigen Sommer wäre dieser Aufpreis allerdings gut investiert. An der Technik liegt es nicht, sie ist seit Jahren erprobt. Was fehlt, ist die Entscheidung, sie großflächig umzusetzen.
Dafür gibt es eigentlich eine Förderung. Für hoch aufgeständerte Agri-PV sieht das Solarpaket von 2024 einen Bonus auf die Vergütung vor. Dieser wird bis heute nicht ausgezahlt, weil die EU-Kommission ihn genehmigen muss und diese Genehmigung seit über zwei Jahren aussteht. Das liegt jedoch nicht an Brüsseler Versäumnissen, sondern an einem Streit über die Details: Die Kommission verlangt, dass Deutschland eine Überförderung gesetzlich ausschließt und zu viel gezahltes Geld zurückholt. Berlin hat das zugesagt, ist sich mit Brüssel aber bis heute nicht einig, wann und wie dies geschehen soll. Es ist dieselbe Frage, die auch für die EEG-Reform 2027 im Raum steht, deren Genehmigung Ende 2026 ausläuft. Die Verantwortung liegt damit weniger in Brüssel als in Berlin, wo eine Zusage gemacht, aber nicht eingelöst wurde. Während beide Seiten um das Kleingedruckte ringen, müssen die Agri-PV-Anlagen warten.
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