Schlechte Luft in Europas Städten

„Europa muss ehrgeizig sein“

Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA, erklärte dazu: „Luftverschmutzung fügt der menschlichen Gesundheit und den Ökosystemen Schaden zu. Ein Großteil unserer Bevölkerung lebt nach heutigem Standard nicht in einer gesunden Umwelt. Europa muss ehrgeizig sein und über die derzeitigen Rechtsvorschriften hinausgehen, um einen nachhaltigen Weg einzuschlagen.”

Umweltkommissar Janez Potocnik fügte dem hinzu: “Die Luftqualität ist ein zentrales Anliegen vieler Menschen. Umfragen zeigen, dass der überwiegende Anteil der Bürger sehr gut über die Auswirkungen der Luftqualität auf die Gesundheit Bescheid weiß und die Behörden auffordert, wirksame Maßnahmen auf EU-weiter, nationaler und lokaler Ebene zu ergreifen, sogar in Krisenzeiten mit rigider Sparpolitik. Auf diese Anliegen werde ich mit der anstehenden Überprüfung der Luftreinhaltungspolitik durch die Kommission eingehen.”

Auch ländliche Gebiete betroffen

Zwischen 2009 und 2011 waren bis zu 96 % der Stadtbewohner Feinstaubkonzentrationen (PM 2,5)  sowie bis zu 98 % Ozonwerten (O3) über den WHO-Richtlinien ausgesetzt. Ein geringerer Anteil an EU-Bürgern war Konzentrationen dieser Schadstoffe ausgesetzt, die über den Grenz- bzw. Zielwerten der EU-Rechtsvorschriften lagen. Diese von der EU vorgegebenen Grenz- bzw. Zielwerte sind in einigen Fällen weniger streng als die WHO-Richtlinien. Siehe Daten der EUA zur Belastung in der EU.

Nicht nur Städte sind betroffen  – auch in einigen ländlichen Gebieten wird eine hohe Luftverschmutzung verzeichnet, so der Bericht. Die nationalen Unterschiede in Europa werden in einer Reihe von Datenblättern für die einzelnen Länder aufgezeigt, die den wichtigsten Ergebnissen beigefügt sind.

Es gibt eine Reihe von Erfolgen bei den Bemühungen zur Senkung von Schadstoffemissionen zu verzeichnen – so haben sich z. B. die Schwefeldioxidemissionen aus Kraftwerken, Industrie und Verkehr im Laufe des letzten Jahrzehnts verringert, was zu einer geringeren Belastung geführt hat. Die schrittweise Abschaffung von verbleitem Benzin hat zu einer Senkung der Bleikonzentrationen geführt, die sich nachweislich auf die Entwicklung des Nervensystems auswirken.

Eutrophierung

Neben den Gesundheitsbedenken zeigt der Bericht auch Umweltprobleme wie die Eutrophierung auf, bei der die Ökosysteme durch übermäßige Stickstoffanreicherung geschädigt werden, was wiederum die Biodiversität gefährdet. Eutrophierung ist nach wie vor ein weitverbreitetes Phänomen, von dem die meisten europäischen Ökosysteme betroffen sind.

Die Emissionen einiger stickstoffhaltiger Schadstoffe sind gesunken – so haben sich z.B. die Stickoxid- und Ammoniakemissionen seit 2002 um jeweils 27 % und 7 % verringert. Dennoch liegen diese Emissionswerte unter den Erwartungen, da acht EU-Mitgliedstaaten ein Jahr nach Ablauf der Frist für die Einhaltung die gesetzlichen Grenzwerte überschrittenen haben. Um das Problem der Eutrophierung anzugehen, sind weitere Maßnahmen zur Senkung von Stickstoffemissionen erforderlich.
->Quelle: eea.europa.eu; duh.de