EU genehmigt Briten-AKW

Atom-Kritiker: „Ökonomischer und ökologischer Irrsinn“

Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital erklärte laut pv magazine: „Diese Entscheidung ist ökonomischer und ökologischer Irrsinn. Atomkraft gefährdet Menschen und birgt viele ungelöste Probleme: Die unzureichende Haftung im Falle einer Atomkatastrophe, explodierende Kosten beim Rückbau der Reaktoren, die fehlende Lösung für das Atommüllproblem sind nur einige Beispiele“. Er warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, keine atomkritische Position vertreten zu haben. „Sie ist nicht für eine europäische Energiewende eingetreten. Somit ist sie mitverantwortlich für künftige AKW-Neubauten in Europa, welche auch die deutsche Bevölkerung auf Jahrzehnte hinaus gefährden werden“, so Smital weiter.

Und der Geschäftsführer des europäischen Photovoltaik-Industrieverbandes EPIA, James Watson, reagierte ebenfalls enttäuscht: „Diese Entscheidung, die im Widerspruch zu dem Ziel mehr Wettbewerb im Energiesektor steht, wird zweifellos weitere Verzerrungen im Energiesektor hervorrufen und die Entwicklung eines Energiebinnenmarktes behindern. Dagegen wird von der Photovoltaik erwartet, sich Marktregeln anzupassen, die gar nicht zu ihr passen“.

Fell: Neue Atomkraftwerke längst nicht mehr konkurrenzfähig mit Erneuerbaren Energien

Energy Watch-Präsident Hans Josef Fell kommentierte die EU-Entscheidung: „Die Genehmigung der EU-Kommission zeigt erneut, wie versucht wird, unbelehrbar an alten umweltschädlichen und viel zu teuren Risikotechnologien festzuhalten. Da neue Atomkraftwerke schon längst nicht mehr konkurrenzfähig mit Erneuerbaren Energien sind (vgl. die neue Analyse der AEE von 20 Studien zu Stromgestehungskosten – solarify.eu/strom-aus-wind-und-sonne-zunehmend-kostengunstiger), versuchen die von der Atomwirtschaft durchsetzte EU-Kommission und die britische Regierung für die Atomtechnologie zu retten, was zu retten ist.“

Doch die Zeichen stünden, so Fell, ganz anders: „Hinkley Point C wird nach Baubeginn das gleiche Schicksal erleiden wie alle anderen Atomneubauprojekte: unabsehbare Bauverlängerungen und Finanzdesaster.“ Inzwischen sei durchgesickert, dass auch der Neubau des russischen Atomkraftwerks in Kaliningrad eingestellt sei. Auch die beiden slowakischen Bauvorhaben in Mochovce hätten erneut deutliche Verzögerungen der geplanten Inbetriebnahme unter erheblicher Erhöhung der Baukosten angekündigt. Es sei abzusehen, dass in Großbritannien schon in einigen Jahren sogar Erhöhungen der ohnehin exorbitanten Einspeisevergütungen gefordert würden.
Außerdem wird die britische Wirtschaft aller Voraussicht nach gegen die sich durch den Neubau von Hinkley Point C abzeichnende Strompreiserhöhung opponieren, vor allem weil sie sehen, dass in Deutschland und China die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie aufgrund des billigen Wind- und Solarstroms immer mehr steigt.

Fell wörtlich: „Auch wenn nicht zu erwarten ist, dass Hinkley Point C wie geplant 2023 ans Netz gehen wird, sondern wie die anderen AKW-Neubauten in Flamanville (Frankreich), Oilkilouto (Finnland) und Kaliningrad zur Investitionsruine wird, richtet der Spruch der EU-Kommission dennoch großen Schaden an. Atomfreunde werden auch in anderen Ländern versuchen, mit der Ankündigung von Atomneubauprojekten ihren Kernkraftanteil zu erhöhen. Die notwendige politische Unterstützung des viel günstigeren Ausbaus der Erneuerbaren Energien wird damit in Europa erneut um einige Jahre zurückgeworfen.“