Endspiel am Amazonas

Noch mehr als eine Milliarde Hektar, eine Fläche die größer ist als die USA

Der Bericht an den Club of Rome macht deutlich, dass viel auf dem Spiel steht. Trotz jahrzehntelangem Raubbau sind die verbliebenen Waldflächen am Amazonas in Zentralafrika und in Asien noch immer gigantisch. Sie umfassen mehr als eine Milliarde Hektar, eine Fläche die größer ist als die USA. Die Analyse der aktuellen Entwaldungstrends legt nahe, dass bis 2050 ein weiterer Verlust von Primärwäldern von mindestens 100 Millionen Hektar zu befürchten ist. Das entspricht etwa der doppelten Größe Spaniens. Der WWF hält sogar noch weit größere Verluste für realistisch. Zwar seien die Abholzungen in den vergangenen Jahren in einigen Regionen deutlich zurückgegangen, doch vom Ziel der Vereinten Nationen, die globale Entwaldung bis zu vollständig zu stoppen, sei man weit entfernt.

„Das Endspiel um den Erhalt der letzten Tropenwälder hat längst begonnen“, fasst Claude Martin die aktuelle Situation zusammen. Noch sei das Schicksal der Tropenwälder nicht besiegelt. Es bedürfe aber gewaltiger Anstrengungen, dieses Naturerbe zu bewahren. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten seien die Staaten gefordert, den Waldschutz in den Tropenländern gesetzlich zu verankern, praktisch umzusetzen und Finanzströme umzuleiten. Ein weiterer zentraler Punkt sei die Veränderung des Konsumverhaltens der Menschen in den Industrie- und zunehmend auch in den Schwellenländern. Besonders die Nachfrage nach
Fleisch, Futtermittel und Biokraftstoffen dürfe nicht weiter im großen Stil auf Kosten der Tropenwälder gehen.

WWF pflichtet bei

Martins Einschätzung wird vom WWF geteilt: Jörg Andreas Krüger, Leiter des Fachbereichs Biodiversität beim WWF Deutschland fordert: „In den Tropenländern müssen Schutzgebietssysteme und Landnutzungsplanungen entwickelt werden, die einen wirkungsvollen Schutz der Wälder ermöglichen. Bei der finanziellen und technischen Unterstützung ist auch Deutschland in der Verantwortung.“

Ein zentraler Schauplatz, an dem sich das Schicksal der Tropenwälder entscheidet, ist das Amazonasbecken. Hier findet sich der größte Regenwaldblock der Erde mit 530 Millionen Hektar, der sich auf neun lateinamerikanische Staaten verteilt. Besonders im Fokus steht Brasilien. „Das Land hat große Erfolge im Regenwaldschutz im Amazonas erzielt und kann für andere Staaten in Zentralafrika oder in Asien als Modell funktionieren“, erkennt Jörg-Andreas Krüger an. Leider sei Brasilien dabei, die Erfolge leichtfertig kurzfristigen Profitinteressen der Agrar- Energie und Bergbauindustrie zu opfern. Falls aktuelle Reformpläne umgesetzt werden, könnten selbst bestehende Naturschutzgebiete und indigene Schutzgebiete aufgelöst und erschlossen werden. Nicht nur für den Wald wäre das fatal: Im Amazonas leben mehr als 300 indigene Kulturen, einige von ihnen ohne Kontakt zur Außenwelt. Ihre Territorien haben sich gegenüber der Entwaldung als noch widerstandfähiger erwiesen als staatliche Naturschutzgebiete „Der Schutz der Kulturen und Rechtsansprüche indigener Völker ist ein zentraler Schritt zum Schutz der Wälder, konstatiert Claude Martin in seinem Bericht an den Club of Rome. „Es geht nicht allein um die Bewahrung einer biologischen Schatzkammer. Wälder versorgen uns mit sauberem Wasser, schützen uns vor Erosion und Fluten und stabilisieren unser Klima. Setzen wir das aufs Spiel, verlieren wir mehr als ein paar Prozente Wirtschaftswachstum“.

->Quellen:

  • Der 34. Bericht an den Club of Rome erscheint unter dem Titel Endspiel – wie wir das Schicksal der tropischen Wälder noch wenden können im oekom verlag, München, 320 Seiten, 22.95 Euro.
  • wwf.de/2015/endspiel-am-amazonas
  • oekom.de