Alarmierend: Sechs Tage früher als 2014

„Ab Donnerstag [13.08.2015] sind die natürlichen Ressourcen aufgebraucht, welche die Erde 2015 regenerieren und damit nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Ab dann muss die Menschheit bis Jahresende bei der Natur einen ‚Kredit aufnehmen‘ – und das schon zum dreißigsten Mal in Folge“, teilt der WWF mit. Ein Parameter für diesen Kredit ist der „Earth Overshoot Day“ (EOD), jährlich berechnet vom footprintnetwork.

23 Jahre nach der UNCED (United Nations Conference on Environment and Development) 1992 in Rio de Janeiro überschreitet der Ressourcenverbrauch von Jahr zu Jahr schneller die globale Kapazität.  Der WWF nennt ihn den „Welterschöpfungstag“. Heute – am 13.08.2015 – ist er erneut eingetreten, sechs Tage früher als 2014. Die restlichen viereinhalb Monate dieses Jahres lebt die Menschheit damit „auf Pump“. Jahr für Jahr tritt dieser Welterschöpfungstag früher ein.

Earth Overshoot Day als Marke des Raubbaus

Der sogenannte Earth Overshoot Day (siehe solarify.eu/earth-overshoot-day) bezeichnet den Tag des Jahres, an dem die Ressourcen für das laufende Jahr aufgebraucht sind; man kann ihn auch den ökologischen Fußabdruck des Menschen pro Jahr nennen. Er zeigt die Aufzehrung der globalen Gemeinschaftsgüter in Jahreszyklen an und ist damit eine Art Maß für die Überschreitung der Biokapazität der Erde. Anschauliches Beispiel ist der Earth Overshoot Day deshalb, weil er im Kalender immer weiter nach vorne rückt. Fiel er 1993 noch auf den 21. Oktober, war er 2003 schon einen ganzen Monat nach vorne gerückt, 2012 fiel er auf den 22. August: 2013 kam er zwei Tage früher – am 20. August – 2014 am 19.08..

Earth Overshoot Day 2015: Welches Land verbraucht wieviel? © WWF

An diesem Tag sind die Ressourcen erschöpft, zu deren Erneuerung die Erde ein ganzes Jahr brauchte. Ab diesem Zeitpunkt begeben wir uns in den „ecological overshoot“, das heißt, der EOD markiert den Tag, an dem wir beginnen, über unsere jährlichen natürlichen Ressourcen hinauszugehen – oder, anders gesagt: wir beginnen, unsere globalen Ressourcenvorräte abzubauen – kurz: wir treiben Raubbau an unseren Vorräten und den unserer Nachkommen. Obwohl der Earth Overshoot Day nur eine grobe Schätzung des Ressourcenverbrauches innerhalb einer bestimmten Zeit darstellt, ist er (bislang) das einzige Instrument, das uns die Lücke zwischen unserem Bedarf/Verbrauch an/von Ressourcen und der Kapazität unserer Erde veranschaulicht.

Global Footprint Network ist ein internationaler Think Tank mit dem Ziel, Nachhaltigkeit voranzutreiben. Dazu wird der Ecological Footprint genutzt. Der Footprint ist ein Buchhaltungswerkzeug, das misst, wieviele Naturressourcen und –dienstleistungen wir verbrauchen, wieviele wir haben und wer wieviele Ressourcen konsumiert. Indem wir ökologische Grenzen ins Zentrum aller relevanten Entscheidungsfindungsprozesse rücken, unterstützen wir die Bemühungen, den globalen Overshoot zu beenden und eine Gesellschaft zu schaffen, in der alle Menschen innerhalb der verfügbaren Ressourcen unseres Planeten gut leben können.

Schweizer bräuchten drei Erden

Innerhalb der letzten 15 Jahre rückte der EOD kontinuierlich vom Herbst zur Jahresmitte vor: 2000 trat der Overshoot Day erst am 1. Oktober ein, inzwischen sind die jährlichen Erdressourcen bereits Mitte August aufgebraucht. Um den weltweiten Ressourcenhunger zu befriedigen, bräuchte es mittlerweile 1,5 Erden. „Auch die Schweiz trägt wesentlich zur Übernutzung bei. Würden alle Länder so viele Ressourcen verbrauchen wie wir“, so das Schweizer Umweltbundesamt, „bräuchte es gar drei Erden“.

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