Greenpeace will Braunkohle – zum Stilllegen

Angeblich drei Gebote für Vattenfalls Lausitzer Braunkohle

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat dem schwedischen EVU Vattenfall völlig überraschend ein Übernahmeangebot für dessen deutsches Braunkohlegeschäft unterbreitet. Der Plan ist kein verspäteter Aprilscherz und könnte sogar verwirklicht werden. Offen bleibt die Geldfrage – vorerst. Greenpeace Schweden hat auf seiner Webseite einen Brief an die amerikanische Citigroup veröffentlicht, die von Vattenfall mit dem Verkauf beauftragt worden war. “Vår ambition är att köpa verksamheten för att så snabbt som möjligt stänga ner kolkraftverken och stoppa alla förberedelser för flera nya gruvor.” Deutsch: “Unser Ziel ist, die Unternehmen so schnell wie möglich zu kaufen, die Kohlekraftwerke zu schließen und alle Vorbereitungen für die neuen Tagebaue zu stoppen.”

Ein Scherz ist die Ankündigung also offenbar nicht. Annika Jacobson, Präsidentin von Greenpeace Schweden, will “mit Vattenfall ernsthaft über die Übernahme reden”. Greenpeace kenne sich gut aus mit den Zukunftsfragen des Energiemarktes und der Klimapolitik.

[note “Greenpeace Sweden has today stated an interest in buying Vattenfall’s German lignite activities. This is in response to Vattenfall’s decision to divest from the lignite business and put their operation up for sale.”(Greenpeace Schweden hat heute sein Interesse an Kauf der deutschen Braunkohle-Aktivitäten von Vattenfall erklärt. Dies als Reaktion auf Vattenfalls Entscheidung, nicht mehr in Braunkohle zu investieren und ihre Betriebe zum Verkauf anzubieten”]. Mehrfache Versuche von Politikern, die deutsche Braunkohle-Verstromung – mit ihren hohen [[CO2]]-Emissionen die schmutzigste Energieform – zurück zu fahren, schlugen fehl. Immerhin deckt sie noch rund ein Viertel des deutschen Stromverbrauchs. Die Pläne Baakes und Gabriels wurden stets wieder einkassiert – zuletzt, nachdem IG BCE-Chef Vaissiliadis mehrere Tausend Mitglieder vor dem BMWi hatte aufmarschieren lassen. Greenpeace scheint dagegen guten Mutes, den Konflikt mit den rund 8200 Beschäftigten in den Braunkohletagebauen und -kraftwerken durchzustehen.

Geld? Arbeitsplätze?

Vattenfall verhandelt mit den tschechischen Energiekonzernen CEZ und EPH und ungenannten ausländischen Finanzinvestoren – unbekannt sind auch die Summen, um die es geht. Spekulationen raunen zwischen drei und fünf Milliarden Euro. Doch durch die weltweite Divestment-Bewegung (siehe solarify.eu/keine-kohle-mehr-fur-kohle-ol-und-gas) werden aber immer mehr Anleger misstrauisch gegenüber Investitionen in fossile Rohstoffe und Energien: Denn am Finanzmarkt droht nach Überzeugung vieler eine “carbon bubble“, eine Kohlenstoff-Blase, alle Investments wären mit einem Schlag wertlos. Angesichts dessen könnte Vattenfall also auch ein Minus akzeptieren, um die Braunkohle loszuwerden.

Offen bleibt die Frage der Arbeitsplätze – mehr als 15.000 indirekt betroffene Jobs in der Region. Und da reagieren Politiker stets sensibel; es könnten Wählerstimmen sein. Dass es sich bei der Greenpeace-Offerte um ein ernsthaftes Angebot handelt, wird jedenfalls von der IG BCE bezweifelt: “Damit macht sich Greenpeace zu einer Heuschrecke neuer Art”, sagte Gewerkschaftssprecher Christian Hülsmeier der Welt. “Am Ende läuft es aber auf das hinaus, was wir seit Langem kennen: mit viel Geld und aus rücksichtslosem Eigeninteresse Arbeitsplätze vernichten. Das ist nicht mal ein schlechter Scherz.”

[note Die Mitteilungen der tschechischen Energiekonzerne, sie seien am Kauf der deutschen Braunkohle-Sparte von Vattenfall interessiert, kommentierte Susanne Neubronner, Energie-Expertin von Greenpeace-Deutschland:
„Jetzt ist es amtlich: Zwei tschechische Energie-Konzerne wollen tatsächlich Vattenfalls Braunkohle-Geschäft kaufen. EPH und CEZ machen mit Braunkohle- und Atomkraftwerken ihr Geld. Sie scheren sich nicht darum, dass Braunkohle und andere fossile Brennstoffe im Boden bleiben müssen, wenn die schlimmsten Folgen des Klimawandels aufgehalten werden sollen. Sollte einer dieser Konzerne das Braunkohle-Geschäft übernehmen, droht ein Weiterbetrieb der Klimakiller und Landschaftszerstörer bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Damit wird die deutsche Energiewende nicht stattfinden.
Für Greenpeace ist klar: Bevor weiter Dörfer, Natur und Klima zerstört werden, wird Greenpeace alles daran setzen, dass jemand das Geschäft übernimmt, der den Tagebau beendet und den Menschen in der Region eine neue, saubere Zukunft bietet. Greenpeace hat mit der Studie ‚Vattenfalls Chance‘ im April gezeigt, wie der schwedische Staatskonzern den Ausstieg aus der Braunkohle in Deutschland selbst sozialverträglich organisieren kann.
Gestern hat auch Greenpeace Schweden offiziell ernsthaftes Interesse bekundet, am Verkaufs-Prozedere der Braunkohle-Sparte von Vattenfall teilzunehmen. Die Teilnahme könnte den Einblick in die Bücher von Vattenfall ermöglichen. Sie erhöht zudem den Druck auf die schwedische Regierung, eine klimafreundliche Lösung zu finden. Dies ist derzeit von besonderer Bedeutung, da im Dezember in Paris die große UN-Klimakonferenz stattfinden wird. Dort muss auch Schweden Verantwortung zeigen. Sollte Greenpeace keinen Einblick in Vattenfalls Unterlagen erhalten, wäre dies ein ernstes Signal gegen den Umweltschutz.“]

->Quellen: