CO2-Dünge-Effekt untersucht

Kaum zu glauben, aber wahr: Kohlendioxid lässt die Erde “ergrünen” – doch kein Argument für Klimaleugner

nature climate change logoAuf einem Viertel bis der Hälfte der bewachsenen Gebiete der Erde hat sich in den vergangenen 35 Jahren einer neuen, am 25. April in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlichten Studie zufolge erhebliche Ergrünung gezeigt, vor allem wegen der Zunahme des atmosphärischen Kohlendioxids.

Ein internationales Team von 32 Autoren aus 24 Institutionen in acht Ländern werteten in einer Mammutaufgabe die Satellitendaten des NASA Moderate Resolution Imaging Spectrometers (MODIS) und des Advanced Very High Resolution Radiometers (AVHRR) der National   Photosyntheseaktivität in Nordamerika von 26.03.- 10.04.2000- Bild © Gemeinfrei, commons.wikimedia.orgOceanic and Atmospheric Administration (NOAA) aus, die diese in den 33 Jahren von  1982 bis 2015 gesammelt hatten. Sie wollten damit den Blattflächenindex, bzw. die Blattabdeckungsmenge in den bewachsenen Regionen des Planeten bestimmen. Bei ihren Messungen erfassen die Satelliten über die Reflexion von Infrarotlicht, wie groß die Blattfläche und Dichte der Vegetation in einem Gebiet jeweils ist. Die aktuelle Ergrünung durch Zunahme der Blätter von Pflanzen und Bäumen entspricht zweimal der Fläche des Festlands der USA. In relativen Zahlen: jährlich um 0,068 Quadratmeter Grün pro Quadratmeter bewachsene Erde.

Boston University Department of Earth and Environment logoDie Ergebnisse zeigten, dass CO2-Düngung 70 Prozent des Ergrünungs-Effekts erklärt, sagte Lead-Autor Zaichun Zhu,Peking University - Foto © cliveg.bu.edu Zaichun Zhu, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Earth & Environment Institut der Boston University. “Der zweitwichtigste Treiber ist Stickstoff mit 9 Prozent. So sehen wir, was eine überdimensionale Rolle CO2 in diesem Prozess spielt.”

Über Ranga Myneni, Boston University - Foto © cliveg.bu.edu85 Prozent der eisfreien Erdregionen sind mit Vegetation bedeckt. Das Ausmaß der Ergrünung in den letzten 35 Jahren “hat im Grunde die Fähigkeit, den Kreislauf von Wasser und Kohlenstoff im Klimasystem ändern”, so Zaichun, der gemeinsam mit Ranga Myneni als Gastwissenschaftler an der Boston University die erste Hälfte der Studie besorgt hat. “Die stärksten Ergrünungstrends zeigen sich dabei im Südosten Nordamerikas, im nördlichen Amazonasgebiet, in Europa, Zentralafrika und in Südostasien”, berichten Zhu und seine Kollegen.

Jährlich wird ungefähr die Hälfte der durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre emittierten 10 Milliarden Tonnen Kohlenstoff  zu etwa gleichen Teilen vorübergehend in Ozeanen und Pflanzen gespeichert. “Während unsere Studie nicht die Verbindung zwischen Ergrünung und CO2-Speicherung in Pflanzen untersucht, haben andere Studien seit den 80er Jahren über eine  immer größere Kohlenstoffsenke an Land berichtet, Shilong Piao, Urban and Environmental Sciences, Peking University - Foto © globalcarbonproject.org was mit der These einer Ergrünung der Erde völlig im Einklang steht”, sagte Co-Autor Shilong Piao vom Institut für Stadt- und Umweltwissenschaften der Universität Peking.

Natürliches Blatt - Foto © Gerhard Hofmann_Agentur Zukunft

Grüne Blätter nutzen Sonnenenergie, um mittels Photosynthese über Spaltöffnungen der Luft entnommenes Kohlendioxid chemisch mit Nährstoffen und dem Boden entzogenem Wasser zu verbinden und so Zucker zu produzieren, wichtigste Quelle für Nahrung, Baustoffe für die Zellen und Treibstoff für das Leben auf der Erde. Studien haben gezeigt, dass die zunehmende Konzentration von Kohlendioxid auch die Photosynthese steigert, und somit das Pflanzenwachstum anregt.

Allerdings ist die Kohlendioxid-Düngung nicht die einzige Ursache für erhöhtes Pflanzenwachstum: Stickstoff, Landnutzungsveränderungen und Klimawandel durch globale Temperaturänderungen, Niederschlag und Sonneneinstrahlung – all das  trägt zur Ergrünung bei. Um das Ausmaß des CO2-Beitrags zu bestimmen, ließen die Forscher die Daten für Kohlendioxid und der anderen Variablen je für sich durch verschiedene Computermodelle laufen, die das mittels der Satellitendaten beobachtete Pflanzenwachstum nachahmten.

Veränderungen der Grünflächen 1982-2015- Bild © Boston University, Ranga Myneni[note Zunahme der grünen Blattfläche von 1982 bis 2009 – Grafik © Boston University, Ranga Myneni]

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