Orient droht Klima-Exodus

Klimawandel könnte Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas unbewohnbar machen

mpic logoDie Zahl der Klimaflüchtlinge könnte künftig dramatisch steigen. Wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie und vom Cyprus Institute in NicosiaCyprus Institute logo berechnet haben, dürfte es im Nahen Osten und in Nordafrika so heiß werden, dass Menschen dort in vielen Gegenden nicht mehr leben können. Das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, was auf den jüngsten UN-Klimakonferenzen beschlossen wurde, wird nicht ausreichen, das zu verhindern.

Dorf in der saudischen Wüste - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftDenn die sommerliche Durchschnittstemperatur in den bereits heute sehr heißen Regionen des Orients wird mindestens doppelt so schnell ansteigen wie global. Das hätte zur Folge, dass die Temperaturen südlich des Mittelmeers schon Mitte des Jahrhunderts an besonders heißen Tagen 46 bis 50 Grad Celsius erreichen können. Und von diesen Tagen wird es dann mehr als fünfmal so viele geben wie noch zur Jahrtausendwende. Zusammen mit einer steigenden Luftverschmutzung durch Wüstenstaub, könnte der Klimawandel das Leben vieler Menschen dort so unerträglich machen, dass sie sich zur Flucht gezwungen sehen dürften.

BBC-Film "Der Marsch" - Screenshot © BBC[note Solarify hat bereits am 20.10.2015 umfangreich über das Thema Klimamigration berichtet: Unter dem Titel “Klima, Krieg und Flucht – Als hätten wir es nicht gewusst – Blutzoll der fossilen Energieträger – Jede Sekunde flieht ein Mensch vor Klimafolgen” erinnerte der Text zunächst  an ein aufsehenerregendes Doku-Drama vor 25 Jahren: „Der Marsch“, eine Co-Produktion mit der BBC – Afrikaner auf der Flucht vor der Armut nach Europa – ein Zug verzweifelter Gestalten, die sich vor dem Hungertod retten wollen…]

Über 500 Millionen Menschen leben im Nahen Osten und in Nordafrika – einer Region, die bereits jetzt vom Klimawandel stark betroffen ist. Johannes Lelieveld Max-Planck-Institut für Chemie und Cyprus Institute © MPI für Chemie, MainzSo hat sich dort die Zahl der extrem heißen Tage seit 1970 verdoppelt. „Das Klima in weiten Teilen des Orients könnte sich in den kommenden Jahrzehnten so verändern, dass es geradezu lebensfeindlich wird“, sagt Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie und Professor am Cyprus Institute.

Katar bei Nacht - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft

Er und seine Kollegen haben jetzt detailliert ermittelt, wie sich die Temperaturen im Nahen Osten und in Nordafrika im 21. Jahrhundert entwickeln werden. Heraus kam Erschreckendes: Selbst wenn sich die Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit im Schnitt nur um zwei Grad Celsius erwärmt, steigt die Temperatur dort im Sommer um mehr als das Doppelte. In den wärmsten Zeiten werden die Thermometer schon Mitte des Jahrhunderts nachts nicht unter 30 Grad fallen und am Tag auf 46 Grad Celsius ansteigen. Bis Ende des Jahrhunderts könnte die Mittagstemperatur während heißer Tage sogar bei 50 Grad Celsius liegen. Ein weiteres Ergebnis: Hitzewellen können zehnmal häufiger auftreten.

Orient-Grafik

[note Durchschnittliche Temperaturen steigen bis 2050 im Winter um etwa 2,5 °C (li.), im Sommer um etwa fünf Grad Celsius (re.) – Kreuzschraffur deutet an, dass die Modellergebnisse für die Gebiete weitgehend übereinstimmen, an punktierten Stellen ist die Übereinstimmung nahezu vollständig. – Grafik © mpic.de]

Folgt: Mitte des Jahrhunderts 80 statt 16 extrem heiße Tage