Arktiseis weiter dramatisch auf dem Rückzug

NASA-Animation: Wöchentliche Veränderung des arktischen Meereises

Kein Zweifel in der Arktis - die Eisberge vor Grönland nehmen ab - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftEin von der NASA veröffentlichtes Video zeigt drastisch, wie das Eis um den Nordpol zurückgeht, schreibt unter anderen die Neue Osnabrücker Zeitung. Das sogenannte Ewige Eis ist fast ganz verschwunden. Das arktische Meereis schrumpft nicht nur, es wird immer jünger und dünner. Eine Animation der NASA zeigt das Schmelzen des Meereises, das weltweit des Klima beeinflusst. Die Aufnahmen zeigen die Veränderungen von September 1984 bis September 2016.

walt-meier-vom-nasa-goddard-space-flight-centre-screenshot-svs-gsfc-nasa-govIn der Animation beschreibt der Kryosphärenforscher Dr. Walt Meier vom NASA Goddard Space Flight Centre, wie sich das Meereis während der Ära der Satellitenmessungen grundlegend verändert hat. Weil sie die Eisdicke nur schwer direkt messen konnten, haben die Wissenschaftler Schätzungen aufgestellt und mithilfe von Satelliten und Forschern der University of Colorado die Entwicklung des Eises seit 1984 beobachtet.

Auffällig schon seit Längerem: Der rasche Rückgang des dauerhaften Meereises. Mehrjähriges Meereis, auch als multi-year ice bezeichnet, ist der Teil des Meereises, das die jahreszeitliche Schmelze im Sommer übersteht. Mehrjähriges Eis kann eine Lebensdauer von neun Jahren oder mehr haben und stellt die dickste Komponente des Meereises dar. Es kann bis zu vier Meter dick werden. Im Gegensatz dazu ist das Eis des ersten Jahres, das während eines einzigen Winters wächst, im allgemeinen höchstens zwei Meter dick.

Das alte Eis ist jedoch von großer Bedeutung, denn es wird mit der Zeit dicker und übersteht damit nicht nur höhere Temperaturen, sondern in der Regel auch Stürme oder Wellen. Mit den Jahren wird das arktische Eis allerdings durch Wind und Wellen bewegt – in Teilen bis in den Nordatlantik, wo es im Sommer schmilzt aber teilweise auch in die sogenannte Beaufortsee nördlich von Alaska. Dort bewegt es sich mit der sogenannten Eisdrift im Kreis und schmilzt im Sommer nicht, sondern kann wachsen und zu altem Eis werden.

„Wir haben den größten Teil des älteren Eises verloren”

[note In der Arktis gibt es zwei Hauptströmungen der Eisdrift:

  1. Die Transpolardrift  – sie führt von Sibirien nach Grönland und transportiert große Eismengen durch die Framstraße in den Grönlandstrom entlang der Ostküste Grönlands.
  2. Den Beaufortwirbel – er dreht sich von oben gesehen im Uhrzeigersinn vor den Nordküsten Grönlands, Kanadas und Alaskas in der Beaufortsee. Die Geschwindigkeit der Eisdrift liegt bei etwa 1 % bis 2 % der Windgeschwindigkeit. In den Monatsmitteln des Zeitraums 1992–2009 reichte sie von etwa o,25 km/h nach dem Erreichen der maximalen Meereis-Ausdehnung im April, bis hin zu 0,5 km/h nach dem Höhepunkt der Schmelzperiode im Oktober. In weiten Teilen der Arktis hat seit 1992 die Geschwindigkeit der Eisdrift zugenommen, insgesamt um etwa 20 % – vor allem seit 2000. Ursachen dafür sind die immer dünnere Eisdecke und in Teilen der Arktis höhere Windgeschwindigkeiten. (nach Wikipedia)]

Doch wie NASA-Wissenschaftler Walt Meier im Video erklärt, ist das Eis in der Beaufortsee immer öfter brüchig, mit der Folge, dass es selbst hier schmilzt. „Die Beaufortsee wurde von einem Schutzort zu einem Friedhof für älteres Eis“, erklärt Meier. „Wir haben den größten Teil des älteren Eises verloren: In den 80er Jahren bestanden noch 20 % der Meereisdecke aus  mehrjährigem Eis. Nun liegt der Anteil bei nur noch etwa drei Prozent. Das ältere Eis war wie eine Art Versicherungspolice des arktischen Packeises: wenn wir es verlieren, steigt die Wahrscheinlichkeit eines eisfreien Sommers in der Arktis ständig.“

Die Animation zeigt anschaulich, wie sich das Wintereis von Jahr zu Jahr neu bildet und wieder zurückgeht. Festzustellen ist aber auch die Veränderung des beständigen Eises im Jahresvergleich.

das-arktische-meereis-jeweils-im-september-1984-2016-bilder-nasa[note Das arktische Meereis – jeweils im September 1984 und 2016. Der Jahresvergleich im September der Jahre 1984 und 2016 zeigt: Während 1984 noch knapp zwei Millionen Quadratkilometer mit vier oder mehr Jahre altem Eis bedeckt waren, sind es 2016 nur noch etwa hunderttausend Quadratkilometer. – Bilder © NASA]

Unten die Animation des wöchentlichen Zustandes des arktischen Meereises von 1984 bis 2016 – sie zeigt die jahreszeitliche Variabilität des Eises, das im arktischen Winter wächst und im Sommer schmilzt. Darüber hinaus zeigt sie auch die Veränderungen von Jahr zu Jahr, indem sie das Alter des Meereises durch verschiedene Farben kennzeichnet. Jüngeres Meereis oder Eis des ersten Jahres wird in einem dunklen Blauton gezeigt, je älter das Eis ist, desto weißer wird es dargestellt. Eine Farbskala kennzeichnet den Zustand der dazwischen liegenden Jahre.

Ein Diagramm in der unteren rechten Ecke quantifiziert die Änderung im Laufe der Zeit durch die Darstellung der Fläche in Millionen Quadratkilometern die von jeder Altersgruppe des mehrjährigen Meereis bedeckt ist. Die Grafik enthält auch eine Speicherleiste – die grüne Linie, die hier den aktuellen Maximalwert darstellt, der bisher in der Animation für die jeweilige angezeigte Woche angezeigt wurde. Wenn man zum Beispiel die erste Woche im September ansieht, wird die Speicherleiste den maximalen Wert jeder ersten Septemberwoche aller früheren Jahre anzeigen, der seit Beginn der Animation (01.01.1984) zu sehen war.

Visualisierungen von Cindy Starr am 28.10.2016

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