Elsevier-Verlag versucht, Wissenschaft zu erpressen

*)Elseviers Rolle als Waffenhändler

[note Die Britische Kampagne gegen Waffenhandel entschied, Organisatoren von Waffenmessen anzugehen und begann eine Kampagne gegen den Verleger Reed Elsevier, der europäische Messen organisierte. Reeds Position als die Nummer 1 der Verleger für medizinische und andere wissenschaftliche Zeitschriften erlaubt es, eine Verbindung zur medizinischen und akademischen Welt herzustellen und Unterstützung von Ärzten, Schriftstellern und Wissenschaftlern zu bekommen. Schließlich fühlte sich Reed Elsevier gezwungen, seine Abteilung für Waffenmessen abzustoßen.

bpb_logoVon 2005 bis Mitte 2008 sorgten Verbindungen des Konzerns zum internationalen Waffenhandel für Schlagzeilen. Ausgerechnet die renommierte und von Reed Elsevier herausgegebene Medizin-Fachzeitschrift „The Lancet“ kritisierte in einem Artikel die Aktivitäten der Tochterfirma Spearhead/Reed Exhibitions. Letztere ist auf die Organisation von Messen und Ausstellungen spezialisiert. Im September 2005 veranstaltete die Firma erstmals die DSEi (Defence Systems and Equipment international), eine der größten Militäraustellungen der Welt, auf der unter anderem auch von der UNO geächtete Streubomben kommerziell vertrieben werden. Über zwei Jahre lang distanzierte sich „The Lancet“ regelmäßig von den Beziehungen des Mutterkonzerns zur internationalen Rüstungsindustrie mit dem Hinweis, diese wären für eine medizinische Publikation moralisch nicht tragbar.

Im März 2007 verfassten rund 80 „Lancet“-Redakteure einen offenen Brief samt kritischem Fragenkatalog an Davis. Auf drei Seiten protestierten unter anderem Ian Gilmore, Präsident der obersten britischen Ärzteorganisation Royal College of Physicians, und der US-Linguist Noam Chomsky in Leserbriefen gegen die Waffenmessen. Sir Michael Atiyah, ehemaliger Präsident der einflussreichen Royal Society, forderte einen Boykott von Reed-Elsevier-Publikationen. Der ehemalige CEO Crispin verteidigte das kontroverse Engagement mit dem kurzen Statement, dass „die Verteidigungsindustrie notwendig für die Aufrechterhaltung von Freiheit und nationaler Sicherheit“ sei. Im Mai 2008 reagierte das Management und kündigte an, die DSEi werde zukünftig nicht mehr von Reed Elsevier organisiert. Der Druck von Seiten der Aktionäre und der Protestbewegung „The Campaign Against Arm Trade“ war zu groß für das Unternehmen geworden.
(Nach: archiv.friedenskooperative.de und bpb.de/reed-elsevier)]

->Quellen: