Demos in vier Städten: Zehntausende für die Energiewende

In Berlin, Hamburg, Köln und München demonstrieren zehntausende gegen den Kurs von Wirtschaftsministerin Reiche beim Ausbau erneuerbarer Energien.

 Demo „Erneuerbare Energien verteidigen" am 18. April 2026 in Berlin — im Hintergrund der Reichstag. Foto: Chris Grodotzki / Campact

Demo am 18. April 2026 in Berlin – im Hintergrund der Reichstag. Foto: Chris Grodotzki / Campact

Die Demonstrationen gegen die Energiepolitik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche haben begonnen. Unter dem Motto „Erneuerbare Energien verteidigen!” rufen sieben Organisationen zu Kundgebungen auf. Mit dabei sind Campact, die Deutsche Umwelthilfe, Fridays for Future, Greenpeace, Germanwatch, GermanZero und der WWF Deutschland. Die Veranstalter erwarten Zehntausende Teilnehmer. Auslöser sind die Pläne aus dem Wirtschaftsministerium. Unter anderem  ein geleakter Entwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Demnach soll die Einspeisevergütung für neue Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von unter 25 Kilowattpeak ab dem Jahr 2027 ersatzlos gestrichen werden. Als Ersatz nennt das Ministerium „Contracts for Difference“ und langfristige Stromlieferverträge, sogenannte PPAs. Beide Instrumente sind jedoch auf Großprojekte zugeschnitten und nicht auf Einfamilienhäuser oder Scheunendächer. Forschende sprechen bereits von einer „Reichen-Schlucht“ – in Anlehnung an den Einbruch im Jahr 2012, als eine Kürzung der Vergütung den privaten Zubau halbierte und Tausende Arbeitsplätze in der Solarbranche wegfielen. Die Hintergründe zu Reiches Plänen, den internen Vorgängen im Ministerium und den Interessenverflechtungen haben wir bereits am 7. April beschrieben: Angriff auf die Energiewende: Was passiert da im Wirtschaftsministerium?

Der Widerstand ist breit. Über 5.500 Unternehmen, davon 1.700 innerhalb eines einzigen Tages, unterzeichneten einen Wirtschaftsappell. 440 Akteure der Bürgerenergie warnten vor einem „Angriff auf die dezentrale Energiewende“. 15 von 16 Bundesländern positionierten sich gegen die Kürzungspläne. Parallel dazu plant das Ministerium zunächst zwölf Gigawatt neue Gaskraftwerke, später sollen es 20 bis 25 Gigawatt werden. Sie werden als „H2-ready” deklariert, allerdings ohne dass parallel in die dafür notwendige Wasserstoffinfrastruktur investiert wird.

Auf den Kundgebungen reichte die Rednerliste quer durch Wissenschaft, Verbände, Handwerk und Politik: Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, der Physiker Harald Lesch, die Wissenschaftlerin Maja Göpel und der Solarinstallateur Andreas Arens von ZOPF Energieanlagen. Für die Parteien sprachen Felix Banaszak (Grüne), Nina Scheer (SPD) und Luigi Pantisano (Die Linke). Christoph Bautz von Campact erklärte im Vorfeld: „Mit Zehntausenden werden wir am Samstag gegen den Frontalangriff auf die Erneuerbaren protestieren.“ Martin Kaiser von Greenpeace sagte: „Es muss jetzt Schluss sein mit dem wirtschaftsschädlichen Zickzackkurs.“ Yasin Hinz von Fridays for Future ergänzte: „Jede neue fossile Investition ist eine Investition in die Klimakrise.“
Wer in einem demokratischen System gleichzeitig Klimabewegung, Sozialverbände, Handwerk, mittelständische Wirtschaft und 15 Landesregierungen gegen sich hat, sollte seine Pläne noch einmal überdenken.

Quellen: