Doch Einfluss der Sonne auf Klimawandel?

Aber nur 0,5° C Abkühlung

Modellrechnungen zeigen erstmals eine plausible Möglichkeit auf, welchen spürbaren Effekt Schwankungen der Sonnenaktivität auf das Klima haben. Vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten jüngsten Arbeiten zufolge könnte sich die menschengemachte Erderwärmung in den nächsten Jahrzehnten leicht verlangsamen: Eine “schwächere” Sonne werde voraussichtlich ein halbes Grad Abkühlung beitragen.

Es gibt den menschgemachten Klimawandel – und es gibt natürliche Klimaschwankungen. Ein wichtiger Faktor bei diesem unabänderlichen Auf und Ab der Erdtemperatur, das in verschiedenen Zyklen verläuft, ist die Sonne: Ihre Aktivität variiert und damit auch die Intensität der Strahlung, die bei uns ankommt. Es ist eine der zentralen Fragen der Klimaforschung, ob diese Schwankungen überhaupt einen Effekt auf das irdische Klima haben. Die IPCC-Berichte gehen davon aus, dass die Sonnenaktivität in der jüngeren Vergangenheit und auch der nächsten Zukunft keine Bedeutung für den Klimawandel hat.

Schätzung des zu erwartenden Beitrags der Sonne zur Temperaturänderung

Die Studie relativiert diese Annahme nun. Die Forschenden vom Physikalisch-Meteorologischen Observatorium Davos (PMOD), der EAWAG, der ETH Zürich und der Universität Bern liefern mit aufwendigen Modellrechnungen eine belastbare Schätzung des zu erwartenden Beitrags der Sonne zur Temperaturänderung in den nächsten 100 Jahren und finden dabei erstmals einen signifikanten Effekt. Sie errechnen eine Abkühlung des Erdklimas um durchschnittlich 0,5 Grad, wenn die Sonnenaktivität ihr nächstes Minimum erreicht.

[note Bisher galt die Behauptung, wegen sinkender Sonnenaktivität werde der Klimawandel demnächst pausieren (Vahrenholt/Lünings “Kalte Sonne”) als unzutreffend, die herrschende Lehrmeminung war, selbst wenn die Sonnenaktivität zurückgehen sollte, wären die Folgen für die Erderwärmung marginal. Denn selbst wenn die Sonne demnächst in eine Phase extrem niedriger Aktivität einträte, würde dadurch nur ein sehr kleiner Teil der anthropogenen Erderwärmung ausgeglichen. Vorhersagen der 11jährigen Sonnenzyklen sind allerdings in der Wissenschaft umstritten, weil ihre physikalischen Ursachen noch nicht hinreichend erforscht sind. Es zeigte sich jedoch bereits, dass der Einfluss der Sonne begrenzt ist. So trug die Sonne zur Erderwärmung der vergangenen hundert Jahre nur etwa ein Zehntel bei; Computer-Simulationen ergaben für 2100 eine moderate Temperaturminderung von nicht mehr als 0,3° C.  Laut IPCC ist dagegen bis dsahin (je nach Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen) mit einem Anstieg der Erdmitteltemperatur um 0,3 bis 4,8 Grad Celsius zu rechnen, also ein Vielfaches der möglichen Abkühlung durch eine „kalte Sonne“. Also wird selbst eine extrem abnehmende Sonnenaktivität in den kommenden Jahrzehnten nur wenig an der Erderwärmung ändern. (nach klimafakten.de)]

Das sehen auch die Schweizer so: Auch wenn diese Abkühlung den menschengemachten Anstieg der Temperatur keineswegs kompensieren werde, sei sie doch bedeutsam, so Werner Schmutz, Direktor des PMOD und Leiter des Projekts “Future and Past Solar Influence on the Terrestrial Climate”: “Wir könnten wertvolle Zeit gewinnen, wenn die Aktivität der Sonne zurückgeht und sich der Temperaturanstieg damit ein wenig verlangsamt. Das dürfte uns helfen, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.” Doch die Zeit sei nur geborgt: Nach dem nächsten Minimum komme auch das nächste Maximum garantiert, warnt Schmutz.

Folgt: Starke Schwankungen können vergangenes Klima erklären