Atlas der Umweltmigration erschienen

Neu ab 18. April 2017: Klimakrise – wichtiger Faktor für Völkerwanderungen

Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, war noch nie so hoch wie heute. Ende 2015 waren 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Doch was, wenn in den nächsten Jahrzehnten weitere 200 Millionen Menschen hinzukommen, die vor allem aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels ihre Heimat verlassen – wegen steigender Meeresspiegel, anhaltender Dürre, Waldbränden, Mangel an Trinkwasser oder immer häufiger auftretenden Naturkatastrophen? Der am 18.04.2017 im oekom-Verlag erscheinende Atlas der Umweltmigration bringt die Herausforderung Umweltmigration auf die Agenda, präsentiert erstmals relevante Daten und Fakten und bereitet sie in unzähligen Grafiken und Karten verständlich auf.

Der Atlas der Umweltmigration thematisiert die enorme Herausforderung, vor der die Menschheit im 21. Jahrhundert steht. Zahlreiche detaillierte Karten und aufwendige Grafiken liefern eine Fülle an Informationen, illustrierte und bebilderte Fallstudien aus aller Welt sensibilisieren für die Situation der Menschen vor Ort. Im Stil des beliebten Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique informiert der Atlas der 1951 gegründeten Internationalen Organisation für Migration (IOM) erstmals über alle Aspekte des komplexen Themas “Umweltflucht”.

Droht eine neue Völkerwanderung?

Grafiken und detaillierte Karten liefern eine Fülle an Informationen über die Zusammenhänge von Umweltkatastrophen, Klimawandel und Migration auf allen Kontinenten. Mit wie vielen Menschen, die wegen der Folgen des Klimawandels fliehen, müssen wir in den nächsten Jahrzehnten rechnen? Wie beeinflussen sich Umweltaspekte und politische Konflikte bei der Entscheidung zur Flucht? Wo gab es in der Vergangenheit Migrationsbewegungen aufgrund von Umweltereignissen, und welche Teile der Erde werden in Zukunft betroffen sein? Bebilderte Fallstudien aus aller Welt sensibilisieren für die Situation der Menschen vor Ort – seien es die Fischer am immer weiter austrocknenden Aralsee oder die Bewohner der Carteret-Inseln, denen durch den Anstieg der Meeresspiegel die Überflutung droht.

Umweltmigration muss auf die politische Agenda

Die bislang von der Politik weitgehend vernachlässigte Umweltmigration muss dringend Eingang in die Debatten finden – warnen die drei AutorInnen des Migrationsatlas. Würde an den richtigen Stellen schnell gehandelt, könnten humanitäre Katastrophen verhindert und potenzielle Fluchtursachen bekämpft werden. Der Globale Norden steht hier in besonderer Verantwortung, denn es sind vor allem die Industrienationen, die den Klimawandel auslösen oder die Ökosysteme des Südens übernutzen. Die Politik ist also gefordert; sie muss und kann dafür sorgen, Umweltmigration einzudämmen. Dazu bedarf es allerdings einer übergreifenden und ausgewogenen politischen Agenda, die es nur geben kann, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen. Der “Atlas der Umweltmigration” hält sie bereit und informiert über Migrationsströme und -routen, Mobilitätsfaktoren und mögliche Schutzmaßnahmen für die Migranten.

Dina Ionesco ist Leiterin der Abteilung für Migration, Umwelt und Klimawandel bei der IOM. In dieser Funktion betreut sie migrationsbezogene Maßnahmen und Programme zum Nexus Migration, Umwelt und Klimawandel und koordiniert die Beteiligung der IOM an politischen Prozessen wie den Klimaschutzverhandlungen und der Nansen-Initiative.

Daria Mokhnacheva ist Mitarbeiterin der Abteilung Migration, Umwelt und Klimawandel bei der IOM und Expertin für die Auswirkungen von Katastrophen und Umweltveränderungen auf Gesellschaften, Migration und Entwicklung. Sie ist unterstützend bei der Ausarbeitung relevanter Programme und Projekte tätig.

François Gemenne ist Experte für Umwelt-Geopolitik und Migration. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Lüttich (FNRS – Hugo Observatory) und geschäftsführender Direktor des Programms “Politiques de la terre à l`épreuve de l`Anthropocène”. Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind Umweltmigration und Vertreibung, die sozialen Dimensionen des Klimawandels und Anpassungsmaßnahmen.

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