Minister Jost: Nach Fessenheim muss Cattenom vom Netz

Die erneute technische Panne, welche die EDF, Betreiberin des Atomkraftwerks Cattenom am 19.04.2017 veröffentlicht hat, ist nach Ansicht des saarländischen Umweltministers Reinhold Jost ein weiterer Beleg für die bedrohliche Störanfälligkeit des AKW. Die EDF hatte mitgeteilt, dass Block 1 in der Nacht zum Mittwoch abgeschaltet werden musste. Als Grund wurde eine Fehlfunktion eines Dampfventils im nichtnuklearen Bereich genannt.

„Die Pannen und Zwischenfälle, darunter auch bereits zwei Brände in diesem Jahr, wiederholen sich leider in regelmäßigen Abständen. So lange der Meiler weiter Strom produziert, werden sich die Menschen in der Großregion nicht sicher fühlen können. Vor diesem Hintergrund wiederhole und bekräftige ich die Forderung nach einer vorzeitigen Abschaltung des Atomkraftwerkes“, so Jost. Dafür wolle er sich hier und im Nachbarland auch weiter einsetzen. Der Minister erinnerte daran, dass die Umweltminister-Konferenz auf Betreiben des Saarlandes im vergangenen Jahr die Bundesregierung aufgefordert hatte, sich für die vorzeitige Stilllegung des Atomkraftwerks in Cattenom einzusetzen. „Den politischen Druck auf den Bund und natürlich auf Paris müssen wir aufrechterhalten. Im Saarland werden wir den bisher gewählten Weg des politischen Widerstands weitergehen.“

Jost hofft darauf, dass mit den Wahlen in Frankreich die energiepolitischen Karten neu gemischt werden – auch mit Blick auf Cattenom. Jost: „Der Glaube an die Atomkraft ist in Frankreich zwar ungebrochen. Doch immerhin gibt es bereits die Ankündigung der jetzigen Umweltministerin, den Pannen-Meiler Fessenheim bis Ende 2018 dicht zu machen. Das wäre ein Anfang, die Stilllegung von Cattenom müsste konsequenterweise folgen.“

07.04.2017: EDF verschiebt Abschaltung von Fessenheim –  Die Stilllegung des AKW werde erst dann beantragt, wenn der neue, in Bau befindliche EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) Flamanville 3 am Ärmelkanal ans Netz gehe – also voraussichtlich 2019 – teilte der EDF-Verwaltungsrat mit. Das pannen-anfällige AKW Fessenheim wird damit mindestens ein Jahr länger in Betrieb bleiben als Umweltministerin Royal angekündigt hatte. Die EDF hatte zwar Anfang 2017 gegen (angeblich) 450 Mio. Euro Entschädigung der Abschaltung zugestimmt. Doch will sie den dazu notwendigen Antrag auf Stilllegung erst einreichen, wenn Flamanville fertiggestellt und vollständig angeschlossen ist – frühestens 2018. Erst im Jahr darauf könne Fessenheim vom Netz gehen. Allerdings war die Abschaltung von Fessenheim ein Wahlversprechen Hollandes. Zudem hatte es zuletzt am 09.02.2017 im nicht-nuklearen Teil von Flamanville gebrannt – vier Tage davor, am 05.02.2017, in Cattenom.

Fessenheim, ältestes noch laufendes französisches AKW und Symbol für die französische Atomenergie, ist seit Jahren ein Zankapfel der deutsch-französischen Beziehungen. 1977 gingen in Fessenheim zwei 900-MW-Reaktoren in Betrieb – geplante Nutzungsdauer damals 40 Jahre – also bis 2017. Immer wieder geschahen Pannen und Zwischenfälle, so dass 2007 die französische Atomaufsicht ASN der EDF Nachlässigkeit vorwarf. Eine Schweizer Studie kam gar zu dem Ergebnis, dass das Erdbebenrisiko beim Bau des AKW unterschätzt worden sei, weiter stehe in Frage, ob Fessenheim Überflutungen standhalten könne. Weil das AKW keine Kühltürme habe, belaste es mit seiner Abwärme schon im „Normalbetrieb“ den Rhein stark. (Nach heute/ZDF)

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