Naturkatastrophen kosteten 2015 mehr als 62 Milliarden

5. Global Platform for Disaster Risk Reduction in Cancún

Naturkatastrophen und Klimarisiken kosten Menschenleben, setzen Entwicklungsfortschritte aufs Spiel, erhöhen Armuts- und Krankheitsrisiken. Diese Herausforderungen standen vom 22. bis 26.05.2017 im Zentrum der fünften Globalen Plattform für die Verringerung von Katastrophenrisiken (“Global Platform for Disaster Risk Reduction”) in Cancún unter Ägide der UNISDR (United Nations Office for Disaster Risk Reduction). Mehr als 5.000 Personen nahmen teil, darunter Staats- und Regierungschefs, internationale Organisationen sowie Vertreter von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft.

El Niño

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) machte auf die wachsende Bedeutung des Klimawandels und seine humanitären Folgen aufmerksam. „Das globale Wetterphänomen „El Niño“, das auch für die aktuell anhaltende Dürre mit verheerenden Folgen in Teilen Ostafrikas verantwortlich ist, sei nur eine der Folgen des Klimawandels. “Wir beobachten, dass sich die Zahl der Extremwetterereignisse in den vergangenen Jahren stark erhöht hat“, so DRK-Klimaexpertin Alexandra Rüth: „Und wir sehen die katastrophalen Auswirkungen für die Menschen in den betroffenen Regionen. Dies stellt die humanitäre Hilfe vor immense Herausforderungen.“ Denn der Bedarf an humanitärer Hilfe infolge einer Zunahme von massiven Regenfällen und Überschwemmungen, tropischen Wirbelstürmen sowie von Hitzewellen und Dürren ist extrem gestiegen. Die Gesamtkosten der weltweit entstandenen Schäden infolge von Naturkatastrophen beliefen sich allein im Jahr 2015 auf 62,64 Milliarden Euro.

Innovative Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen müssen her

Investitionen in innovative Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen sind angesichts dieser enormen Zahl wichtiger denn je. „Wir als DRK setzen verstärkt auf das Instrument des sogenannten Forecast-based financing. Dabei geht es darum, vorhandene Wettervorhersagen zu nutzen und auf steigende Extremwetterrisiken in bestimmten Ländern und Regionen frühzeitig mit festgelegten Standardmaßnahmen zu reagieren. In ausgewählten Pilotländern wurden dazu spezielle Schwellenwerte zur Frühwarnung entwickelt. Beim Eintritt dieser Schwellenwerte werden dann vorab erarbeitete Vorsorgemaßnahmen wie etwa die Ausgabe von Hilfsgütern eingeleitet“, sagte Rüth.

Im Prinzip befolgen wir damit die einfache Regel: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Und das zahlt sich für die betroffenen Menschen ganz klar aus. Durch die Maßnahmen, die bei Überschreiten der Schwellenwerte bereits vor Eintritt einer Flut oder eines Sturms eingeleitet werden, sind die Menschen vorbereitet. Sie können die schädlichen Folgen des Extremwetters besser abfedern“, fügt Rüth hinzu. Das Deutsche Rote Kreuz hat in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt in diesem Bereich eine Vorreiterrolle eingenommen und berichtete in Cancun über Erfahrungen mit dem Instrument.

Behinderte in Katastrophenvorsorgeplänen besser berücksichtigen

Der ASB setzte sich in Cancún dafür ein, dass die Belange von Menschen mit Behinderung in Katastrophenvorsorgeplänen weltweit besser berücksichtigt werden. “Menschen mit Behinderung sind bei Naturkatastrophen wie Erdbeben, aber auch Überschwemmungen und Erdrutschen besonders verwundbar” sagte Michael Schnatz, Leiter des Referats Bevölkerungsschutz des ASB-Bundesverbandes. “Katastrophenschutzkonzepte müssen dies berücksichtigen. Außerdem müssen diese Konzepte fester Bestandteil der Helferschulungen im Katastrophenschutz werden.”

Konkret gelte es beispielsweise, Fluchtwege barrierefrei zu gestalten und so auszuschildern, dass auch Menschen mit Behinderung sie leicht finden könnten. Zudem müssten Notunterkünfte barrierefrei zugänglich sein und inklusiv ausgestattet werden können. Darüber hinaus sei es wichtig, dass die Helferinnen und Helfer bei Betreuungseinsätzen wissen, wie sie Menschen mit Behinderung beistehen und sie unterstützen können. “Die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung müssen daher auch bei der Ausgestaltung des Konzeptes Zivile Verteidigung unbedingt berücksichtigt werden”, so Schnatz.

Schweiz: Katastrophenvorsorge, Klimawandel und Entwicklungszusammenarbeit müssen stärker kooperieren

Die Schweiz plädierte im Rahmen der Konferenz einer Medienmitteilung des eidgenössischen Bundesrats  zufolge “für eine stärkere Zusammenarbeit in den Bereichen Katastrophenvorsorge, Klimawandel und Entwicklungszusammenarbeit”. Die Zahl der durch Katastrophen auf Grund des Klimawandels, schnellen Bevölkerungswachstums, ungeplanter Urbanisierung und Umweltzerstörung vertriebenen Personen habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ohne umfassende  Präventions und Vorsorgemaßnahmen sei nachhaltige Entwicklung auf Dauer nicht möglich.

Die Konferenz war die erste Gelegenheit für die internationale Gemeinschaft, den globalen Fortschritt bei der Umsetzung des Sendai-Abkommens von 2015 zur Minderung von Katastrophenrisiken zu überprüfen. Diese Überprüfung möglich gemacht habe ein Satz von Indikatoren, der im vergangenen Jahr in Genf unter Mitwirkung von Schweizer Experten definiert worden sei.

Die Schweiz verfüge über große Erfahrung im Umgang mit Naturkatastrophen – so der Bundesrat. Sie beschäftige sich als dicht besiedeltes Gebirgsland schon seit Hunderten von Jahren mit dem Thema und habe einen integralen, nachhaltigen Ansatz entwickelt, der neben konkreten Schutzmaßnahmen auch die Berücksichtigung der Naturgefahren bei Raumplanung und Bautätigkeit sowie präzise Vorhersage- und Warnsysteme oder Notfallpläne umfasse. Der internationale Austausch im Rahmen der Global Platform ermögliche es der Schweiz einerseits, ihre große Erfahrung im integralen Risikomanagement mit anderen Ländern zu teilen, aber auch neue Ideen und Impulse beim Umgang mit Risiken zu sammeln.

Sendai-Abkommen, Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und COP21 kohärent umsetzen!

In Cancún setzte sich die Schweiz besonders dafür ein, dass die engen Zusammenhänge zwischen Katastrophenprävention, Klimawandel und Entwicklungszusammenarbeit erkannt werden und die Akteure und Akteurinnen auf diesen Gebieten noch enger zusammenarbeiten. Deswegen ist die kohärente Umsetzung des Sendai-Abkommens, der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und des Klimavertrages von Paris ein zentrales Anliegen der Schweiz. Sie erinnert daran, dass das hochrangige politische Forum für nachhaltige Entwicklung eine ausgezeichnete Dialogplattform hierfür darstellt. Wichtig ist nach Auffassung der Schweiz auch, dass die Kapazitäten der lokalen Gemeinschaften im Bereich der Katastrophenprävention gestärkt werden. Diese stellen ein bedeutendes Glied im Hinblick auf die Erreichung der globalen Ziele dar.

Als Co-Vorsitzende der Global Facility for Disaster Risk Reduction (GFDRR), dem Kompetenzzentrum der Weltbank für die Reduzierung von Katastrophenrisiken, hat sich die Schweiz in Cancún bei der internationalen Geberschaft für mehr Investitionen gegen Klimarisiken in Entwicklungsländern und für die erhöhte Resilienz von Städten gegen Naturgefahren stark gemacht. Die Global Platform 2019 wird in der Schweiz stattfinden.

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