Neue Studie von Transport & Environment

Die nichtstaatliche Organisation Transport & Environment (T&E) widerspricht den Behauptungen der Autoindustrie und einiger Politiker, Diesel-Autos seien unverzichtbar für die Einhaltung der Zwei-Grad-Grenze. Offenbar stimmt das Gegenteil: Zwei Jahre nachdem der Dieselgate-Skandal die schmutzige Natur der Diesel enthüllt hat, zeigt eine neue Studie der Dachorganisation europäischer NGOs aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich, dass Dieselfahrzeuge nicht nur die Luft verschmutzen, sondern sogar mehr Klimawandel-Emissionen (wie CO2) als Benzinmotoren ausstoßen.

Eine Lebenszyklusanalyse beweist laut einer Medienmitteilung von T&E , dass Dieselfahrzeuge über ihre Lebensdauer 3,65 Tonnen CO2 mehr als ein Benzinäquivalent ausstoßen. Die stärkere Klimawirkung des Dieselmotors sei darauf zurückzuführen dass

  • der Dieselkraftstoff energieaufwändiger raffiniert wird;
  • mehr Rohstoffe für die Herstellung der schwereren und komplexeren Motoren erforderlich sind;
  • höhere Emissionen entstehen, wenn Biodiesel in den Dieselkraftstoff gemischt wird;
  • mehr Kilometer gefahren werden, weil der Kraftstoff billiger ist.

Der CO2-Ausstoß hängt direkt mit dem Spritverbrauch zusammen und fließt in die Berechnung der Kfz-Steuer ein. Anders als bei NOx gibt es aber bezogen auf das einzelne Fahrzeug keine CO2-Grenzwerte.

Die T&E- Analyse entlarve die Behauptung der Automobilhersteller, Dieselfahrzeuge würden benötigt, um Klimaziele zu erreichen. Ein Blick auf die Marketingbroschüren und Webseiten der Autoschmieden zeige, dass der Unterschied zwischen vergleichbaren Diesel- und Benzinmotoren vernachlässigbar sei: von Null bis zu wenigen Gramm CO2. Insgesamt gehe es um über 3,6 Tonnen Kohlendioxid, die ein Diesel produziere. Aber Diesel-Autos kosten in der Regel € 2.000-3.000 mehr als Benziner. Derzeit verfügbare Alternativen wie Benzin-Hybrid-Fahrzeuge sind ähnlich teuer wie Diesel, aber emittieren rund 20-25% weniger CO2.

Julia Poliscanova, Referentin für sauberer Fahrzeuge bei T&E, sagte: „Dieselgate hat bereits gezeigt, dass Dieselfahrzeuge als dominierende Ursache für giftige Stickstoffdioxid in europäischen Städten jährlich 68.000 Europäer töten. Im Gegensatz zu Branchenbehauptungen haben wir jetzt herausgebracht, dass Diesel-Autos auch für das Klima schlechter sind als Benzin-Versionen und nicht benötigt werden, um die Co2-Ziele von Autos einzuhalten. Europa muss  jetzt den Übergang zu sauberen, elektrisierten Fahrzeugen beschleunigen und schmutzige Diesel in die Museen schicken.“

VCD: Diesel leistet keinen Beitrag zum Umweltschutz

Laut T&E fahren in Europa rund die Hälfte aller Autos mit Dieselmotoren. In den USA dagegen liege der Dieselanteil nur bei einem Prozent, in China bei zwei. Ein Grund für den Erfolg in Europa seien die Steuervorteile für den Diesel. Bei den CO2-Grenzwerten müssten die Hersteller großer und schwerer Diesel-Fahrzeuge zudem laschere Vorgaben erfüllen. „Die T&E-Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Diesel keinen Beitrag zum Klimaschutz leistet“, erklärte denn auch Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim ökologischen Verkehrsclub VCD, laut dpa. „Trotzdem halten Politik und Autoindustrie dieses Argument wie ein Mantra hoch.“ Es gebe keinen umweltpolitischen Grund, den Diesel steuerlich und abgasrechtlich zu bevorzugen. Auch der Naturschutzbund Deutschland (ebenfalls T&E-Mitglied), rief dazu auf, mit dem „Mythos“ vom klimafreundlichen Diesel aufzuräumen.

Die deutschen Autobauer wollen aber – unbelehrbar – vorerst am Diesel vorerst festhalten. Für die Klimaziele 2020/21 sei dieser Antrieb unverzichtbar und klar notwendig, sagte etwa BMW-Chef Harald Krüger erst kürzlich.

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