Am Fuß der Zugspitze kracht es am häufigsten

Bei Kiel gibt es die wenigsten Gewitter

Xavier hat es jüngst wieder demonstriert: Sturm, Hagel und Starkregen verursachen jedes Jahr deutschlandweit durchschnittlich zwei Milliarden Euro Schaden. Forscher am Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben untersucht, wo es am häufigsten blitzt und donnert. Nicht im Norden, wie Xavier nahelegen könnte, sondern ganz im Gegenteil.

Wer Angst vor Gewittern hat, sollte nach Kiel ziehen. Wer sich von Blitz und Donner wenig eingeschüchtert oder gar beflügelt fühlt, lässt sich am besten in Garmisch-Partenkirchen nieder. Denn während es in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein im Mittel die wenigsten Gewitter gibt, zucken Blitze über dem oberbayerischen Skiort besonders häufig. Daten von Gewittern haben Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ausgewertet und in der Fachzeitschrift Natural Hazards and Earth System Sciences veröffentlicht.

[note Im Voralpenraum kommt es mit am häufigsten zu Gewittern – Grafik © Michael Kunz, KIT]

Die Gewitterhäufigkeit kann nicht nur auf den Zustand des Nervenkostüms, sondern auch den des Geldbeutels auswirken: „Schwere Gewitter, insbesondere wenn sie mit großen Hagelkörnern, Starkniederschlägen und Sturmböen verbunden sind, führen immer wieder zu hohen Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen und landwirtschaftlichen Kulturen“, sagt Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des KIT. Als Beispiel nennt er die beiden besonders schweren Gewitter, die Ende Juli 2013 in Niedersachsen und Süddeutschland Zerstörungen von rund drei Milliarden Euro anrichteten. „Das war der größte versicherte Schaden weltweit durch Naturkatastrophen in diesem Jahr“, so Kunz weiter.

In fünf Jahren 10,4 Milliarden Euro Schaden

Allein in den vergangenen fünf Jahren hätten schwere Gewitter nach Angaben von Rückversicherern Gesamtschäden von insgesamt 10,4 Milliarden Euro angerichtet, so der Experte. „Wie häufig es zu Gewittern kommt, hängt stark von der Region ab“, sagt David Piper vom IMK. In Deutschland gebe es die meisten Gewittertage – solche mit mindestens fünf Blitzen am Tag auf einer Fläche von fünf mal fünf Quadratkilometern – am Alpenrand und im Alpenvorland, mit einem Schwerpunkt westlich und östlich von Garmisch-Partenkirchen.

Insgesamt zählt man im bayerischen Voralpenraum bis zu 15 Gewittertage pro Jahr. Weitere Häufungen seien zwischen Neckar und Schwäbischer Alb festzustellen, im Erzgebirge sowie im Bayerischen Wald. „Am seltensten sind Gewittertage entlang der Nord- und Ostseeküste“, so Piper. „2010 zum Beispiel gab es in der Region zwischen Hamburg und Bremen vielerorts überhaupt keine Gewitter.“ Im Durchschnitt erlebt Norddeutschland zwei Gewittertage pro Jahr, der Raum Karlsruhe dagegen sieben.

„Gewitterhochburg“ Steiermark mit 34 Gewittertagen 2009

[note Blitze – Animation – Foto © Sebastien D’ARCO, Animation Koba-chan, CC BY-SA 2.5, commons.wikimedia.org]

Gewitter-Hochsaison ist von Juni bis August mit einem Höhepunkt im Juli. Meist kracht es am Himmel nachmittags oder am frühen Abend, wenn die höchsten Temperaturen vorliegen. Größere Gewittercluster, die sich über großräumige Mechanismen oder aus vorangegangenen Gewittern bilden, bilden sich dagegen bevorzugt in der Nacht. Nimmt man dazu Österreich, die Schweiz, die Benelux-Länder und Frankreich in den Blick, fällt auf, dass die Zahl der Gewittertage von Nordwesten nach Südosten hin zunimmt. So werden die meisten Gewittertage in Teilen der österreichischen Südalpen sowie in einem Streifen vom Tessin bis in das Umland von Turin beobachtet. „Gewitterhochburg“ ist die Steiermark mit 34 Gewittertagen 2009.

Verantwortlich für die Gewitterhäufigkeit sind drei Faktoren: die Entfernung vom Meer, die örtliche Landschaftsbeschaffenheit und die Feuchte in Bodennähe. „Das Meer hat einen gewitterhemmenden Einfluss, da das Wasser im Sommer die unteren Luftschichten kühlt und somit stabilisiert“ (Piper). Dagegen zwinge gebirgiges Gelände die Luft zum Aufsteigen und lasse so leichter Gewitter entstehen.

Eine Zu- oder Abnahme der Gewitterhäufigkeit lasse sich hingegen bisher nicht erkennen, so die Wetterexperten. Stattdessen schwanke die Gewitteraktivität sehr stark von Jahr zu Jahr. Diese jährlichen Schwankungen sind sowohl durch großräumige Strömungsmuster als auch durch die Meeresoberflächen-Temperatur bestimmt. So ist beispielsweise in weiten Teilen des Untersuchungsgebiets die Gewitteraktivität bei starkem Westwind deutlich verringert. Die Frage der hohen jährlichen Variabilität, die besonders für Versicherungen interessant ist, wollen die Forscher in Zukunft näher untersuchen.

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