DUH fordert Sofortmaßnahmen von Kanzlerin

EEA meldet Anstieg der Dieselabgas-Todesfälle in Deutschland um 20 Prozent

Greenpeace-Aktion am BMVI vor Dieselgipfel – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft

Die Europäische Umweltagentur hat einen alarmierenden Bericht zu den gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung in Europa vorgelegt: Die darin enthaltenen, durch Stickstoffdioxid verursachten 12.860 vorzeitigen Todesfälle in Deutschland sind nahezu viermal mehr als die Anzahl der Verkehrstoten. Die Deutsche Umwelthilfe prangert erneut an: „Mit Segen des Kraftfahrt-Bundesamtes sollen Diesel-Pkw bei Temperaturen unterhalb von plus 10 Grad Celsius, also praktisch das gesamte Winterhalbjahr über, mit abgeschalteter Abgasreinigung die Innenstädte mit Stickstoffdioxid belasten“.

Bereits zum zweiten Mal hat die Europäische Umweltagentur (EEA) in den letzten beiden Jahren die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch das Dieselabgasgift Stickstoffdioxid (NO2) in Deutschland und Europa heraufgesetzt. In seinem aktuellen, heute vorgestellten Bericht spricht die Umweltbehörde der Europäischen Union nun von 12.860 vorzeitigen Todesfällen in Deutschland. Dies entspricht einer Steigerung von circa 20 Prozent gegenüber den im Vorjahresbericht präsentierten 10.610 jährlichen vorzeitigen Todesfällen.

Luftqualität in Europa – 2017 Report – Titel © EEA

[note Aus dem EEA-Bericht: „Hohe Konzentrationen an Luftverschmutzung haben nach wie vor erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Europäer, wobei Feinstaub (Partikulate Matter – PM), Stickstoffdioxid (NO2) und bodennahes Ozon (O3) den größten Schaden anrichten. Dem Bericht zufolge waren Feinstaub-Konzentrationen für schätzungsweise 428.000 vorzeitige Todesfälle in 41 europäischen Ländern im Jahr 2014 verantwortlich, von denen sich rund 399.000 in der EU-28 befanden. Schlechte Luftqualität hat auch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen, steigende medizinische Kosten, verringert die Produktivität der Arbeiter und schädigt Boden, Pflanzen, Wälder, Seen und Flüsse.]

Die Ergebnisse des Berichts kommentiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH): „Die erschreckend hohe Anzahl an vorzeitigen Todesfällen durch das Dieselabgasgift Stickstoffdioxid ist die Folge der kriminellen Praxis der Autohersteller, die mit der Ausrede ‚Motorschutz‘ insbesondere im Winterhalbjahr die ordnungsgemäße Abgasreinigung von Diesel-Pkw bei unter 10 Grad Celsius abschalten. Der Bericht der EU-Umweltbehörde ist eine schallende Ohrfeige für Autokanzlerin Angela Merkel. In zwei Dieselgipfeln vor der Wahl wurde Aktivität simuliert und eine Milliarde Euro für Sofortmaßnahmen noch in diesem Winter versprochen. Nach der Wahl stellt sich das Gegenteil heraus – das Geld soll im Wesentlichen für neue Pläne und Untersuchungen ausgegeben werden, statt für die versprochenen sofort wirksamen Maßnahmen. Wir setzen auf gerichtliche Diesel-Fahrverbote und sind zuversichtlich, dass das Bundesverwaltungsgericht Leipzig am 22. Februar 2018 die lange erwartete Grundsatzentscheidung zu Diesel-Fahrverboten für ‚Saubere Luft in unseren Städten‘ treffen wird.“

Auch bei der Belastung durch Feinstaub (PM2,5) gibt es keine Entwarnung. Vier von fünf Stadtbewohnern atmen mehr gesundheitsgefährdende Partikel ein als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für tolerabel hält. Hauptquelle für Feinstaub und besonders gesundheitsschädlichen Ruß sind Feuerungsanlagen – insbesondere Holzfeuerungsanlagen in Haushalten, wie Kaminöfen. „Die kommende Bundesregierung muss unbedingt die Grundlagen für strengere Luftqualitätsstandards in Ballungsräumen schaffen, damit emissionsarme Anlagen mit wirksamer Abgasreinigung zum Standard werden“, so Resch weiter.

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