Grönlands Gletscher schmelzen schneller

NASA-Karte zeigt Dramatik des Klimawandels

Aufnahmen des NASA Earth Science News Team zeigen, dass Grönlands Gletscher schneller abschmelzen, als bisher befürchtet. Forscher von NASA und University of California in Irvine (UCI) haben jahrelang  Daten und Aufnahmen für bessere Aussagen über Meeresboden und Grundgestein Grönlands gesammelt. Heraus kam dabei die höchstauflösende Reliefkarte, die je erstellt wurde. Während die NASA (Operation IceBridge) per Flugzeug die Eisdicke maß, wurden ebenso Messdaten der NASA Ocean Melting Greenland-Kampagne (OMG) genutzt, um den grönländischen Küsten- und Meeresboden besser erfassen zu können.

Die BedMachine Eismapping-Technik der UCI ermöglichte die Erstellung dreidimensionaler Bilder eines Teils der nordwestlichen Küste Grönlands. Ozean-Tiefenmessung wird in blau, die Eisoberflächentopographie in weiß und orange dargestellt.

[note Das NASA-Projekt Oceans Melting Greenland (OMG) soll den Weg für weitere und genauere Schätzungen des Meeresspiegelanstiegs mit der Antwort auf die Frage ebnen: Inwieweit schmelzen die Ozeane Grönlands Eis von unten? Während einer fünfjährigen Kampagne wird OMG wechselnde Wassertemperaturen auf dem Festlandsockel um Grönland beobachten und, wie marine Gletscher auf das Vorhandensein von warmem, salzigem Atlantikwasser reagieren. Die komplizierte Geometrie des Meeresbodens steuert Strömungen auf dem Schelf und bestimmt oft, ob Atlantikwasser in die langen schmalen Fjorde eindringen und mit den Küstengletschern in Wechselwirkung treten kann. Da das Wissen über diese Pfade eine entscheidende Komponente bei der Modellierung der Wechselwirkung zwischen den Ozeanen und dem Eisschild ist, wird OMG auch in wichtigen Regionen verbesserte Messungen der Form und Tiefe des Meeresbodens ermöglichen.]

[note Typischer Grönlandgletscher in Grönland – unter der kalten, frischen Schicht an der Oberfläche reicht eine Schicht warmen, salzigen Wassers in die Fjorde und schmilzt den Gletscherrand zu schmelzen. OMG wird das Volumen und die Ausdehnung dieser warmen Schicht jedes Jahr messen und sie mit Ausdünnung und Rückzug der Gletscher in Verbindung bringen.]

Wichtige Erkenntnisse über den Klimawandel

Die Forscher fanden heraus, dass zwei- bis viermal so viele Gletscher wie bisher angenommen, in Teilen tiefer als 200 Meter unter dem Meeresspiegel liegen – keine gute Nachricht, denn nur das Oberflächenwasser ist bis zu einer Tiefe von 200 Metern kaltes Arktiswasser, das darunterliegende Wasser ist bis zu vier Grad Celsius wärmer, da es aus wärmeren Regionen stammt. Daher schmelzen tief liegende Gletscher entsprechend schneller ab – mit der Folge , dass die Forscher ihre Prognosen zum steigenden Meeresspiegel korrigieren mussten. Wenn die Gletscher innerhalb der kommenden Jahrzehnte oder Jahrhunderte komplett schmelzen, würde der Meeresspiegel um sieben Zentimeter mehr steigen, als bisher angenommen.

Wieder-Vereisung der Arktis möglich?

Ein US-Physiker will eine (abenteuerlich klingende) Lösung der Eis-Schmelze in der Arktis gefunden haben. Steven Desch und seine Kollegen von der Arizona State University wollen mit windgetriebene Pumpen bauen Meerwasser an der Oberfläche gefrieren lassen. Dadurch soll die Eisschicht der Arktis im Sommer nicht so stark abschmelzen. Allerdings erfordere das 10 Millionen Pumpen für 430 Milliarden Euro, wie die Wissenschaftler in einer Forschungsarbeit im Magazin der American Geophysical Union veröffentlichten. „Die Gefahren, die entstehen, wenn das arktische Eis im Sommer schmilzt, könnten signifikant reduziert werden“, sagte Desch im Interview mit dem Guardian.

[note  Abstract aus Earth’s Future: “Eine künstliche Wiederherstellung des Meereises ist unerlässlich. Hier untersuchen wir ein Mittel zur Verbesserung der arktischen Meereisproduktion, indem Windkraft während des arktischen Winters genutzt wird, um Wasser an die Oberfläche zu pumpen, wo es schneller gefriert. Wir zeigen, dass es möglich ist, die Dicke des Eises, wenn geeignete Vorrichtungen verwendet werden, über das natürliche Niveau hinaus um etwa 1 m im Laufe des Winters zu erhöhen. Wir untersuchen die Auswirkungen auf das arktische Klima und kommen zu dem Schluss, dass der Einsatz von mehr als 10% der Arktis, vor allem dort, wo das Überleben von Eis marginal ist, mehr als nur aktuelle Eisverluste in der Arktis unter Nutzung bestehender industrieller Kapazitäten umkehren könnte. Wir schlagen vor, dass die Verdichtung von Eis im Winter durch Windkraftpumpen als Teil einer mehrgleisigen Strategie zur Wiederherstellung des Meereises und der stärksten Rückkopplungen im Klimasystem betrachtet und bewertet wird.]

->Quellen: