Desertec reloaded 3

Neue Studie: Solarstrom aus Afrika statt Netzausbau in Deutschland

“Desertec reloaded 1” lautete am 15.11.2015 ein Artikel auf Solarify, mit dem Untertitel “Neustart im Wüsten-Emirat” (solarify.eu/2015/desertec-reloaded). “Desertec reloaded 2” folgte am 18.04.2016 (“Fraunhofer-Superstudie ‘Supergrid’: Integration von Erneuerbaren Energien in Europa und Afrika”, siehe: solarify.eu/2016-desertec-reloaded). Nun hat das DLR eine neue Untersuchung angestellt: Regelbarer Strom aus thermischen Solarkraftwerken in Nordafrika eigne sich nach wie vor ideal für den Export nach Europa und würde das deutsche Stromnetz entlasten – trotz inzwischen stark gesunkener Preise für grünen Strom. 40 Prozent weniger Netzausbau seien nötig. Die Desertec Wüstenstrom-Initiative kann den prominenten Zuspruch gebrauchen.

[note Das solarthermische Turmkraftwerk Noor Ouarzazate III in Marokko ist das erste von fünf geplanten Solarkraftwerken in der Region. (Screenshot © MASEN)]

  • Regelbarer Strom aus Nordafrika kann das Stromnetz in Deutschland entlasten
  • Thermische Solarkraftwerke eignen sich ideal für den Stromexport nach Europa
  • Schwerpunkt(e): Erneuerbare Energie, Solarenergie, Energiewende

Die Einbindung von regelbaren thermischen Solarkraftwerken aus Nordafrika in den deutschen Kraftwerkspark bis zum Jahr 2050 würde es ermöglichen, das Stromnetz hierzulande deutlich zu entlasten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Energieforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die nun im Fachjournal Renewable Energy veröffentlicht wurde. Sie zeigt, dass durch die Stromimporte ein Ausbau des Stromnetzes in Deutschland und die damit verbundenen Probleme und Kosten reduziert werden könnten. “Mit dem hohen Anteil an regelbarer Energie gibt es außerdem weniger Übertragungsspitzen und Engpässe, das deutsche Stromnetz kann insgesamt entlastet werden”, erläutert der Autor der Studie, Denis Hess vom DLR-Institut für Technische Thermodynamik in Stuttgart.

Die Forscher untersuchten anhand von unterschiedlichen Szenarien, wie Deutschland im Jahr 2050 auf dem Strom-, Wärme und Verkehrssektor mit Erneuerbaren Energien versorgt werden kann. Vorgesehen ist in diesen Szenarien auch die Einspeisung von Strom aus Solarkraftwerken in Nordafrika über Punkt-zu-Punkt-Hochspannungs-Gleichstromleitungen. Sie zeigen, dass sich der Netzzubau innerhalb Deutschlands deutlich verringert, je mehr Erneuerbarer Strom aus Nordafrika angeliefert wird. Bis zu 40 Prozent des Netzausbaus konnten im Szenario “ausgewogener Energie-Mix”, vermieden werden. Vor allem kann der Ausbau der Nord-Süd-Stromtrassen, welche Windstrom von Norden in den Süden bringen sollen, deutlich reduziert werden. Die wissenschaftliche Fachzeitschrift, in der die Studie veröffentlicht wurde, ist eines der international führenden Fachmagazine im Bereich Erneuerbarer Energie mit interdisziplinärem Ansatz.

Ausbaubedarf bestehender und geplanter Stromtrassen mit unterschiedlichem Anteil regelbaren Stroms aus Nordafrika:



Folgt: Solarkraftwerke mit Potenzial