EE-Autos: China hängt Rest der Welt ab

Absatz um 53 Prozent gestiegen – Experten: China will unabhängiger von Erdöl-Import werden

China hängt bei Elektroautos die anderen Länder immer deutlicher ab. So vergrößerte sich der Abstand zu den USA laut einer Studie des Bergisch Gladbacher Brancheninstituts CAM deutlich – 2017 hat China insgesamt 777.000 E-Autos abgesetzt, 53 Prozent mehr als 2016. In den USA stieg die Zahl der Neuzulassungen von E-Autos lediglich um 24 Prozent auf rund 194.000 Stück.

“China setzt seine Rolle als globaler Taktgeber der E-Mobilität unbeirrt und mit zunehmender Dynamik fort”, sagte Stefan Bratzel, Leiter des Centers of Automotive Management, am 19.11.2018. China will größere Unabhängigkeit von Ölimporten und mehr Elektrokompetenz, weniger um Luftreinhaltung – anders in Deutschland: bei uns trieb die Diskussion über Fahrverbote für schmutzige Diesel den E-Auto-Absatz in die Höhe, mit dem Ergebnis, dass 2017 mit fast 54.500 Elektroautos 117 Prozent mehr verkauft wurden als 2016. Und obwohl in Österreich 2017 mit 5.433 Fahrzeugen um fast die Hälfte mehr Elektro-Pkw neu zugelassen wurden, hinkt Europa hinterher, wie sich am Anteil der insgesamt zugelassenen  batterieelektrischen wie auch Hybridautos zeigt: In China stieg der Marktanteil der Stromer 2017 von 1,8 auf 2,7 Prozent, vor allem rein elektrisch betriebene Fahrzeuge waren mit 652.000 Stück gefragt.

In Deutschland verdoppelte sich der Marktanteil (0,8 auf 1,6 %) auch in Frankreich und Großbritannien wurden mehr E-Autos verkauft; nur in den Niederlanden gab es wegen der 2016 ausgelaufenen Förderung einen Einbruch von mehr als der Hälfte. Nur in Norwegen stieg der Marktanteil der Neuzulassungen von 29,1 auf 39,3 Prozent: Allein 2017 wurden 39 Prozent mehr, 62.000 Elektroautos, neu zugelassen. Allerdings wachsen die Verkaufsziffern deutlich schneller als die norwegische Ladeinfrastruktur: Die Elektrowagenvereinigung in Oslo warnte unlängst vor dem Kauf eines E-Autos, wenn man es nicht zu Hause laden könne. Die Beliebtheit von Elektroautos in Norwegen liegt an finanziellen Vorteilen, denn Mehrwertsteuer, Importsteuer und Kfz-Steuer fallen weg.

Deutschland: Weniger Diesel, mehr Benziner

Diesel kam 2017 in Deutschland (2016 noch 45,9 Prozent) mit 38,8 Prozent stark unter die Räder. Im Dezember lag der Dieselanteil der Studie zufolge nur noch bei 33,4 Prozent. Davon profitierte neben den alternativen Antrieben der Benziner, dessen Anteil auf 57,7 (2016 noch 52,1) Prozent stieg. Bratzel fürchtete, die Verschiebungen und der Trend zu schweren SUV machten es für einige Hersteller schwer, die CO2-Reduktionsziele der EU von 95 Gramm Kohlendioxid Ausstoß je Kilometer bis 2021 zu erreichen.

[note AutomotiveINNOVATIONS 2017 inkl. SPECIALS zur Elektromobilität, Mobilitätsservices & Connected Car – Die Innovationen der globalen Automobilkonzerne – Eine Analyse der Zukunftstrends und Innovationen von 19 bedeutenden Herstellern. Die Studie AutomotiveINNOVATIONS 2017 identifiziert auf Basis von 1.155 fahrzeugtechnischen Neuerungen die Zukunftstrends von 19 Automobilkonzernen 2016/2017.]

Ab 2020 rechnet Bratzels Institut mit einem starken Anstieg des E-Auto-Absatzes. Deren derzeit geringe Marktanteile sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren ein “massiver Umbruch der Antriebstechnologien” bevorstehe. Bis 2020 sei mit einem Anteil der E-Autos an den globalen Neuzulassungen von 2,5 bis 6 Prozent zu rechnen, 2025 könnten es dann schon 12 bis 25 Prozent sein, 2030 sogar 25 bis 40 Prozent. Das bedeute aber auch, dass der Verbrennungsmotor noch lange die Oberhand behalte.

[note Solarify meint: Wegen der “Oberhand des Verbrennungsmotors” muss dringend über synthetische Kraftstoffe gesprochen werden. Allem Anschein nach geht die Studie nicht darauf ein, dass wir irgendwann schlicht und einfach zu viele Autos auf den Straßen haben. Die Untersuchung kostet immerhin 899 Euro – daher sind nur Zusammenfassungen in Umlauf. ]

->Quellen: