Weiteres Anzeichen für arktische Erwärmung

In späteren Jahren könnte es einmal heißen: “Etwa um 2020 herum häuften sich die Meldungen über die auffällige Erwärmung der Arktis und das schwindende Meereis. Und es geschah – nichts.” Dass der Frühling vor allem in der Arktis immer früher kommt, bestätigt nun eine neue Studie von Wissenschaftlern der University of California in Davis, die in den Scientific Reports von Nature erschienen ist.

Das Arktische Weidenröschen gilt als Nationalblume Grönlands. Sein grönländischer Name Niviarsiaq bedeutet “junges Mädchen”. Die Partei Siumut führt es als Erkennungszeichen – Foto © Kim Hansen – Eig. Werk, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

Eric Post, Byron A. Steinman und Michael E. Mann überschrieben ihren Artikel mit “Beschleunigung des beitengradabhängigen Fortschreitens von Phänologie und Erwärmung in den vergangenen hundert Jahren” (“Acceleration of phenological advance and warming with latitude over the past century”). Ihnen zufolge fällt der phänologische Frühlingstrend umso stärker aus, je höher der Breitengrad ist. Die nördlichen klimatischen Bedingungen nähern sich also den weiter südlichen an. Unter den 743 von ihnen erfassten phänologischen Trends waren 449 aussagekräftig, davon wieder waren 419 (mehr als 92 Prozent) negativ, d.h. der Frühling begann früher.

.Abstrakt des nature-Artikels: “In der nördlichen Hemisphäre wird häufig von Frühlingsereignissen berichtet, die in höheren Breitengraden schneller voranschreiten, vermutlich aufgrund einer Beschleunigung der Erwärmung mit steigendem Breitengrad. Diese Annahme wurde jedoch nicht in einem analytischen Rahmen untersucht, der gleichzeitig die Beschleunigung der Erwärmung mit dem Breitengrad untersucht und dabei die Variation phänologischer Zeitreihenmerkmale berücksichtigt, die auch mit dem Breitengrad kovariabel sein könnten.”

Phänologie ist die Wissenschaft von den sich im Jahresablauf periodisch wiederholenden Entwicklungserscheinungen in der Natur und beschäftigt sich hauptsächlich mit biologischen Prozessen im Kontext von Ökologie und Biogeographie. Die Eintrittszeiten charakteristischer Erscheinungen werden in einem „phänologischen Kalender“ festgehalten. Dieser unterteilt das „phänologische Jahr“ in physiologisch-biologisch begründete zehn „phänologische Jahreszeiten“ und orientiert sich an charakteristischen Entwicklungsstadien typischer Pflanzen (phänologischer Zeigerpflanzen) und an dem Verhalten der Tiere. Die Phänologie hat sich in der modernen Zeit als leistungsfähiges Eichwerkzeug für Klima- und Wettermodelle herausgestellt und ist bedeutsam für die Klimawandelforschung. (Nach Wikipedia)

“Wir analysierten 743 phänologische Trendschätzungen, die 86 Jahre und 42,6 Breitengrade der nördlichen Halbkugel umfassen, sowie Raten der Erwärmung der nördlichen Hemisphäre im gleichen Zeitraum und Breitenbereich. Wir haben signifikante Muster der Ko-Variation in phänologischen Zeitreihenmerkmalen entdeckt, die Schätzungen der Größenordnung der Variation von Trends mit Breitengraden verwechseln können. Vor allem kürzere und neuere Zeitreihen zeigten tendenziell die stärksten phänologischen Tendenzen, die auch eher aus höheren Breitengraden stammten. Die Berücksichtigung dieser Variation hat jedoch nur geringfügig das Verhältnis zwischen den Raten des phänologischen Fortschritts und dem Breitengrad verändert, was sehr bedeutsam war. Darüber hinaus hat die Erwärmung in den letzten Jahrzehnten nichtlinear mit dem Breitengrad zugenommen, am stärksten seit 1998 und nördlich von 59° nördlicher Breite. Die Beschleunigung der Erwärmung abhängig vom steigenden Breitengrad hat wahrscheinlich zu einer Beschleunigung des phänologischen Fortschritts entlang des gleichen Gradienten beigetragen.”

Heißt, dass je weiter man nach Norden geht, desto relativ früher tritt der Frühling ein. Den drei Wissenschaftlern zufolge kommt er vom Äquator ausgehend alle 10 Breitengrade vier Tage früher als noch vor zehn Jahren – in der Arktis also bereits 16 Tage früher. Diese Zunahme nach Norden hin ist dreimal so groß, als das frühere Untersuchungen vermuteten. Die Erwärmung hat besonders seit 1998 und vor allem nördlich des 59. Breitengrads zugenommen – allerdings nicht überall gleichmäßig.

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