EPR-Reaktoren “finanziell und technisch gefährlich”

Europäische AKW desaströs

Bei seinem Staatsbesuch in Indien vereinbarte Frankreichs Präsident Macron einer Medienmitteilung der energy watch group vom 20.03.2018 zufolge mit Indiens Regierungschef Narendra Modi am 10.03.2018 den Verkauf von sechs französischen EPR-Reaktoren für das größte indische in Jaitapur geplante Atomkraftwerk. Unbeachtet bleibt, dass Indien bisher den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben hat. Das Plutonium aus den Reaktoren könnte vollständig, ohne internationale Kontrolle, für den Bau von Atomwaffen eingesetzt werden. Auch energiewirtschaftlich sind alle EPR Bauprojekte der letzten Jahre hochproblematisch.

Der “European Pressurized Reactor” (EPR), ein Druckwasserreaktor der in den 1990er Jahren als der Anstoß zur Renaissance der europäischen Atomwirtschaft galt, erweist sich als finanzielles und technisches Desaster. Ein neuer Bericht der Energy Watch Group zeigt, dass die von der Nuklearindustrie versprochenen wirtschaftlichen und energetischen Gewinne bei Weitem nicht realisiert wurden.

Die nach wie vor unvollendeten EPR-Reaktorbauten in Flamanville (Frankreich), Olkiluoto (Finnland, Foto) und Hinkley Point C (Großbritannien) stehen exemplarisch für die Verfehlungen der Atomindustrie. Jahrelange Verzögerungen der Inbetriebnahmen, gravierende Sicherheitsmängel sowie explodierende Baukosten in Milliardenhöhe sind wiederkehrende Merkmale aller bisherigen EPR-Bauprojekte.

Die Veröffentlichung der Energy Watch Group “Das Desaster der europäischen Atomwirtschaft” dokumentiert die fatalen Entwicklungen der EPR-Bauprojekte unter den Augen der Europäischen Union.

Schuldenwelle

Nur durch milliardenschwere staatliche Rettungspakete konnte der Weiterbau bisher sichergestellt werden. Infolgedessen erhöht sich der Druck und das Risiko für einen Bankrott vor allem für die französischen Atomkonzerne AREVA und EDF. Eine Entwicklung, deren Auswirkungen man bereits beim US-Japanischen Atomunternehmen Westinghouse beobachten konnte.

Bisher lässt die Fertigstellung der EPR-Bauprojekte in der EU auf sich warten. So verschob sich die prognostizierte Inbetriebnahme des Hinkley Point C (GB) zu Weihnachten 2017 zuletzt auf 2027. Gleichsam rückte der Termin für Flamanville bereits von 2012 auf 2020. Das finnische AKW Oulkilouto liegt inzwischen 12 Jahre hinter dem geplanten Beginn der Energieproduktion. Massive Kostenüberschreitungen kennzeichnen die EPR-Projekte. Die ursprünglichen Kosten haben sich von jeweils 3 Mrd. Euro auf ca. 10,5 Mrd. Euro bei Flamanville und 8,5 Mrd. Euro bei Olkiluoto, mehr als verdreifacht. Mittlerweile haben sich Schulden in Höhe von 61 Mrd. Euro bei EDF sowie bei AREVA eine Summe von 10 Mrd. Euro angesammelt. Der französische Staat musste AREVA mit 4,5 Mrd. Euro subventionieren. EDF konnte nur noch durch 3 Mrd. Euro Kapitalerhöhung gerettet werden. Im Februar 2013 wurde bekannt, dass die nukleare Reinigung des Atomstandortes Sellafield bis zu diesem Zeitpunkt bereits fast 70 Mrd. Pfund gekostet hatte. Jedes Jahr kommen etwa 1,6 Mrd. Pfund dazu.

Die britische Regierung hält am Bau des neuen EPR-Atomreaktors Hinkley Point C fest, obwohl eine nicht veröffentlichte Regierungsstudie belegt, dass Wind- und Solarstrom im Vergleich zu dem geplanten AKW-Hinkley Point C um die Hälfte günstigeren Strom erzeugen würden ? Die treibende Kraft hinter der regierungsseitigen Affinität zur Atomtechnologie ist in der Quersubventionierung des militärischen Atomprogramms zu suchen. Die Wissenschaftler Emily Cox, Phil Johnstone und Andrew Stirling, (SPRU, Universität Sussex) haben in einer umfassenden Studie detailliert nachgewiesen, was von militärischer Seite offen kommuniziert, von der Energiepolitik jedoch vehement geleugnet wird: die Aufrechterhaltung des zivilen Atomprogramms entlastet den Verteidigungshaushalt.

Sicherheitsrisiko

Von der durch die Atomindustrie beschworenen “inhärenten Sicherheit” sind die EPR-Projekte weit entfernt. Die entstandenen technischen Problematiken der EPR sind inzwischen irreversibel. Durch schwere Mängel im Boden und Deckel des Reaktordruckbehälters in Flamanville kann ein sicherer Betrieb nicht gewährleistet werden. EU-weite Forschungsprojekte zur vierten Generation von Atomreaktoren sind ein indirektes Eingeständnis für die fehlende inhärente Sicherheit von Atomreaktoren, einschließlich der EPR.

Die Wahrscheinlichkeit für Terroranschläge und Cyber-Angriffe auf Atomkraftwerke wächst zunehmend. Im Atomkraftwerk Hinkley Point C ist die gesamte Reaktorsicherheit über ein digitales Kontrollsystem geregelt. Dies führt nicht nur zu einer hohen Fehleranfälligkeit, sondern macht das System auch extrem empfänglich für digitale Angriffe.

“Die Versprechen von inhärent sicheren EPR-Reaktoren haben sich nicht bewahrheitet, vielmehr wandelte sich die Technologie zu einer enormen Last für europäische Steuerzahler. Es ist höchste Zeit, die Atomenergie zu einem Ende kommen zu lassen, sowohl durch einen wirksamen Ausstieg aus laufenden Projekten, als auch durch die Verweigerung von neuen Investitionen”, so Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group und Co-Autor der Übersichtsstudie. “Erneuerbare Energien sind heutzutage die sicherste und kostengünstigste Lösung. Das Festhalten an nuklearen Energieträgern entbehrt jeglicher rationaler Argumentation.” Eva Stegen, Co-Autorin der Informationsschrift und Energiereferentin der genossenschaftlichen Elektrizitätswerke Schönau (EWS): “Die Sicherheitsrisiken des alternden europäischen Atomkraftwerksparks wachsen stetig. Die neue Generation der EPR-Reaktoren erhöht sogar noch die Bedrohung für die Sicherheit und Finanzen der Bevölkerung. Die nukleare Dreieckbeziehung “Fessenheim- Flamanville-Hinkley Point” demonstriert eindrücklich die verheerende Verflechtung aus bestehenden und neuen Mängeln.”

Erneuerbare Energie Technologien sind wesentlich günstiger, schneller zu installieren und fähig unschädliche und sichere Energie zu liefern. Eine unlängst veröffentlichte Studie der Energy Watch Group und Lappeenranta University of Technologie belegt nachdrücklich, dass erneuerbare Energien zusammen mit Speichersystemen die völlige Versorgungssicherheit auch ohne Grundlast schaffen können und das zu wettbewerbsfähigen Kosten.

Über die Energy Watch Group (EWG) ist ein unabhängiges, gemeinnütziges globales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern. Die EWG erstellt Forschungen und unabhängige Studien und Analysen über globale Energieentwicklung.

->Quellen: