“Das Kunststoffdilemma der EU”

EURACTIV und ZDF zur Vermüllung des Planeten/strong>

Sonntag der 22.04.2018 war “Earth Day 2018” und dem Kampf gegen den Plastikmüll gewidmet: Wir müllen unseren Planeten zu. 2050 soll es mehr Plastikmüll im Meer geben als Fische. Mikroplastik ist im arktischen Eis ebenso wie in unserer Nahrungskette. Die EU bemüht sich um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, vor allem das Europa-Parlament – das hat am 18.04.2018 einem Gesetzespaket mit neuen Recyclingquoten bis 2035 zugestimmt. “Doch das ist nur ein Kompromiss zwischen den sehr unterschiedlichen Realitäten in den Mitgliedsstaaten,” schrieb Florence Schulz am 19.04.2018 auf EURACTIV.de. Das ZDF zeigte am Earth Day in der Umwelt-Doku-Reihe planet e. “Der Plastik-Fluch – Wie wir unseren Planeten vermüllen”.

“Ein deutscher Joghurtbecher hat vom Frühstückstisch eine lange Reise durch das komplexe Abfallsystem der Bundesrepublik vor sich”, so Florence Schulz. Er lande in der gelben Tonne, werde von der Müllabfuhr abgeholt und komme danach in eine riesige Sortieranlage. Dort müssten sich Becher und Aluminiumdeckel voneinander verabschieden, denn sie landeten in getrennten Wertstoffbereichen. Aus beiden könnten dann neue Gegenstände produziert werden. “Schon 1990 wurde hierzulande der Grüne Punkt, das erste duale System, etabliert – vier Jahre bevor die erste EU Verpackungsrichtlinie entschieden wurde. Anfang nächsten Jahres steht ein weiterer Meilenstein an. Dann tritt ein neues, ambitioniertes Verpackungsgesetz in Kraft: 63 Prozent unseres Kunststoffes sollen bis 2022 recycelt werden, derzeit sind es noch 36 Prozent.”

Anders in den restlichen EU Ländern: Von den 2,5 Milliarden Tonnen Siedlungsabfällen, die jährlich in der EU anfielen, würden nur 44 Prozent recycelt – auf Malta und in der Slowakei sogar nur zwölf Prozent. In acht Mitgliedsstaaten werden die Abfälle allerdings fast gar nicht verwertet – zwei Drittel landeten dort einfach auf Deponien. In Deutschland sei das seit 2005 verboten (wie in Österreich, Belgien, Dänemark, Schweden und den Niederlanden).

EU-Parlament nahm Kreislaufwirtschaft-Aktionsplan an

Um sich einem nachhaltigen Kreislaufmodell anzunähern, hätten die EU Institutionen seit 2015 einen Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft verhandelt, um den Lebenszyklus von Wertstoffen zu verlängern;  denn diesollen so lange wie möglich geteilt, repariert oder recycelt werden. Am 18.04.2018 hat das EU-Parlament mit großer Mehrheit ein neues Legislativpaket für den Aktionsplan angenommen. Im Mittelpunkt des Pakets steht eine Vorgabe: Bis 2035 sollen alle  Mitgliedsstaaten statt der derzeitigen 44 Prozent mindestens 65 Prozent ihrer Siedlungsabfälle recyceln. Zudem sollen dann nur noch ein Zehntel der Abfälle auf Deponien verschwinden. Im nächsten Schritt des Gesetzgebungsverfahrens muss der Rat dem Paket noch zustimmen, was inoffiziell aber schon geschehen ist.

Nur zehn Länder erreichen EU-Abfallziele

Für Adriana Neligan vom Institut der Deutschen Wirtschaft seien die neuen EU-Quoten nur ein Kompromiss zwischen Ländern, die beim Thema Kreislaufwirtschaft in völlig unterschiedlichen Ligen spielten. Angesichts der hohen Vorgaben des Abfallplans würden nur zehn Länder ihre Ziele erreichen, meint sie. Die anderen müssten schon massive Anstrengungen an den Tag legen. In vielen Ländern fehle die Infrastruktur für eine solche Kreislaufwirtschaft, außerdem fallen hohe Investitionskosten an. Eine Studie der Ellen MacArthur Stiftung kalkuliert nötige Investitionen von rund 108 Milliarden Euro für den nötigen Systemausbau in allen Mitgliedsstaaten.

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) sieht das laut Florence Schulz optimistischer und begrüßt das Gesetzespaket der EU. Der Verband störe sich allerdings an einem anderen Punkt: „Bis 2035 darf munter weiterdeponiert werden. Damit werden wir nie eine echte Kreislaufwirtschaf in der EU erreichen. Warum schiebt die EU das auf die lange Bank?“, so der Pressesprecher Jörg Lacher. Die Erfahrung in Deutschland habe laut bvse gezeigt, dass erst mit dem Verbot der Deponierung die Abfallverwertung in Deutschland deutliche Fortschritte machen konnte.

Folgt: In Deutschland geht es vor allem um neue Märkte