Null Öl. Null Gas. Null Kohle. – Wie Klimapolitik funktioniert. Ein Vorschlag

Rotpunkt: “Eine scharfsinnige Analyse über das Versagen der aktuellen Klimapolitik – mit einem ganz konkreten Lösungsvorschlag”

Das Klimaproblem ist im Kern entwaffnend einfach – wenn man es sich denn eingestünde: Wärmer wird es vor allem deshalb, weil die Menschheit Öl, Gas und Kohle verbrennt. Klimapolitik kann also nur funktionieren, wenn sie darauf hinwirkt, die fossilen Energieträger vom Markt zu verbannen. Der CO2-Ausstoß muss nicht einfach nur “sinken”. Er muss runter auf “netto null”. Scharfsinnig und pointiert blickt der Schweizer Umweltjournalist und Buchautor Marcel Hänggi in seinem im Rotpunkt-Verlag erschienen Buch zur geplanten Volksinitiative in die klimapolitische Zukunft. Dabei fordert er Mut zur Utopie und mehr gesellschaftspolitische Fantasie.

Aber was einfach ist, ist noch lange nicht leicht: Klimapolitik ist auch Machtpolitik, fossiler Kohlenstoff nährt das Wirtschaftswachstum seit Jahrzehnten. Entsprechend einflussreich sind die Gegner einer wirksamen Klimapolitik. Doch wäre eine Welt mit weniger Wachstum zwingend eine schlechtere Welt? Das muss nicht sein. Und überhaupt: Formen des Wirtschaftens kann man ändern, die Naturgesetze nicht.

[noteVolksinitiative zur Klimapolitik – Mit einer eidgenössischen Volksinitiative will Hänggi die Ziele des Pariser Übereinkommens in die Bundesverfassung schreiben. Auf dieses Übereinkommen haben sich im Dezember 2015 in Paris die Mitgliedstaaten der UNO geeinigt. Konkret will die Volksinitiative den Bund auf einen klimaverträglichen politischen Kurs verpflichten. Erdöl, Erdgas und Kohle dürfen spätestens ab Ende 2050 nicht mehr in Verkehr gesetzt werden, es sei denn, es bestünden sogenannte Senken, die das dadurch anfallende CO2 aus der Atmosphäre entfernen. Das Übereinkommen von Paris sieht vor, dass die Treibhausgasemissionen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts netto null erreichen müssen. Es besagt aber auch, dass die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad und wenn möglich auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen müssen die Emissionen früh in der zweiten Jahrhunderthälfte auf netto null fallen, damit dieses Ziel erreichbar bleibt. Und laut Übereinkommen müssen Industriestaaten vorangehen. Für die Schweiz muss das heißen: spätestens ab Jahrhundertmitte. Die Schweiz hat das Übereinkommen von Paris ratifiziert. Die jüngsten Versuche, die CO2-Abgabe weiter zu durchlöchern und ihre gesetzlich vorgesehene Erhöhung zu verhindern, zeigen aber: Die Bereitschaft, ernst zu nehmen, wozu man sich verpflichtet hat, fehlt in breiten Kreisen. Schweden hat sich CO2-Neutralität bereits für 2045 gesetzlich verordnet, auch andere Staaten passen ihre Klimapolitik den Zielen von Paris an.]

[note Marcel Hänggi, geboren 1969, wurde mit dem Züricher Journalistenpreis und dem Conrad- Matschoß-Preis für Technikgeschichte ausgezeichnet. 2013 wählte ihn die Zeitschrift Schweizer Journalist zum Wissenschaftsjournalisten des Jahres.]

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