EU verbietet Einweg-Plastik-Produkte

BUND fordert  verbindliche Vorgaben für weniger Meeres-Müll

Die EU-Kommission hat am 28.05.2018 in Brüssel einen neuen Gesetzentwurf  für eine schärfere Regulierung von Konsumartikeln aus Plastik vorgelegt.  Es gehe dabei in erster Linie um Einwegprodukte, die rund 86 Prozent des Plastikmülls  in den Meeren ausmachen, heißt es in einer  offiziellen Mitteilung der Kommission. Die EU-Kommission hat errechnet, dass 2050 in den Weltmeeren mehr Plastikteile als Fische schwimmen. Denn: “Jede Sekunde landen etwa 700 Kilogramm Plastikmüll in unseren Ozeanen”, warnt EU-Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans.

Dazu hat die EU ein Maßnahmenpaket vorgestellt (s.u.). Verboten werden sollen:

  • Einweg-Plastikgeschirr, Besteck und Strohhalme
  • Kunststoff-Kaffee-Rührstäbchen
  • Wattestäbchen aus Plastik
  • Plastikhalterungen von Luftballons

Das neue Gesetz sieht zudem die Möglichkeit vor, Hersteller für das Einsammeln und Entsorgen von Abfall in  der Umwelt finanziell  in die Pflicht zu nehmen. Alle EU-Länder sollen bis 2025 Sammelsysteme für mindestens 90 Prozent  aller auf dem Markt befindlichen Plastikflaschen einrichten.


Abschließende Visualisierung – berücksichtigt Ozeanbojen-Datensätze und das ECCO-2-Ozeanstrommodell –  Quelle © Greg Shirah und Horace Mitchell, NASA SVS

Das EU-Maßnahmenpaket – Einweg-Kunststoffe: Neue EU-Vorschriften zur Reduzierung der Meeresverschmutzung

Die Menge an schädlichem Plastikmüll in den Ozeanen und Meeren wächst ständig. Um dagegen vorzugehen, schlägt die Europäische Kommission nun neue Vorschriften vor, die für die gesamte EU gelten sollen. Im Visier sind die zehn Einwegprodukte aus Kunststoff, die in Europa am häufigsten an den Stränden und in den Meeren gefunden werden, sowie Fischfanggeräte, die im Meer verloren gegangen sind oder zurückgelassen wurden.

Zusammen entfallen auf sie 70 % aller Abfälle im Meer. Die neuen Vorschriften sind verhältnismäßig und darauf zugeschnitten, optimale Ergebnisse zu erzielen. Dies bedeutet, dass für die verschiedenen Produkte unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden sollen. So sollen Einwegkunststoffprodukte, für die bereits erschwingliche Alternativen zur Verfügung stehen, vom Markt genommen werden. Bei Produkten, für die es noch keine offensichtlichen Alternativen gibt, liegt der Schwerpunkt auf der Eindämmung ihres Verbrauchs durch entsprechende Maßnahmen der Mitgliedstaaten, auf Vorgaben für ihre Gestaltung und Kennzeichnung und auf der Verpflichtung der Hersteller zur Abfallbewirtschaftung und zu Säuberungsaktionen. Mit den neuen Vorschriften wird Europa auf dem Weg zur Lösung dieses weltweiten Problems mit gutem Beispiel vorangehen.

Frans Timmermans, der für nachhaltige Entwicklung zuständige Erste Vizepräsident der Kommission, erklärte: „Diese Kommission hat versprochen, sich ambitioniert den großen Fragen zu widmen und den Rest den Mitgliedstaaten zu überlassen. Plastikmüll ist zweifellos ein großes Problem und die Europäer müssen mit vereinten Kräften dagegen vorgehen, denn der Plastikmüll landet letztlich in unserer Luft, unseren Böden, unseren Ozeanen und unserem Essen. Die heutigen Vorschläge sehen eine Reihe von Maßnahmen vor, die dazu führen werden, dass wir in unseren Supermärkten weniger Einwegplastik vorfinden werden. Wir werden einige dieser Artikel aus den Regalen verbannen und sie durch sauberere Alternativen ersetzen, sodass den Menschen ihre Lieblingsprodukte weiterhin zur Verfügung stehen.“

Jyrki Katainen, für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständiger Vizepräsident der Kommission, fügte hinzu: „Kunststoffe sind sehr praktisch, aber wir müssen sie verantwortungsbewusster einsetzen. Einwegplastik ist keine wirtschaftlich oder ökologisch intelligente Lösung. Die heutigen Vorschläge werden Unternehmen und Verbrauchern den Übergang zu nachhaltigen Alternativen erleichtern. Dies ist eine Chance für Europa, eine Vorreiterrolle zu übernehmen, indem wir neue Produkte auf den Markt bringen, nach denen die Nachfrage in der Welt in den nächsten Jahrzehnten groß sein wird, und indem wir unsere wertvollen und begrenzten Ressourcen wirtschaftlich sinnvoller nutzen. Unsere Zielvorgabe für die Sammlung von Kunststoffflaschen wird außerdem dazu beitragen, dass die für eine expandierende Kunststoffrecyclingindustrie erforderlichen Mengen zusammenkommen.“

Weltweit machen Kunststoffe 85 % der Meeresabfälle aus. Kunststoffe enden auch in den Lungen und auf den Tellern der Bevölkerung. Die Auswirkungen des in der Luft, im Wasser und in Lebensmitteln zu findenden Mikroplastiks auf die menschliche Gesundheit sind bisher unbekannt. Das Plastikproblem muss angegangen werden, doch können sich daraus neue Chancen für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen ergeben.

Für die Unternehmen bringt dies einen Wettbewerbsvorteil mit sich: Mit einheitlichen Vorschriften für den gesamten EU-Markt wird ein Sprungbrett für europäische Unternehmen geschaffen, das Größenvorteile und eine bessere Wettbewerbsfähigkeit auf dem boomenden Weltmarkt für nachhaltige Produkte mit sich bringt. Durch die Einführung von Wiederverwendungssystemen (z. B. Pfandsystemen) können Unternehmen eine zuverlässige Belieferung mit hochwertigen Werkstoffen gewährleisten. In anderen Fällen kann der Anreiz, nach nachhaltigeren Lösungen zu suchen, den Unternehmen technologischen Vorsprung gegenüber globalen Wettbewerbern verleihen.

Folgt: Unterschiedliche Maßnahmen für unterschiedliche Produkte