Wandel des Verkehrsverhaltens braucht Gesamtstrategie

Studie zu free-floating Carsharing abgeschlossen

Free-floating-Carsharing ist eine Form der zeitweisen Autonutzung, bei der die Fahrzeuge im öffentlichen Straßenraum für die spontane Nutzung bereit stehen und nach der Fahrt an einem beliebigen öffentlichen Parkplatz wieder abgestellt werden können. Diese Form des Carsharing gibt es seit circa zehn Jahren, daneben existiert weiterhin das stationsbasierte Carsharing. Im Projekt „share“ haben das Öko-Institut e.V. und das ISOE-Institut für sozial-ökologische Forschung mehrere Forschungsfragen am Beispiel des free-floating Carsharing von car2go untersucht.

Welche Bevölkerungsgruppen nutzen das free-floating Carsharing? Was sind attraktive, was sind hemmende Faktoren der Nutzung? Wie akzeptieren Nutzer Elektrofahrzeuge im Fahrzeugpool? Welche Wirkungen hat die Nutzung auf den Pkw-Besitz und ergeben sich deutliche Veränderungen im Verkehrsverhalten durch das free-floating-Carsharing und damit auch auf die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen?

Zur Beantwortung dieser Fragen haben die Forscher der beiden Institute Nutzer des free-floating Carsharing in der Zeit zwischen 2013 und 2017 insgesamt vier Mal befragt. Parallel wurde eine Kontrollgruppe befragt – also Personen, die free-floating Carsharing nicht nutzen. Die Untersuchung fand an einem Standort mit elektrischen Carsharing-Fahrzeugen (Stuttgart) und an zweien mit Verbrennungsmotoren (Köln und Frankfurt/Main) statt. Die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit geförderten Studie  “Wissenschaftliche Begleitforschung zu car2go mit batterieelektrischen und konventionellen Fahrzeuge” wurden am 06.09.2018 veröffentlicht.

[note Offenheit für Vielfalt der Verkehrsangebote

Die Analysen zeigen: Im Vergleich zur Durchschnittbevölkerung sind bei den Nutzern des free-floating Carsharing Jüngere, Personen mit Abitur und Männer überrepräsentiert. Ältere und Personen mit geringerer Bildung werden dagegen bislang nur wenig erreicht.

Die Nutzer besitzen zudem überdurchschnittlich häufig Abonnements des öffentlichen Nahverkehrs und Bahncards. Sie sind offen für ein multioptionales und vernetztes Verkehrsangebot. Das bedeutet, sie nutzen je nach Situation unterschiedliche Verkehrsmittel und kombinieren diese auch miteinander.]

Gute Möglichkeit Elektromobilität kennenzulernen

Das free-floating Carsharing werde vor allem als praktisch, bequem und flexibel aber auch als umweltfreundlich wahrgenommen. Auch emotionale Faktoren spielten eine Rolle: Das Fahren mache den Befragten Spaß und das ganze System gelte als cool und sympathisch, resümieren die Forscher.

Beim Vergleich der beiden Antriebsvarianten sei hervorzuheben, dass die elektrische Variante als deutlich umweltfreundlicher und als fast genauso praktisch angesehen werde. Darüber hinaus hätten die elektrischen Fahrzeuge einen Vorsprung bei den emotionalen Faktoren Spaß, Coolness und Sympathie. Aus diesen Ergebnissen könne geschlossen werden, dass Carsharing eine gute Gelegenheit sei, die Attraktivität der Elektromobilität als Option urbaner Mobilität kennenzulernen, so die Wissenschaftler.

Keine negative Wirkung auf den ÖPNV, aber auch keine Treibhausgasminderungen

Die wahrgenommene Umweltfreundlichkeit des free-floating Carsharing werde aber in der alltäglichen Praxis unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht  umgesetzt. Dies zeigten die Untersuchungen zum Verkehrsverhalten. Die Nutzung des free-floating Carsharing geht zwar nicht zu Lasten des ÖPNV. Allerdings zeige sich in den untersuchten Städten eine stärkere Autonutzung. In Stuttgart werde mehr mit dem privaten Auto gefahren, in Frankfurt/Köln gebe es dagegen einen Anstieg des stationsbasierten Carsharing und des Mitfahrens bei Freunden und Bekannten.

Insgesamt werde anhand der Ergebnisse deutlich, dass das free-floating Carsharing alleine keine Treibhausgasminderung bewirke. Die Studie zeige zugleich auf, dass free-floating Carsharing mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen dessen Klimabilanz wesentlich verbessert.

Geringer Einfluss auf den Pkw-Besitz

Die Analysen im Rahmen von „share“ zeigten auch, dass sich die Anzahl von Pkw im Straßenraum in Stuttgart und Köln/Frankfurt durch free-floating Carsharing nicht verringere. Nur knapp drei Prozent der Nutzer schafften ihren Pkw ab, weil sie free-floating Carsharing nutzen. Die dadurch erzielte Minderung des privaten Pkw-Bestands – bezogen auf die heutige Größe der Nutzergruppe – sei geringer als die Anzahl der eingesetzten Carsharing-Fahrzeuge.

Wandel des Verkehrsverhaltens braucht Gesamtstrategie

Aus den Ergebnissen ziehen die Forscher folgende Schlüsse: Erst in Verbindung mit begleitenden Maßnahmen, die darauf zielten, die private Pkw-Nutzung zu reduzieren, könne  das free-floating Carsharing eine wichtige, indirekte Funktion für einen Wandel im Verkehrsverhalten haben. Solche Maßnahmen könnten etwa eine andere Flächenaufteilung in Städten sein, um mehr Raum fürs Radfahren und Zufußgehen zu schaffen, eine bessere Verkehrssteuerung sowie eine Verteuerung privater Autofahrten, zum Beispiel durch veränderte Gebühren und Preise für den öffentlichen Parkraum.

Dann könne das free-floating Carsharing dazu beitragen, dass zunächst restriktiv empfundene Maßnahmen des städtischen Autoverkehrs als weniger einschränkend erlebt und eher akzeptiert würden. Weil so die Möglichkeit bestehe, notwendige Autofahrten mit einem geteilten Fahrzeug zu erledigen.

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