Erstmals Negativ-Emisssionen aus Biomasse

Britisches EVU startet CCS aus Holzschnitzelverbrennung

In ihrem Sonderbericht zu 1,5-Grad-Erderwärmung (siehe: solarify.eu/sputet-euch) planten die IPCC-Forscher negative Emissionen (CCS, CCU) fest ein – es sei unumgänglich, dass der Atmosphäre künftig CO2 entzogen werde. Englands größter Stromanbieter Drax hat zumindest einen Anfang gemacht und eine CO2-Abscheidungsanlage in Betrieb genommen. Mit der Technik soll der Atmosphäre eine Tonne CO2 am Tag entzogen werden, berichtet die BBC.

Das EVU hat seine Produktion auf Erneuerbare Energien aus Biomasse umgestellt und verbrennt jährlich sieben Millionen Tonnen Holzhackschnitzel zur Stromerzeugung. Drax will jetzt das erste Kraftwerk der Welt mit negativer CO2-Bilanz ans Netz gehen lassen. Das riesige Drax-Kohlekraftwerk im nordenglischen Selby deckte bisher zwar allein rund sieben Prozent des Energiebedarfs des Landes, galt aber auch als große Kohlendioxid-Schleuder und wurde dafür häufig von Umweltschützern kritisiert. Es wird jetzt als erstes in Europa eine Tonne CO2 pro Tag aus der Holzverbrennung abtrennen. Die Technologie wandelt zwar den Klimawandel in winzigem Umfang in umgekehrte Richtung, ist aber umstritten.

Laut BBC ist die Technologie als Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (BECCS) bekannt, die viele Wissenschaftler für notwendig halten, weil sie nicht darauf vertrauen, dass Politiker die CO2-Emissionen wirklich reduzieren werden. Denn wenn die CO2-Emissionen nicht drastisch sinken, werde der Sicherheitsgrenzwert von 1,5°C überschritten. Einer Mitteilung des Unternehmens zufolge ist es das erste Projekt weltweit, bei dem CO2 aus einer reinen Biomasseanlage entnommen wird.

Die Technik wurde an der Universität in Leeds entwickelt. Klassischerweise lagert sich bei dem verwendeten Verfahren das CO2 an fein verteilte Tröpfchen eines Stoffs aus der Gruppe der Amine an. In einem zweiten Schritt gelangen die Moleküle in ein Abscheidemodul, in dem das CO2 wieder vom Amin getrennt wird. Dieses kann anschließend wieder verwendet werden.

Die BBC nennt in einem Bericht zwei Hauptgründe für Kontroversen:

  1. die Auswirkungen auf die Pflanzen und Tiere, die auf den großen Flächen wachsen und leben, die benötigt würden, um die für die Energieerzeugung in großem Maßstab benötigten Bäume und Pflanzen anzubauen.
  2. die Menge an zusätzlicher Energie, die zur Abscheidung und Speicherung des Kohlenstoffs benötigt werde. Das Drax-Kraftwerk etwa erzeuge 6% des britischen Stroms und verbrenne sieben Millionen Tonnen Holz pro Jahr –  mehr als in ganz Großbritannien geerntet werde. Der größte Teil des Angebots komme aus den USA – laut einer früheren BBC-Untersuchung zum Teil mit ziemlicher Sicherheit auch aus artenreichen Sumpfwäldern im Süden der USA. Laut Drax werden Rückstände aus der Forstwirtschaft – Reststücke und für andere Zwecke ungeeignetes Holz – im Kraftwerk verbrannt.

Eine Schätzung deute darauf hin, dass eine gewaltige Landfläche erforderlich wäre, um BECCS im Rahmen des Pariser Klimaabkommens in die Tat umzusetzen – vielleicht gar das Dreifache der Fläche Indiens.

Die Technik wurde an der Universität in Leeds entwickelt. Klassischerweise lagert sich bei dem verwendeten Verfahren das CO2 an fein verteilte Tröpfchen eines Stoffs aus der Gruppe der Amine an. In einem zweiten Schritt gelangen die Moleküle in ein Abscheidemodul, in dem das CO2 wieder vom Amin getrennt wird. Dieses kann anschließend wieder verwendet werden.

Die Ingenieure begannen im November mit der Inbetriebnahme der Pilotanlage, in der nun der erste Kohlenstoff abgetrennt wird, um zu beweisen, dass das von C-Capture entwickelte Lösungsmittel zur Isolierung des Kohlendioxids aus den bei der Stromerzeugung aus Biomasse freigesetzten Rauchgasen eingesetzt werden kann.

Die Daten, die über den CO2-Abscheidungsprozess gewonnen werden, werden während des gesamten Pilotprojekts weiter analysiert, um das Potenzial der Technologie und die Möglichkeiten ihrer Skalierung bei Drax vollständig zu verstehen. Dazu gehört auch die Identifizierung und Entwicklung von Möglichkeiten zur Speicherung und Nutzung des abgetrennten Kohlendioxids.

Drax hat nach eigenen Angaben 460.000 Euro in das Pilotprojekt investiert, das das erste von mehreren Projekten im Kraftwerk sein könnte, um eine schnelle und kostengünstige Demonstration von BECCS zu ermöglichen. Solarify berichtete erstmals am 10.08.2015 (solarify.eu/erstes-kraftwerk-mit-negativen-emissionen)

->Quellen: