Atomenergie: gefährlich und marktwirtschaftlich wettbewerbsunfähig

DIW: Keine Option für klimafreundliche Energieversorgung

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) hat im Rahmen einer Untersuchung mittels eines betriebswirtschaftlichen Investitionsmodells die Rentabilität von Atomkraftwerken untersucht. Ergebnis: Atomenergie ist marktwirtschaftlich nicht wettbewerbsfähig; Atomkraft ist zudem nicht sicher, das Narrativ der „sauberen Energiequelle“ dürfe “kein Gehör finden”.

In das Modell flossen die heutigen und künftigen Strompreise ein, die Investitionskosten, die Kapitalkosten. Fazit: Im Durchschnitt hat jedes AKW, das heute gebaut wird, einen negativen Nettobarwert, generiert also einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro. Unter keinen realistischen Umständen kann ein AKW einen positiven Nettobarwert ausweisen, im besten Fall entsteht ein Verlust von 1,5 Milliarden Euro. “Die Stromproduktion in Atomkraftwerken ist gefährlich und zudem marktwirtschaftlich nicht wettbewerbsfähig. Sie als saubere Alternative zu fossilen Energieträgern darzustellen, wie an vielen Stellen kolportiert wird, ignoriert die massiven Risiken, die mit dieser Technologie einhergehen” – so das Kurzfazit der DIW-Untersuchung.

Militärische Interessen immer im Vordergrund

In der sich verschärfenden Diskussionen über wirksamen Klimaschutz wird sowohl in Deutschland als auch in Europa und weltweit die Atomkraft als „saubere Energie“ ins Spiel gebracht. Vor diesem Hintergrund analysiert der Bericht ihre historischen, gegenwärtigen und zukünftigen Kosten und Risiken. Die Ergebnisse zeigen, dass Atomkraft aufgrund radioaktiver Strahlung für über eine Million Jahre mitnichten als „sauber“ bezeichnet werden kann, sondern für Mensch und Umwelt gefährlich ist. Zudem fallen hohe Risiken bezüglich Proliferation an. Eine empirische Erhebung aller jemals gebauten 674 Atomkraftwerke zeigt, dass privatwirtschaftliche Motive von Anfang an keine Rolle gespielt haben, sondern militärische Interessen. Selbst bei Vernachlässigung der Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke und die langfristige Lagerung des Atommülls wären rein privatwirtschaftliche Investitionen in Atomkraftwerke mit hohen Verlusten verbunden – im Durchschnitt knapp fünf Milliarden Euro pro Kraftwerk, wie eine betriebswirtschaftliche Simulation zeigt. In Ländern, in denen noch Atomkraftwerke gebaut werden, wie etwa China und Russland, spielen private Investitionen auch keine Rolle. Atomkraft ist zu teuer und gefährlich und daher keine Option für eine klimafreundliche Energieversorgung.

„Die Mär der Atomkraft als klimafreundliche Alternative zu fossilen Energieträgern fällt völlig in sich zusammen“, sagt Studienautor Prof. Christian von Hirschhausen: “Atomkraft war niemals auf die kommerzielle Stromerzeugung ausgelegt, sondern auf Atomwaffen. Atomstrom war, ist und bleibt unwirtschaftlich. Darüber hinaus ist Atomkraft mitnichten sauber, sondern aufgrund radioaktiver Strahlung für über eine Millionen Jahre gefährlich für Mensch und Natur.“

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen bereits, dass keines der bisher über 600 auf der Welt gebauten Atomkraftwerke wettbewerbsfähig war – über lange Jahre betrieben wurden und werden sie nur, weil Regierungen sie massiv subventioniert haben. Dennoch sind heute noch in mehreren Ländern der Welt neue AKW in Planung, mancherorts wird überlegt, in bestehende AKW zu investieren, um sie länger laufen zu lassen – angeblich auch, weil die Technologie zum Klimaschutz beitragen kann.

“Dass Atomenergie nie wettbewerbsfähig war, sollte uns nicht wundern, denn die Stromerzeugung war immer nur ein Nebenprodukt. Die militärischen und geostrategischen Interessen standen immer an erster Stelle und diese Energiequelle war massiv subventioniert“, stellt Studienautor Christian von Hirschhausen klar. „Jetzt steht auch fest, dass es sich auch in Zukunft nicht rentieren wird, in Atomenergie zu investieren – weder in neue AKWs noch in die Verlängerung bestehender. Wenn man dazu noch bedenkt, dass Atomenergie absolut nicht sicher ist, fällt die Mär der klimafreundlichen Alternative zu fossilen Energieträgern völlig in sich zusammen.“

„Die Idee, den Klimawandel mit Atomkraft zu bekämpfen, ist nicht neu, aber wir zeigen, wie falsch und irreführend sie ist“, erklärt Energieexpertin und Studienautorin Claudia Kemfert. „Wir müssen auch bedenken, dass zu den betriebswirtschaftlichen Rechnungen, die wir gemacht haben, auch horrende Kosten dazukommen, die von der Gemeinschaft getragen werden, zum Beispiel für die Lagerung von Atommüll.“

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