“Teenager-Aktivisten und ein IPCC-Triumph”

Ein Leitartikel in Nature

Nicht oft komme ein Klimabericht “so genau zum richtigen Zeitpunkt”. Der in der vergangenen Woche veröffentlichte IPCC-Bericht über Klima und Landnutzung sei “rechtzeitig für mehrere internationale Treffen zur Zukunft der Umwelt gekommen”, so der anonyme Nature-Autor am 14.08.2019. Wenn sich jetzt Regierungsvertreter unter UN-Dach in Nairobi, Neu Delhi und New York versammelten, um Fortschritte im Schutz von Biodiversität und Eindämmung der Wüstenbildung und des Klimawandels zu überprüfen, sollten deie jüngsten Warnungen des IPCC diese Beratungen aufrütteln.

Zwischen 2007 und 2016 machten die Nahrungsmittelproduktion, die Land- und Forstwirtschaft und andere menschliche Aktivitäten im Zusammenhang mit der Landnutzung 21-37% der anthropogenen oder vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen aus, so der IPCC-Bericht. Diese Emissionen könnten reduziert werden, wenn mehr Land zur Verfügung stünde, um Kohlenstoff aufzunehmen. Dies könnte erreicht werden, wenn mehr Verbraucher ihren Fleischkonsum zugunsten pflanzlicher Ernährung reduzierten, mehr Wälder geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden und die Böden mit organischem Inhalt aufgefüllt würden.

Aber das überschreite die Macht des IPCC. Der Weltklimarat habe zu beschreiben, was der Mensch mit dem Klima macht. Es könne Hinweise geben, wie man diese Effekte verlangsamen oder umkehren und wie sich der Mensch an eine sich erwärmende Welt anpassen könne. Der IPCC könne Vorschläge unterbreiten, aber deren Umsetzung in die Tat liege außerhalb seines Aufgabenbereichs.

Politische Führung lässt zu wünschen übrig

Nature: “Was die Rolle der internationalen politischen Führung bei der Bewältigung des Klimawandels betrifft, so lässt die Erfolgsbilanz zu wünschen übrig. Aber jetzt, aufgrund der Ergebnisse des IPCC und mit Hilfe einer starken Jugendklimabewegung – die im Gegensatz zur Erwachsenenpolitik tatsächlich auf den IPCC zu achten scheint – ist eine Chance für echtes Handeln entstanden.”

Zum Beispiel die UN-Biodiversitäts-Konvention, deren Vertreter sich Ende dieses Monats in Nairobi treffen. Vor zehn Jahren haben sich die Mitgliedsländer eine Frist bis 2020 gesetzt, um die Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt anzugehen. Die Fortschritte sind überschaubar, obwohl das Ende der Frist naht. Die Delegierten werden zwar die Frist verlängern und neue Ziele festlegen – aber die biologische Vielfalt schwindet zu einem großen Teil, weil Landwirtschaft und Industrie die Lebensräume zerstören oder verschmutzen. Solange diese Probleme bestehen, sei es unwahrscheinlich, dass eine Verlängerung etwas bewirken werde.

Anfang September treffen sich die Länder der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) in Neu-Delhi. Wüstenbildung geschieht, wenn Land in bereits trockenen Teilen der Welt durch den Verlust von produktiven Böden degradiert wird. Zu den menschlichen Ursachen gehören Überkultivierung, Überweidung, Entwaldung und schlechte Bewässerung. Die Mitgliedsländer der UNCCD werden einen Vorschlag zur Integration ihrer Arbeit bei der Desertifikationsbekämpfung mit den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung prüfen – ein Schritt, der gefördert werden sollte. Dies würde Doppelarbeit vermeiden und könnte die Fortschritte beschleunigen. Aber, wie der jüngste IPCC-Bericht zeiget, nähmen die Dürren in Trockengebieten seit 1961 im Durchschnitt um etwas mehr als 1% pro Jahr zu. Und der Klimawandel verschlimmere die Bodendegradation.

Schließlich werden sich Ende September die Staats- und Regierungschefs der Welt in New York zu einem vom UN-Generalsekretär António Guterres einberufenen Klimagipfel treffen, bei dem auch die neuen Erkenntnisse des IPCC berücksichtigt werden. Wie aus dem IPCC-Bericht hervorgeht, stieg die globale mittlere Oberflächentemperatur zwischen 1850 und 2015 um 0,87 °C (mit einem wahrscheinlichen Bereich von 0,75-0,99 °C). Guterres möchte, dass Führungskräfte mit konkreten Plänen nach New York kommen, wie man die Treibhausgasemissionen im nächsten Jahrzehnt um 45% verringern könne, um bis 2050 netto Null zu erreichen. Aber ob sie dazu in der Lage – oder bereit – seien, sei eine andere Frage.

Die Bekämpfung von Klimawandel und Wüstenbildung und die Verlangsamung des Biodiversitäts-Verlusts seien noch schwieriger zu erreichen, da jede einzelne UN-Konvention unabhängig von den anderen sei – im Gegensatz zur verflochtenen Realität der Bedrohungen.

Hier steche auch der Bericht des IPCC hervor. Die Autoren kämen aus verschiedenen Disziplinen – und zum ersten Mal komme die Mehrheit aus Entwicklungsländern. Sie hätten detaillierte Gespräche geführt und ein Dokument erstellt, das die Perspektiven von Biodiversität und Desertifikation sowie Ernährung und Landwirtschaft in die Analysen und Ergebnisse integriere.

Junge Menschen kümmern sich ums Klima

Da jede der UN-Konventionen mit anhaltenden Herausforderungen konfrontiert sei, könne das IPCC auf Unterstützung der nächsten Generation zählen. Deren Mitglieder nähmen jeden neuen Bericht aufmerksam zur Kenntnis, einschließlich der Teilnehmer am Klimaschulstreik, der von der schwedischen Teenageraktivistin Greta Thunberg angeführt werde. Thunberg lege Wert darauf, den IPCC-Bericht zu überprüfen und in ihren Reden Seitenzahlen und Paragraphen anzugeben, wie sie es kürzlich in einer Rede vor dem französischen Parlament getan habe.

“Während sich die Regierungsdelegierten auf Delhi, Nairobi und New York vorbereiten, müssen sie sich darauf einstellen, die Frage zu beantworten, wenn Kinder die Bedeutung der IPCC-Bewertungen verstehen können, warum Erwachsene das nicht auch können?”

Der Leitartikel endet: “Die Mitglieder der Jugendklimabewegung sind mutig, und sie haben Recht. Es ist fast drei Jahrzehnte her, dass die drei UN-Konventionen – über Biodiversität, Klima und Wüstenbildung – auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro vereinbart wurden. Und es ist 31 Jahre her, dass der IPCC zur Beratung von Entscheidungsträgern gegründet wurde. Doch die Umweltversprechen wurden nicht durch sinnvolles Handeln erfüllt. Jüngere Generationen wissen, vielleicht besser als die Erwachsenen, dass die Welt vielleicht keine weiteren drei Jahrzehnte Zeit hat, um Klimaauswirkungen zu verhindern, die noch gravierender sind als die, denen wir heute ausgesetzt sind. Die Politik muss jetzt handeln.”

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