Größte Solarfabrik der westlichen Hemisphäre

Hanwha Q Cells kann jährlich PV-Module mit 1,7 GW herstellen

Der 20.09.2019 war ein großer Tag für die US-Modulfertigung. Hanwha Q-Cells, der koreanische PV-Hersteller, der vor sieben Jahren die deutsche Q-Cells übernommen hat, eröffnete in Dalton, Georgia, offiziell die größte Solarmodulfabrik der westlichen Hemisphäre mit 28.000 Quadratmetern Nutzfläche und 650 Mitarbeitern, schreibt Christian Roselund am 23.09.2019 in der US-Ausgabe von pv magazine. Die 28.000 Quadratmeter große Fabrik kann 12.000 PV-Module pro Tag oder 1,7 GW jährlich produzieren – die gleiche Spitzenerzeugungskapazität wie der Hoover Dam.

Natürlich ist “Eröffnen” immer ein relativer Begriff. Freitag wurde zwar das große Band durchschnitten, aber die Fabrik produziert schon seit Monaten Module; jede Solarfabrik muss einen langen Prozess von Gerätetests und Kalibrierung durchlaufen um dann langsam immer mehr Module zu produzieren (ramping), bis sie ihr volles Produktionsvolumen erreicht.

Hanwha Q Cells Führungskräfte berichten, dass die Fabrik die Produktion im Januar aufgenommen und im Februar mit der Auslieferung begonnen habe und dass alle drei Produktionslinien derzeit in Betrieb seien. “Das Werk produziert derzeit mehr als 10.000 Module pro Tag und ist damit sehr nahe an der vollen Kapazität von 12.000”, sagte Hanwha Q Cells Director of Strategy and Market Intelligence Scott Moskowitz dem pv magazine. “Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Ende des Jahres voll ausgelastet sind.”

Die Fabrik wird Module mit 120 Mono-PERC-Halbzellen in der „Q.PEAK DUO BLK-G6“-Linie des Unternehmensodule  herstellen. Diese verfügen über sechs Sammelschienen, einen Modulwirkungsgrad von rund 19% und eine Leistung von 330-345 Watt, was nicht schlecht für ein 60-Zellen-Modul im Vollzellenbereich ist. Diese Module werden sowohl im Dach- als auch im großflächigen Freiflächen-Solarmarkt verkauft.

Trump, Zölle und Steuern

Greentech Media hat die neue Produktion als E rfolg der Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump bewertet. Aber hier gibt es eine Menge Nuancen. Vier große Photovoltaik-Fabriken sind entweder im Bau, werden derzeit hochgefahren oder sind in den USA eröffnet worden, seit Trump die „Section 201“-Zölle eingeführt hat: Das Werk von Hanwha Q-Cells mit 1,7 Gigawatt in Georgia, LGs Fabrik mit 500 Megawatt in Alabama, Jinko Solars 400 Megawatt-Produktion in Florida und First Solars neue 1,2 Gigawatt-Fabrik in Lake Ohio – die sich derzeit im Bau befindet.

Sicher kann gesagt werden, dass diese ohne die Zölle nach „Section 201“ nicht möglich gewesen wären, da diese einen relativen Vorteil für in den USA gefertigte Produkte darstellen. Allerdings erklärten alle diese Hersteller pv magazine, sie wären vermutlich nicht ohne die jüngste Steuerreform gebaut worden, die von der republikanischen Mehrheit im Kongress Ende 2017 durchgesetzt wurde.

Während diese neuen Fabriken und die kleineren, die bereits bestanden und teilweise wieder hochgefahren wurden über eine Kapazität von insgesamt rund fünf Gigawatt verfügen, werden in den USA in diesem Jahr voraussichtlich mehr als zwölf Gigawatt Photovoltaik zugebaut. Dies ist damit mehr doppelt soviel wie die gesamte Kapazität für die Modulherstellung im Inland. Zudem fehlt der Solarzellen-Sektor in den USA fast vollständig. Es gibt keine Zellproduktionen, die ihre Solarzellen am Markt anbieten. Die Produktionen, die kürzlich hochgefahren wurden, diesen dazu, die Solarzellen ins Ausland zu exportieren. Tatsächlich scheint die einzig große integrierte Zell- und Modulfabrik in den USA – die Tesla-Panasonic-Gigawattfabrik im Bundestaat New York – nicht viel zu produzieren.

Die geringfügige Wiederbelebung der US-Modulherstellung, die diese Fabriken darstellen, ändert nichts an der grundlegenden Natur der Handelsströme oder der Fertigung in der Solarindustrie. In den USA werden immer noch überwiegend importierte Photovoltaik-Produkte, hauptsächlich aus Asien, installiert.

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