Molekular produziertes Eiweiß als Alternative zum Schnitzel

Nahrungsmittelproduktion auf molekularer Basis wird Klimagasemissionen aus Land- und Viehwirtschaft drastisch reduzieren

Die intensive industrielle Landwirtschaft zusammen mit der tierquälenden Massentierhaltung sind erheblich an der Aufheizung des Planeten beteiligt. Eine Analyse der Energy Watch Group zeigte vor kurzem auf, dass etwa 18% der globalen Treibhausgasemissionen aus Landwirtschaft und Viehzucht stammen. Diese Zahlen decken sich in etwa mit dem kürzlich veröffentlichten Special Report des IPCC zur Landnutzung, wie Hans-Josef Fell, Päsident der EWG, am 30.09.2019 auf seinem Informationsportal schreibt.

Bis 2030 könnten allerdings die Treibhausgasemissionen aus der Viehzucht und Landwirtschaft etwa um 45% reduziert werden, was einen 10%igen Rückgang der globalen Emissionen bedeuten würde. So zumindest lauten die Erkenntnisse einer neuen umfassenden Studie des Thinktanks RethinkX aus Kalifornien um Tony Seba: „Rethinking Food and Agriculture 2020-2030“.

In 10 bis 15 Jahren könnten wir in der Lage sein, einen Großteil unserer benötigten Fleisch- und Agrarprodukte im Labor herzustellen, mit Folgen, die weit über die jeweiligen Industriezweige hinausreichten.

Den Wissenschaftern zufolge wird eine sogenannte „disruptive Revolution“ Viehzucht und Landwirtschaft grundlegend verändern, denn unser Fleisch und unser Getreide wird zukünftig künstlich auf molekularer Basis hergestellt werden können, was einen Großteil der bis dahin genutzten Landwirtschaftsfläche überflüssig machen könnte.

In den USA allein beträfe dies 25% der Fläche des gesamten Landes. Darüberhinaus würden diese Lebensmittel der Zukunft etliche weitere Vorteile bringen: sie würden günstiger, nahrhafter, hochwertiger, leckerer und in „nahezu unvorstellbarer Vielfalt“ zur Verfügung stehen. Rückstände von krankmachenden Pestiziden und Antibiotika gäbe es in der so produzierten Nahrung nicht mehr.

Laut Wissenschaft werde als erstes die Massentierhaltung der Kuh verschwinden. Die Kuh in der Massentierhaltung, sei der ineffizienteste Teil des heutigen Agrarsystems, denn alleine hier seien neue Herstellungsmethoden bis zu 100-mal flächen-, 20-mal zeit- und 10-mal wassereffizienter. Dabei gehe es nicht nur um das Fleisch des Tieres, sondern auch um dessen Milch, das Getreide für die Fütterung, die intensive Flächennutzung, die landwirtschaftlichen Maschinen für Viehzucht und Ackerbau, deren Dieselverbrauch etc. Und das alles sei bezogen auf die gesamte Landwirtschaft und Viehzucht, es handle sich also nicht um die Disruption einer wirtschaftlichen Nische, sondern mannigfaltige Disruptionen in vielen Wirtschaftszweigen, die sich überlappten und gegenseitig verstärkten, so die Forscher.

So werde beispielsweise die US-amerikanische Viehzucht bis 2030 pleite sein, was eine Wertvernichtung von über $100 Milliarden bedeuten würde. Während bestimmte Industrien untergingen und sich andere umstellen müssten, entstünden mindestens ebenso große Möglichkeiten für Produzenten der „modernen“ Lebensmittelproduktion.

Es bestehe somit die Chance, Lebensmittelproduktion unabhängig von Wetter, Jahreszeiten und geografischen Gegebenheiten dezentralisiert stattfinden zu lassen. Die freigewordenen Landflächen eigneten sich vorzüglich für Aufforstung und die Schaffung von natürlichen Kohlenstoffsenken, womit sich weitere Chancen für wirksamen Klimaschutz ergäben.

Die ökologischen, ökonomischen und gesundheitlichen Vorteile insbesondere als Ersatz für den Fleischkonsum aus Massentierhaltung seien erheblich. Damit werde die molekulare Eiweißproduktion auch für die, die nicht auf ihr Schnitzel verzichten wollen zu einer echten Alternative.

Dennoch bleibe unbestritten, dass eine vegane und vegetarische Ernährung aus biologisch angebauten Pflanzen, die natürlich wachsen könnten, ebenfalls alle diese Vorteile biete. Sie liefere über die natürliche Komplexität der wertvollen Inhaltsstoffe, wie Vitamine oder Mineralien auch die Basis für eine gesunde Ernährung.

Ob die molekulare Nahrungsmittelproduktion die Komplexität der gesunden Inhaltstoffe, wie sie viele Pflanzenarten lieferten, auch erreichen könne, sei noch nicht abzusehen und eher fraglich. Deshalb sei eine vegetarische oder gar vegane Ernährung aus Bio-Anbau auch weiterhin ein wesentlicher persönlicher Beitrag für mehr Klimaschutz und gesunde Ernährung.

->Quelle:  Hans-Josef-Fell.de/nahrungsmittelproduktion-auf-molekularer-basis-wird-klimagasemissionen-aus-land-und-viehwirtschaft-drastisch-reduzieren