Deutschland ohne Erneuerbare Energien?

Studie: Erneuerbare senken Strompreis massiv

Das Update einer Studie von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Energie Campus Nürnberg (EnCN) im Auftrag der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) für die Jahre 2014 bis 2018 räumt erneut mit dem Vorurteil gegenüber der Energiewende auf, Ökostrom verteure den Strompreis. Im Gegenteil: In den vergangenen vier Jahren haben deutsche Stromkunden 40 Mrd. € gespart, weil Erneuerbare-Energien-Anlagen in großem Umfang Strom ins Netz eingespeist haben. Seit 2011 sind es sogar rund 70 Mrd. € gewesen. 91 könnten es bis 2023 sein, wenn der Ausbau verdreifacht würde.

Die FAU-Strompreisstudie 2015 (“Erfolg in Sachen Energiewende: EE sparten Stromverbrauchern 2013 ganze 11,2 Milliarden Euro” – siehe: solarify.eu/strompreisdiskussion-obsolet) rekonstruierte auf Grundlage historischer Preisdaten des Day-Ahead-Marktes der deutschen Strombörse, welche Preise sich an der Strombörse in den Jahren 2011 bis 2013 ohne die Einspeisung aus Wind und Photovoltaik eingestellt hätten. Die Studie hatte gezeigt, dass die Mehrkosten aufgrund höherer Großhandels-preise die Kosten der EEG-Umlage in den Jahren 2011 bis 2013 um etwa 28,7 Mrd. Euro überschritten hätten1.

Das vorliegende Update dieser Studie von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Energie Campus Nürnberg (EnCN) im Auftrag der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) für die Jahre 2014 bis 2018 bestätigt diesen Trend. Zwar fielen die rekonstruierten Mehrkosten ohne die Einspeisung aus Wind und Photovoltaik aufgrund der Inbetriebnahme mehrerer neuer Kohlekraftwerke in den Jahren 2012 bis 2015 zunächst geringer aus als in den Jahren davor. Aufgrund mehrerer Kraftwerksstillllgungen 2017 und 2018 habe sich der mittlere Börsenpreis allerdings um etwa 8,4 ct/kWh im Jahr 2017 und um 7,1 ct/kWh im Jahr 2018 erhöht. Damit sparten die deutschen Letztverbraucher durch den Merit-Order-Effekt (siehe: solarify.eu/merit-order) in den Jahren 2014 bis 2018 nochmals etwa 40 Mrd. Euro ein.2

Eine Projektion der Entwicklung der verfügbaren Erzeugungskapazität und der zu erwartenden

Strompreise bis 2030 zeigt deutlich:

  1. Die Rekonstruktion der Strompreise der Jahre 2014 bis 2018 ohne Erneuerbare Energien bestätigt die Ergebnisse der FAU-Strompreisstudie 2015. Erneuerbare Energien sorgten für fallende Großhandelspreise und sparten bundesdeutschen Letztverbrauchern insgesamt etwa 40 Mrd. Euro ein. Der Strombedarf hätte auch 2014 bis 2018 ohne die Einspeisung Erneuerbarer Energien nicht jederzeit gedeckt werden können.
  2. Die CO2-Reduktionsziele der Bundesregierung können mit dem Ausbaukorridor des EEG 2017 §4, den zusätzlichen Au-bauzielen des Energiesammelgesetzes vom 20.12.2018 und dem „Kohlekompromiss“ vom 26.01.2019 nicht erreicht werden.
  3. Notwendig wäre eine Vervierfachung des geplanten Ausbaus Erneuerbarer Energien, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung nahezu zu erreichen und eine Verdreifachung, um die durchschnittlichen Strompreise an den Strombörsen bis 2023 auf etwa 7 ct/kWh zu begrenzen.

Durch eine Verdreifachung des Ausbaus Erneuerbarer Energien würden deutsche Letztverbraucher durch reduzierte Großhandelspreise bis 2023 etwa 91 Mrd. Euro einsparen. Diese Einsparungen reichen aus, um den notwendigen Zubau zu finanzieren. Ohne einen forcierten Ausbau Erneuerbarer Energien wird die entstehende „Ökostromlücke“ zu steigenden Strompreisen und kritischen Versorgungssituationen führen.

Kosten der EEG-Umlage (EEG-Differenzbetrag der nachträglichen Jahresabrechnung, Quelle: BMWi) und rekonstruierte Steigerung der Großhandelspreise ohne die Einspeisung von Wind und Photovoltaik in den Jahren 2011 bis 2018 – Grafik © FAU

1 Basis: prognostizierte EEG-Umlage
2 Basis: EEG-Differenzkosten der nachträglichen Jahresabrechnung

->Quellen: