Energiewende braucht Netze – aber auch für Wasserstoff

ÜNB-Szenariorahmen 2035_2040 reicht nicht

Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben zwar einen Szenariorahmen für den Stromnetzausbau bis 2035 und 2040 vorgelegt (siehe solarify.eu/uebertragungsnetzbetreiber-mit-entwurf-fuer-szenariorahmen-nep-2035). Aber der reicht nicht – und was ist mit Gas? fragt NIcole Weinhold in Erneuerbare Energien. Die Bundesnetzagentur hat am 13.02.2020 den Trassenkorridor für den südlichsten Abschnitt in Bayern der Gleichstromverbindung SuedOstLink festgelegt (siehe solarify.eu/bundesnetzagentur-legt-trassenkorridor-von-schwandorf-bis-akw-isar-fest). Nach allen Planungsänderungen und Widerständen aus Bayern ist das schon ein wichtiger Schritt nach vorn.

In zwei der drei Szenarien für 2035 spielen weder Braun- noch Steinkohle aus energiewirtschaftlicher Sicht eine Rolle am regulären Markt. Die ÜNB sehen wie eigentlich alle Fachverbände der Energiewirtschaft einen mit der Sektorkopplung und Elektrifizierung von Mobilität und Wärme einhergehenden steigenden Stromverbrauch – im neuen C2035-Szenario in einer Höhe von 729 TWh.

Klimaziele von Paris werden mit jetzigem Fahrplan verfehlt

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) kritisiert allerdings, dass weiterhin keines der vorgelegten Szenarien die Anforderungen des Pariser Klimaschutzabkommens erfüllen könne (siehe solarify.eu/stromnetze-der-zukunft-auf-erneuerbare-energien-ausrichten). Anstatt ökologisch und ökonomisch kontraproduktiver Restriktionen brauche der Erneuerbaren-Ausbau in allen Technologien und allen Größen einen neuen Aufbruch, um das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung im Jahr 2030 zu erreichen und das Energiesystem auf Treibhausgasneutralität umzustellen. Die Windenergie an Land im Norden unnötig modellhaft zu deckeln, den Ausbau von Photovoltaik-Freiflächen künstlich abzubremsen und die flexiblen Potenziale der Bioenergie nicht umfassend zu nutzen, stelle völlig unnötige Hemmschuhe für die Energiewende dar, so Simone Peter, Präsidentin des BEE.

BEE fordert jährlich zehn Gigawatt Solarzubau

Der BEE hatte bereits 2009 mit einem Szenario einen Blick auf die Energiewelt des Jahres 2020 geworfen. Dabei wurden trotz unterschiedlicher Entwicklungen in den einzelnen Branchen zwei Kenngrößen zielgenau getroffen: Der Bruttostromverbrauch von 595 Terawattstunden (TWh) und der Anteil erneuerbarer Energien von 47 Prozent, der zum Ende des Jahres 2020 realistisch ist. Vergangenes Jahr hat der BEE sein Szenario 2030 aktualisiert. Zwei Stellgrößen sind wieder klar benannt: Ein auf 740 TWh steigender Bruttostromverbrauch, der zu 481 TWh aus erneuerbaren Energien gedeckt wird, wenn das Ziel der Bundesregierung von 65 Prozent bis 2030 erreicht werden soll. In der Folge müssen die Zubauzahlen für erneuerbare Energien entsprechend ausgerichtet werden: pro Jahr 10 Gigawatt (GW) Photovoltaik, 4,7 GW Windkraft an Land, 1,2 GW Windkraft Offshore, 0,6 GW Biomasse und je 50 Megawatt Wasserkraft und Geothermie.

DUH fordert Fahrplan für erneuerbares Gas

Auch das Gasnetz spielt eine zunehmend wichtigere Rolle im Zuge der Sektorkopplung, weil Wasserstoff aus Power-to-Gas-Anlagen dort eingespeist werden muss. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert als Grundlage für eine klimaverträgliche Gasnetzplanung einen Fahrplan für erneuerbares Gas und politische Richtungsentscheidungen für dessen Verwendung. Dazu erklärt Nadine Bethge, Stellvertretende Bereichsleiterin Energie und Klimaschutz der DUH: „Während die Parameter für Erzeugung und Verbrauch bei der Stromnetzplanung immer feiner abgestimmt werden und die Klimaschutzziele einen immer höheren Stellenwert bekommen, spielen klimapolitische Vorgaben bei der Gasnetzplanung so gut wie keine Rolle. Das öffnet Tür und Tor für fossile Gasprojekte, die mit den Klimazielen nicht vereinbar sind. Wir brauchen einen Fahrplan für erneuerbares Gas. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier muss schnellstmöglich konkrete Ziele für den Anteil von erneuerbarem Gas an der Gaserzeugung über mehrere Jahre bis 2050 festsetzen.”

->Quelle: erneuerbareenergien.de/szenario-energiewende-braucht-netze-aber-auch-fuer-wasserstoff