Tag der Erneuerbaren: Verteilnetze als Grundlage

Flatten the (Climate-)Curve!

Der Strom-Verteilnetzbetreiber Innogy erinnerte am 24.04.2020 an den Tag der Erneuerbaren Energien und erklärte in einer Mitteilung mit Verweis auf seine Netztochter Westenergie: „Verteilnetze bilden Basis für Integration erneuerbarer Energien,“  schreibt Tilman Weber auf der Internetseite von Erneuerbare Energien. Und der Bundesverband Erneuerbare Energie BEE teilte am gleichen Tag mit: Auch für die globale Klimakrise müsse die zur Corona-Virusbekämpfung weltweit als Konsens gefundene Handlungsmaxime gelten (siehe: solarify.eu/25-april-tag-der-erneuerbaren-energien)- die Devise „Flatten the curve!“ – zu Deutsch: Lasst uns die Kurve abflachen! – dürfe nicht nur für die Statistik der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus gelten. Sie müsse auch als weltweiter Konsens bei der Bekämpfung des raschen Klimawandels gelten, um die Kurve der weltweiten Erwärmung deutlich abzuflachen.

Der „Tag der Erneuerbaren Energien“ ist ein 1996 von der sächsischen Stadt Oederan ins Leben gerufener Aktionstag, an dem sich mehr und mehr Kommunen bundesweit beteiligen. Das Datum ist nicht zufällig der Jahrestag des GAUs von Tschernobyl am 26.04.1986. Die seit dem zehnten Jahrestag der Reaktorkatastrophe jährlich veranstalteten Aktionen mussten dieses mal erstmals ausfallen, weil die Corona-Pandemiemaßnahmen keine öffentlichen Zusammenkünfte zulassen. Allerdings verlagerten Unternehmen und Kommunen sowie Verbände und Freunde des Aktionstages ihre Diskussionen und Hinweise auf interessante Energiewende-Technologien und Erneuerbaren-Anlagen in die sogenannten sozialen Medien im Internet. Unter dem Hashtag #TagDerErneuerbarenEnergien hatten sich so bis Sonntagnachmittag alleine auf der Kommunikationsplattform Twitter mehr als 100 Beiträge angesammelt. Die Initiatoren Energietages wollen die 25-Jahr-Feier des Erneuerbaren-Tages im kommenden Jahr nachholen.

Die Geschäftsführerin von Innogy Westnetz, Katherina Reiche, betonte, das Netzunternehmen werde in einem sogenannten Reallabor „in den nächsten Jahren beweisen wollen, dass eine nachhaltige und klimaneutrale Energieversorgung auf lokaler Ebene schon heute technisch und wirtschaftlich möglich ist“. Dafür brauche es intelligente Netze, die mit Digitalisierungstechnologie die Integration dezentral erzeugen Grünstroms die Energiewende gelingen ließen.Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat dazu aufgerufen, den Slogan zur Bekämpfung der Coronapandemie auch auf den Klimawandel anzuwenden.

„Durch die Digitalisierung unserer Netze schaffen wir die Voraussetzungen, den Strom möglichst da zu nutzen, wo er erzeugt wird. Dies erproben wir etwa im Reallabor SmartQuart, wo wir in den nächsten Jahren beweisen wollen, dass eine nachhaltige und klimaneutrale Energieversorgung auf lokaler Ebene schon heute technisch und wirtschaftlich möglich ist. Durch die intelligente Integration dezentraler und klimafreundlicher Energielösungen schaffen wir die Voraussetzungen für das Gelingen der Energiewende“, betont Reiche.

Folgen der Erderhitzung beherrschbar machen

Der BEE will die Argumentation für die nationalen Ausgangssperren auf den Klimaschutz übertragen. So will er die Zielrichtung der Maßnahmen zur Eindämmung der Neuinfektionen sollen Vorbild sein: Nur so stark und so schnell dürfe sich die Situation verschärfen, dass die Mittel des Gesundheitssystems noch ausreichen. Auch für die Klimakrise gelte daher „Flatten the Curve“, erklärte der BEE, „um die Folgen der Erderhitzung beherrschbar zu machen und zu begrenzen.“ Es brauche daher „jetzt den schnellen Ausstieg aus fossilen Energieträgern und den konsequenten Umstieg auf Erneuerbare Energien“.

Der BEE verwies zudem auf einen neuen Report der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena – siehe solarify.eu/irena-global-renewables-outlook). Dieser belegt, dass eine konsequente Umstellung auf Erneuerbare-Energien-Versorgung bis 2050 mit einer Vervierfachung der heutigen Beschäftigten in der Branche auf 42 Millionen  einhergehen würde. Zugleich würden die Kosten eines solchen Versorgungssystems „vermehrt unter den langfristigen Kosten der konventionellen Energieerzeugung liegen“, so BEE-Präsidentin Simone Peter. „Der dringend nötige Ausbau“ der Erneuerbaren dürfe in Deutschland „nicht länger durch Bremsen und Deckel gehemmt werden“. Für Windenergie an Land müsse die Politik neue Potenzialflächen und Baugenehmigungen ermöglichen, statt wie derzeit pauschale Windpark-Mindestabstände rings um Siedlungen vorzubereiten. Diese sollen angeblich der Erhöhung der Akzeptanz der Windkraft in der Bevölkerung dienen. „Ausbaudeckel für Photovoltaik müssen abgeschafft und auch die Bremsen für flexibilisierte Bioenergie und Offshore-Wind endlich gelöst werden“.

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