Bau von Österreichs größtem PV-Park begonnen

OMV und VERBUND: Einsparung von rund 10.000 Tonnen CO2 pro Jahr – Kritik von Greenpeace

Das Öl- und Gasunternehmen OMV und VERBUND, größter österreichischer Stromerzeuger und einer der größten europäischen Wasserkraftbetreiber, haben am 08.07.2020 mit dem Bau der größten Flächen-PV-Anlage in Österreich begonnen. Das zehn Millionen Euro teure Projekt soll ein Zehntel des Stromverbrauchs der OMV Austria decken und als Pilotprojekt für weitere solche PV-Anlagen auch im Ausland dienen. Greenpeace kritisierte den Spatenstich  scharf als Greenwashing-Projekt des Öl-Konzerns: Die Anlage werde „missbraucht, um noch mehr klimaschädliches Öl und Gas zu produzieren“.

Die Anlage nordöstlich von Wien wird von den beiden Unternehmen ohne Förderung von Land oder Bund je zur Hälfte finanziert, die Lebensdauer soll gut 40 Jahre betragen. Eine weitere Anlage wird für das Deponiegelände Mühlberg bei Altlichtenwarth (Bezirk Mistelbach) im nördlichen Weinviertel erwogen. Im Ausland kämen etwa Rumänien, Norwegen und Neuseeland infrage, hieß es anlässlich des Baustarts der Pilotanlage.

Auf einer konzern-eigenen Gesamtfläche von 13,3 Hektar wird OMV-Angaben zufolge am Standort Schönkirchen im Weinviertel in der ersten Bauphase eine PV-Anlage mit 11,4 MWp Leistung errichtet. Die 34.600 Module erzeugen in Ost-West Ausrichtung 10,96 GWh Sonnenstrom, was in etwa dem Jahresstromverbrauch von 3.400 Haushalten entspricht und umgerechnet rund 8.000 Tonnen CO2 spart. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für Ende November 2020 geplant.

In der Endausbaustufe wird die Anlage um weitere 10.400 PV-Module ergänzt. Damit steigt die Gesamtleistung auf 14,85 MWp bei einer Erzeugung von 14,25 GWh. Gesamt entspricht dies dem Jahresstromverbrauch von 4.400 Haushalten und einer zusätzlichen Einsparung von 2.400 Tonnen CO2 pro Jahr.

Die Umsetzung dieses Projektes stärke auch die strategische Zusammenarbeit der OMV und dem VERBUND, heißt es. Diese begann 2017 mit dem 40-Prozent-Einstieg der OMV in den E-Mobility Provider SMATRICS, an dem VERBUND weitere 40 % und Siemens 20 % halten. Gemeinsam wurden die Raffineriestandorte in Österreich und Deutschland zur Erhöhung der Versorgungsqualität und –sicherheit evaluiert. Im Bereich grüner Wasserstoff arbeiten die OMV und VERBUND derzeit bereits im Projekt UpHy zusammen, in dem es um die Herstellung von Wasserstoff für die Anwendung in der Mobilität und im Raffinerie-Prozess geht. Die OMV verwies auf eine Ende Juni bekanntgegebene Zusammenarbeit von OMV, Verbund, dem Chemiekonzern Borealis und dem Zementriesen Lafarge für eine Anlage zur Abscheidung und Nutzung von Kohlendioxid im großindustriellen Maßstab, die bis 2030 errichtet werden soll. CO2 solle eingefangen und als wichtiger Rohstoff genutzt werden, etwa für Methanol.

Man werde auch bei neuen Technologien zur Wasserstofferzeugung mit dem Verbund zusammenarbeiten. Der Verbund erzeuge und liefere grünen Strom, und die OMV arbeite an entsprechenden chemischen Verfahren. Die OMV wolle künftig Öl und Gas weniger verbrennen, mehr veredeln.

Greenpeace-Kritik

Greenpeace kritisiert den Spatenstich zu Österreichs größter Flächen-Photovoltaikanlage in Niederösterreich scharf als “Greenwashing-Projekt des Öl-Konzerns. Photovoltaik gehört zu den wichtigsten Technologien im Kampf gegen die Klimakrise, doch der grüne Strom aus der heute präsentierten Anlage soll ausschließlich dazu dienen, klimaschädliches Öl- und Gas der OMV zu produzieren. Die OMV bleibt ihrem klimazerstörerischen Kurs so weiter treu. Die Installation der PV-Anlage verkommt zu einer manipulativen Scheinlösung.”

“Die Photovoltaik-Technologie steht symbolisch für den Weg in eine grüne Zukunft. Dass ausgerechnet diese Technologie verwendet wird, um noch mehr klimaschädliches Öl und Gas zu fördern, ist geradezu zynisch,” kritisiert Jasmin Duregger, Klima- und Energiesprecherin bei Greenpeace. “Um die Klimakrise zu verhindern, reichen grüne Deckmäntelchen für schmutzige Öl- und Gas-Geschäfte nicht mehr aus. Für wahren Klimaschutz brauchen wir ein Ende der Bohrungen im Weinviertel und einen vollständigen Ausstieg aus fossiler Energie bis 2040. Das gilt auch für die OMV. Sie muss Öl- und Gas den Rücken kehren und den Weg aus dem fossilen Zeitalter bis 2040 endlich strategisch verankern und aktiv einleiten. Alles andere ist eine Scheinlösung”, so Duregger weiter.

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