Bedrohte Immobilien

Milliardenwerte in Küstenregionen in Gefahr

Nach IPCC-Schätzungen von 2013 steigt der Meeresspiegel bis Ende des 21. Jahrhunderts um 26 bis 55 Zentimeter an – aber nur, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen deutlich reduziert wird, was bisher nicht der Fall ist. Im ungünstigsten Szenario rechnet der Weltklimarat IPCC mit einem Anstieg um 45 bis 82 Zentimeter. Schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hielt es der IPCC aber für möglich, dass es auch deutlich mehr sein könnten. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen hatten zuletzt  in der Tat ergeben, dass auch noch extremere Varianten denkbar seien.

Als Ursachen für den Anstieg der Meere sieht die Wissenschaft das Abschmelzen der Gletscher und Eiskappen in Grönland und der Antarktis an, aber auch die Ausdehnung des Wassers durch Erwärmung. Dabei erhitzt sich die Nordsee doppelt so schnell wie andere Ozeane. Deren Durchschnittstemperatur stieg in den vergangenen 45 Jahren um 1,67 Grad Celsius – gegenüber nur 0,74 Grad im Zeitraum davor. Das teilte das Bundesumweltministerium 2017 mit. Dabei bezog sich die Regierung auf Daten des Weltklimarates IPCC und des Alfred-Wegener-Instituts bis 2010.

Meeresspiegelanstieg von Nov. 1993 bis 2018 – Grafik © climate.nasa.gov, gemeinfrei, commons.wikimedia.org

Am 07.08.2020 hat Matthias Janson auf dem Statistik-Portal statista.com auf einen weiteren Aspekt hingewiesen: Die Bedrohung von Wohnimmobilien durch den Meeresspiegelanstieg. Weltweit käme es zu Überflutungen von Landmassen, auch in Europa, vor allem in niedriger gelegenen Landstrichen. Ohne weitere Schutzanlagen würden zahlreiche Wohnimmobilien zerstört, mit Schäden in Milliardenhöhe. Das zeigt die Statista-Grafik anhand des Beispiels Hamburg: Bei einem Temperaturanstieg um 1,5 °C gegenüber vorindustrieller Zeit wären Immobilien mit einer Gesamtfläche von 6,7 Millionen m² gefährdet. Ihr Marktwert liegt bei schätzungsweise 33 Milliarden Euro. Noch schlimmer als Hamburg würde es Den Haag, Amsterdam und London treffen. Genauere Informationen für insgesamt 18 Städte bietet das Statista Dossier Plus „Rising seas and real estate in Europe“.

Dort heißt es, seit Beginn der industriellen Revolution hätten die Weltmeere 90 Prozent der durch anthropogene Treibhausgase gebundenen überschüssigen Wärme absorbiert. Einem neuen Bericht aus dem Jahr 2020 zufolge hat die National Oceanic and Atmospheric Administration/National Centers for Environmental Information (NOAA/NCEI) festgestellt, dass in den Jahren zwischen 2015 und 2019 die höchsten durchschnittlichen Durchschnittstemperaturen der Ozeane gemessen wurden, die jemals aufgezeichnet wurden. Einer der Ausgleichsfaktoren für steigende Meerestemperaturen ist die thermische Ausdehnung. Wenn sich Wasser erwärmt, dehnt es sich aus, so dass die höheren Durchschnittstemperaturen steigen, je mehr sich das Ozeanwasser ausdehnt. Nach Angaben der NASA ist etwa die Hälfte des Anstiegs des Meeresspiegels in den letzten 25 Jahren auf die thermische Ausdehnung zurückzuführen. Europa ist am besten auf den Anstieg des Meeresspiegels vorbereitet. Gegenwärtig gibt es rund 50.000 Kilometer Deiche zum Schutz vor Überschwemmungen in den zwölf am stärksten gefährdeten europäischen Ländern. Unabhängig von den derzeitigen Vorbereitungen besteht eine tatsächliche monetäre Bedrohung für Immobiliengesellschaften, Bauträger und Hausbesitzer. In dem Bericht werden wir die potenziellen Kosten für Wohnimmobilien in einem Spektrum von europäischen Städten in einem Szenario untersuchen, in dem keine weiteren Entwicklungen im Bereich des Hochwasserschutzes vorgenommen wurden.

Folgen des steigenden Meeresspiegels für Wohnimmobilien am Beispiel Hamburgs – Grafik © de.statista.com

In den vergangenen Jahren war ein deutlicher Anstieg des Meeresspiegels zu beobachten. Gegenüber 1993 ist die Meeresoberfläche um 9,3 cm gestiegen. Das zeigt die die Statista-Grafik auf Basis von erstmals 1993 vorgenommenen NASA-Aufzeichnungen. Diese Erhöhung wird laut Quelle hauptsächlich durch zwei Faktoren verursacht, die mit dem Klimawandel zusammenhängen: Zum einen das zusätzliche Wasser aus schmelzenden Eisschilden und Gletschern und die Ausdehnung von Meerwasser bei der Erwärmung der Erdoberfläche. Die NASA verfolgt die Veränderung des Meeresspiegels und seine Ursachen über Satellitenbeobachtungen aus dem All.

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