Energiewende in der Wohnungsbranche

Forscher analysieren regenerative Energiekonzepte

Mit dem Gebäudeenergiegesetz und der 2021 geltenden CO2-Steuer soll bis 2050 ein nahezu klimaneutraler Hausbestand in Deutschland entstehen. Ein Ansatz könnten solarversorgte Häuser mit Pauschalmiete für Wärme und Strom sein. Eine energetische Analyse im Projekt EVERSOL zeige das Potential, wie die Technische Universität Bergakademie Freiberg am 18.01.2021 mitteilte.

Blick auf die zwei teilautarken Mehrfamilienhäuser der Wohnungsgenossenschaft eG Wohnen in Cottbus – Foto © Technische Universität Bergakademie Freiberg

Über 18 Monate haben Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg innerhalb des Projektes zwei teilautarke Häuser in Cottbus umfassend energetisch ausgewertet. Die ersten Ergebnisse seien erfolgversprechend, heißt es.

„Das Konzept geht im Wesentlichen auf. Die Sonnenhäuser können mit einfacher Technik durch Photovoltaik den größten Teil ihres elektrischen Jahresverbrauchs (74% von 17.320 kWh) selbst abdecken und erzeugen in den Sommermonaten sogar einen Überschuss (12.240 kWh jährlich)“, erklärt Thomas Storch vom Lehrstuhl für technische Thermodynamik (IWTT). Einzig bei der Wärmeversorgung habe es aufgrund  fehlerhafter Komunikation einen unvorhergesehenen Mehrverbrauch gegeben.

„Das wurde behoben und die MieterInnen noch einmal detailliert in das System eingewiesen. Die kommenden Heizperioden werden zeigen, wie sich das auf die Einsparungen im Heizwärmeverbrauch auswirkt. Wir sind zuversichtlich, dass dann auch der solare Deckungsgrad in der Wärmeversorgung deutlich steigen wird“, so Storch.

In ausgewählten Räumen hätten die Wissenschaftler zudem die Luftqualität erfasst. Das habe Rückschlüsse auf das Lüftungsverhalten als wesentlicher Faktor für den Heizwärmeverbrauch ermöglicht. „So trägt die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung – auch ohne Fensterlüftung – entscheidend dazu bei, die CO2-Belastung in den Räumen gering zu halten“, berichtet Andreas Gäbler vom IWTT fest.

Pauschalmietmodell und Nutzersicht in der Analyse

Die modernen, sparsamen Gebäude mit einer hohen Energie-Eigenversorgung ermöglichten zudem neue Mietmodelle. Auch hier sei der Ansatz der Freiberger Wissenschaftler im Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft erfolgversprechend. So sei beispielsweise der Stromverbrauch nicht gestiegen und habe trotz Pauschale unter dem deutschen Durchschnitt (ca. 2.000 kWh gegenüber ca. 2.300 kWh bei gleichen Haushaltsgrößen) gelegen.

Bei Wärme- und Warmwasser sei der Verbrauch der einzelnen Mietparteien dagegen sehr unterschiedlich gewesen. Das habe sich mit der Pauschale aber gut ausgeglichen.  „Damit kehren sich auch viele Interessensfelder zwischen Mieter und Vermieter um und sensibilisieren beide Seiten mehr für das Thema Energiesparen“, fasst Storch zusammen. Die Mieter könnten Ihre Energiedaten auf der Eversol-Webseite (https://eversol.iwtt.tu-freiberg.de) individuell einsehen.

Die Monitoring- Ergebnisse der Freiberger Wissenschaftler böten Planern und Entscheidern aus dem Baugewerbe, der Energieversorgung und der Wohnungswirtschaft damit nicht nur wichtige technische Informationen, heißt es weiter – vor allem mit Blick auf das Gebäude-Energiemanagement und die Anlagendimensionierung – sondern zugleich soziologische und ökonomische Erkenntnisse für teilautarke Neubauten und Sanierungen.

Wärme- und Energiekonzept der Sonnenhäuser

Das Wärmekonzept beider Häuser basiere auf einer Solarthermieanlage. Diese sei auf dem Dach angebracht und ermögliche auch in den Wintermonaten eine effiziente Nutzung der Sonne. An sonnenärmeren Tagen versorge eine Gasbrennwerttherme das Gebäude. Gesammelt werde die Wärme in einem Solarspeicher, der diese über eine Fußbodenheizung an die Wohnungen abgebe. Im Fall von Wärmeüberschüssen könne ein Austrag in eine angeschlossene Nahwärmeleitung zur Quartiersversorgung direkt aus dem Speicher erfolgen.

Die Stromversorgung der Häuser werde mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach sichergestellt. Die produzierte elektrische Energie werde vorrangig direkt im Gebäude verbraucht. Überschüsse könnten in einem Lithium-Ionen-Akku zwischengespeichert oder in das Quartier abgegeben werden.

Projektförderung und Partner

Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über drei Jahre (Förderzeitraum: April 2018 bis Mai 2021) finanziert. Projektträger ist das Forschungszentrum Jülich. Weitere Partner sind unter anderem die eG Wohnen 1902, das Freiberg Institut für vernetzte Energieautarkie, die mensura Immobilienservice GmbH, der VSWG – Verband sächsischer Wohnungsgenossenschaften e.V. und der GdW – Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.

->Quelle:  Technische Universität Bergakademie Freiberg/tu-freiberg.de/energiewende-in-der-wohnungsbranche-forscher-analysieren-regenerative-energiekonzepte