Was wir heute übers Klima wissen

Aktuelle Fakten zum Klimawandel

Wie wir beim Klimaschutz konsequent handeln können, wird kontrovers diskutiert. Unerlässlich dafür ist eine fundierte Faktenlage. Sechs Organisationen, darunter das Deutsche Klima-Konsortium, haben daher ein Papier zu dem heute in der Klimaforschung unumstrittenen Wissen veröffentlicht – von seinen naturwissenschaftlichen Grundlagen, den Folgen in Deutschland und auf der ganzen Welt bis hin zu den in Paris vereinbarten Zielen. Am Schluss zwei Auszüge als Textbeispiele.

– Grafik © deutsches-klima-konsacortium, Ed Hawkins.de.png

Noch hat es die Menschheit in der Hand, die globale Erwärmung und ihre Folgen zu begrenzen. Dafür braucht es allerdings schnelle und dauerhafte Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft – vom Energiesystem über die Landnutzung bis hin zur Infrastruktur. Je später diese beginnen, desto schwieriger wird es, den Klimawandel zu bremsen und unumkehrbare Änderungen zu vermeiden. Der Mensch muss handeln – jetzt! Die Fakten für kluge Entscheidungen sind da.

Die Temperaturen steigen weltweit, Extremwetter nehmen zu, das Meereis geht dramatisch zurück – das Klima ist im Wandel. Mit Folgen für uns und unsere Umwelt. Was sind Ursachen für die Veränderungen? Wie zeigen sie sich? Und worauf müssen wir uns in Zukunft einstellen? Sechs namhafte Organisationen geben in einer aktualisierten Faktensammlung einen Überblick über Erkenntnisse, die in der Wissenschaft unumstritten sind.

Die Folgen der globalen Erwärmung sind weiter massiv: 2020 war weltweit nach 2016 das zweitwärmste Jahr, das Meereis am Nordpol schrumpfte auf den zweitniedrigsten Wert und der Meeresspiegel steigt weiter an. Auch in Deutschland zeigen sich deutliche Veränderungen: Das vergangene Jahrzehnt (2011-2020) war das wärmste in den Aufzeichnungen, Deutschland erlebte das dritte, viel zu trockene Jahr in Folge und gleichzeitig deutet sich an, dass immer mehr Starkregen fällt.

Das Klima ist im Wandel und menschliches Handeln ist der Hauptgrund dafür – das zeigt die Faktensammlung „Was wir heute übers Klima wissen“. Gemeinsam haben das Deutsche Klima-Konsortium, die Deutsche Meteorologische Gesellschaft, der Deutscher Wetterdienst, der Extremwetterkongress Hamburg, die Helmholtz-Klima-Initiative und klimafakten.de das Papier zusammengetragen. In vier Kapiteln zeigen sie die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel. Die erste Ausgabe aus dem letzten Jahr haben sie nun aktualisiert.

Das Papier belegt kurz und knapp in verständlicher Sprache, dass die gegenwärtige globale Erwärmung eine Tatsache und menschliches Handeln der Hauptgrund ist. Trotz 30 Jahren internationaler Klimapolitik sammeln sich weiterhin immer mehr Treibhausgase in der Atmosphäre an und verstärken den Klimawandel. Notwendig sind dauerhafte und tiefgreifende strukturelle Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft – vom Energiesystem über Landnutzung bis hin zur Infrastruktur. Die Faktensammlung wurde im September 2020 erstmals veröffentlicht und im Juni 2021 mit den neuesten Zahlen aktualisiert.

Grundlagen zum Klimawandel

Globaler Klimawandel

Klimawandel in Deutschland

  • Klima-Fakt 13
    Bereits 2°C Erwärmung – deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt
  • Klima-Fakt 14
    Beispiellose Häufung von Wärme-Rekordjahren
  • Klima-Fakt 15 
    Mehr Hitze, weniger Frost
  • Klima-Fakt 16
    Mehr Starkregen – und zugleich längere Trockenzeit
  • Klima-Fakt 17
    Pflanzen und Tiere reagieren sensibel auf die globale Erwärmung
  • Klima-Fakt 18 
    Land- und Forstwirtschaft leiden bereits unter dem Klimawandel
  • Klima-Fakt 19 
    Die Waldbrandgefahr nimmt zu
  • Klima-Fakt 20 
    Binnenseen in Deutschland sind deutlich wärmer geworden
  • Klima-Fakt 21
    Auch die Temperaturen von Nord- und Ostsee nehmen zu
  • Klima-Fakt 22
    Die Meeresspiegel steigen auch an den deutschen Küsten von Nord- und Ostsee

Künftige Entwicklung

  • Klima-Fakt 23
    Das 1,5-Grad-Limit wird bei gegenwärtiger Politik verfehlt
  • Klima-Fakt 24
    Starke Emissionssenkungen sind möglich
  • Klima-Fakt 25
    Möglicherweise unumkehrbare Veränderungen
    Die sehr lange Lebensdauer von CO2 in der Atmosphäre bewirkt, dass der Klimawandel (ohne CO2 -Entnahme) nicht schnell zurückgeht. Selbst nach dem Stopp der CO2 -Emissionen würden bestimmte Trends sogar für lange Zeit weiter anhalten, wie der Anstieg der Meeresspiegel. Eisschilde reagieren empfindlich, selbst auf moderate Temperaturänderungen. Ein Beispiel ist der Eispanzer auf Grönland: Er ist gegenwärtig kilometerdick, so dass die Oberfläche in einer Höhe liegt, in der es (wie im Gebirge) kalt ist. Schmilzt er, sinkt die Oberfläche in wärmere Luftschichten und schmilzt immer schneller. Bei einer Erwärmung von 2 °C bis 3 °C könnte das Eis auf Grönland und der Westantarktis über Zeiträume von mehreren Jahrtausenden vollständig und unumkehrbar abschmelzen. Damit die Eismasse wieder wachsen könnte, müssten die Temperaturen auf der Erde erst auf ein Niveau wie während der letzten Eiszeit sinken (und damit im globalen Mittel um rund 4 °C gegenüber heute). Als weiteres Kipp-Element gilt die Vernichtung des Amazonas-Regenwalds, die bis Ende dieses Jahrhunderts möglich ist, insbesondere wenn neben dem Einfluss des Klimawandels die Abholzung weiter fortschreitet. Manche Kipp-Elemente verstärken die globale Erwärmung zusätzlich, weil sie weitere Treibhausgase freisetzen. Dies gilt etwa für das Tauen von Permafrostböden, wodurch große zusätzliche Mengen Methan oder Kohlendioxid freigesetzt werden könnten (Lenton et al. 2019).Voraussichtlich bleiben dabei jedoch die anthropogenen Treibhausgasemissionen der dominante Beitrag zum Klimawandel.
  • Klima-Fakt 26
    Jedes Zehntelgrad zählt
    Selbst scheinbar geringe globale Erwärmungen können schwerwiegende Folgen haben. Wenn sich die Erde zum Beispiel um 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmt, werden voraussichtlich 70 bis 90 Prozent der weltweiten Korallenriffe absterben – bei 2 °C es praktisch alle (98 bis 99 Prozent) (Schleussner et al. 2016). Ein zeitweise eisfreier Nordpol ist bei 1,5 Grad Celsius Erwärmung rund alle 40 Jahre zu erwarten – bei 2 °C jedoch alle drei bis fünf Jahre (Screen 2018). Eine Sturmflut, wie sie bisher an der Nordseeküste bei Cuxhaven statistisch alle 500 Jahre auftritt, wird bei 1,5 Grad Celsius Erwärmung einmal in hundert Jahren erwartet – bei 2 °C jedoch alle 33 Jahre (Rasmussen et al. 2018).Das Ziel, die globale Erwärmung auf höchstens 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, ist erreichbar. Laut IPCC dürfen wir dazu noch etwa 420 Gigatonnen Kohlendioxid ab dem 1. Januar 2018 ausstoßen (67 Prozent Wahrscheinlichkeit) (IPCC 2019, SR 1.5). Allein im Jahr 2020 betrugen die anthropogenen CO2-Emissionen weltweit um die 40 Gigatonnen (Friedlingstein et al., 2020). Würde dieses Emissionsniveau beibehalten werden, wäre das Restbudget also in rund zehn Jahren “aufgebraucht”. Wenn die Menschheit trotz Emissionsminderungen mehr als dieses Restbudget ausstößt, müssen wir der Atmosphäre zusätzlich bereits ausgestoßene Treibhausgase wieder entziehen. Fachleute sprechen hier von “negativen Emissionen”. Möglich wäre dies zum Beispiel durch großflächige Aufforstungen oder neue Technologien. Die Umsetzbarkeit und mögliche negative Nebenwirkungen werden derzeit intensiv erforscht.Der IPCC schrieb deshalb 2018 im Vorwort zu seinem Sonderbericht über 1,5 Grad globale Erwärmung: „Jedes bisschen an Erwärmung zählt.“ (IPCC 2018, SR1.5, Vorwort)Herausgegeben von:

    ->Quellen:

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