Mythen der Circular Economy gehören der Vergangenheit an

Sammelband für Entscheider und Macher in Industrie, öffentlichem Sektor, Zivilgesellschaft und Wissenschaft

Am 01.07.2022 wurde der Sammelband Mythen der Circular Economy mit 20 Beiträgen von Autoren aus Wissenschaft und Praxis open access veröffentlicht. Herausgegeben wurde er unter anderem von Alexa Böckel (Research Associate von Samanthi Dijkstra-Silva, Carlowitz Juniorprofessur für Nachhaltigkeitsbewertung und -politik) und Ilka Weissbrod (Strategic Research Partner der Carlowitz Juniorprofessur) der Technischen Universität Dresden.

Mythen der Circular Economy – Buchtitel © Alexa Böckel, Jan Quaing, Ilka Weissbrod, Julia Böhm (Hrsg.)

Das Open Access Buch zeigt, dass Circular Economy weit mehr als Recycling von Plastik ist und räumt mit bestehenden Vorurteilen im Feld auf. Der Sammelband ist für Entscheider und Macheren in Industrie, öffentlichem Sektor, Zivilgesellschaft und Wissenschaft geschrieben und jeder Beitrag enthält ein Praxisbeispiel, das zeigt, dass sich eine nachhaltige Circular Economy für Unternehmen lohnt. Auch das abwechslungsreiche Design, welches von Indeed Innovation pro bono zur Verfügung gestellt wurde, ermutigt die Lesenden direkt in die Handlung zu kommen. Das Buch wird ab Herbst in Druckversion erhältlich sein, da die Bertelsmann Stiftung eine Auflage finanzieren wird.

Aus dem Vorwort

„Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt: Basic Mythen, Geschäftsmodelle, Digitale Technologien, Bauen und Mode. Die Basic Mythen räumen mit grundlegenden Vorbehalten auf, im Kapitel Geschäftsmodelle wird die Umsetzung unterschiedlicher Ansätze zu Realisierbarkeit, Machbarkeit und Wünschbarkeit beleuchtet. In Digitale Technologien zeigen wir, wie Technologien zur zirkulären Transformation beitragen können. In den Kapiteln Bauen und Mode nehmen wir zwei exemplarische B2B und B2C Sektoren in den Fokus und zeigen wie Materialpässe, Zertifizierungen und Tracking-Systeme einen Wandel unterstützen.

Im letzten Teil des Sammelbandes: das Glossar, das grundlegende Begriffe erklärt. In den Beiträgen sind alle Glossarbegriffe fett geschrieben. Wir verweisen auch an einigen Stellen auf weitere Beiträge, so kann man seinen eigenen Weg durch den Band finden.“

Warum Mythen der Circular Economy?

„Zu Beginn unseres Vorhabens stand nur eine kleine Beobachtung im Raum: Unternehmen bedienen sich gerne an Mythen, um den Status quo zu rechtfertigen. Gleichzeitig gibt es im deutschsprachigen Raum keine Publikation, die mit eben solchen Mythen aufräumt und eine praxisnahe Betrachtung liefert – das ändern wir nun mit diesem Buch! Wir Herausgebenden sehen die kurze Zeitspanne, die verbleibt, um die Klimakrise abzuwenden und unseren Planeten für alle jetzigen und kommenden Generationen lebenswert zu erhalten. Der Circularity Gap Report 2022 zeigt, wie groß der Einfluss unserer Ressourcen- und Materialnutzung auf den Zustand unseres Planeten ist, nicht nur auf das Klima, sondern zum Beispiel auch auf die Diversität von Tieren und Pflanzen, die Fähigkeit unserer Böden Nahrung zu produzieren und Verschmutzung jedweder Art.

Wir sehen die Transformation zu einer Circular Economy als validen Ankerpunkt, um diese großen betriebswirtschaftlichen, politischen, sozialen, ökologischen und volkswirtschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen.

Unter einer Circular Economy verstehen wir das Schließen von Material-, Energie-, Informations- und Wertkreisen und einen systemischen Wandel. Eine zirkulär ausgerichtete Wirtschaftsweise kann die Achtung sozialer und ökologischer Grenzen ermöglichen – das ist landläufig bekannt. Die Transformation hin zu einer Circular Economy scheint jedoch mit großen Hürden in Verbindung gebracht zu werden. Es werden Vorbehalte gegenüber wiedergenutzten Rohstoffen (sog. Sekundärmaterial) geäußert, das fehlende Wissen bemängelt oder die Lukrativität angezweifelt. Es sind diese Argumente und Mythen, die Pfade einer linearen Take-Make-Waste-Wirtschaft verfestigen und eine Transformation hin zu einer Circular Economy erschweren. Wir hoffen, dass es dir viel Freude bereitet, die Beiträge zu lesen. Und – für uns noch wichtiger- du nützliche und ermutigende Impulse aus den Beiträgen mitnehmen kannst.

Was sind die Kernbotschaften?

Die Handlungsempfehlungen der Beiträge sind teils sehr ähnlich, quer durch ganz unterschiedliche Sektoren wie Mode oder Geschäftsmodelle. Wir sehen dies als eindeutige Ermutigung, dass Unternehmen klare Pfade vor sich sehen können. Insbesondere Kollaboration und Teilnahme an Circular-Economy-Netzwerken ist der gemeinsame Nenner der unterschiedlichen Best Practices. Außerdem sehen wir eine erfreulich klare Ansage an Unternehmen, dass Handlungen hin zu einer Circular Economy auch ohne weiteren gesetzlichen Druck sofort umgesetzt werden können – es wird allerdings ein verlässliches Rahmenwerk, in dem agiert wird, als notwendig benannt. Außerdem sagen die Handlungsempfehlungen auch klar: Starte mit deinem nächsten zirkulären Produkt/Dienstleistung. Es muss nicht gleich der große Wurf sein, viele Transformationen beginnen im Kleinen. Genau hierzu wollen auch wir ermutigen. Wichtig ist nicht die Größe des ersten Schrittes, sondern dass er überhaupt und zügig gegangen wird.

Wir, die Herausgebenden, betrachten in unserer täglichen Arbeit sowohl die wissenschaftliche Perspektive als auch die Herausforderungen im unternehmerischen Handeln einer zirkulären Wirtschaft. Dieses Spannungsfeld versuchen wir einzufangen und zu kanalisieren. Der Sammelband soll eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis bauen und möchte so daran mitwirken, eine möglichst florierende zirkuläre Zukunft zu gestalten. Deswegen freuen wir uns, dass der Sammelband wissenschaftliche Beiträge mit Beiträgen von führenden Stimmen aus der Praxis vereint, die sich auf einen großen Erfahrungsschatz berufen. Wir konnten während der Arbeit an diesem Projekt manches lernen und sind beeindruckt, an wie vielen Stellen Menschen sich auf den Weg gemacht haben, um eine zirkuläre Wirtschaft zu gestalten.“

  • Alexa Böckel, Jan Quaing, Ilka Weissbrod, Julia Böhm (Hrsg.): Mythen der Circular Economy, TU Dresden, 146 S. open access

->Quellen: