8 x Dekarbonisierung gefördert

BMWK darf Umstellung der Stahlproduktion bei thyssenkrupp Steel Europe auf Wasserstoff fördern – EU wählt 7 Dekarbonisierungsprojekte vor-aus

Die Europäische Kommission hat am 21.07.2023 dem BMWK die beihilferechtliche Genehmigung dafür erteilt, die Dekarbonisierung der Stahlproduktion bei der thyssenkrupp Steel Europe zu fördern. Das macht den Weg frei für ein zentrales Projekt der Transformation der deutschen Industrie hin zur Klimaneutralität. Das BMWK wird das Projekt gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen mit rund 2 Milliarden € fördern. Mit dem Projekt sollen jährlich bis zu bis zu 3,5 Mio. t CO2-Emissionen eingespart werden. (Siehe auch: solarify.eu/745-carbon2chem-stahlproduktion-klimafreundlich-gestalten)

Altes (stillgelegtes) Stahlwerk von Thyssen, Essen – Foto © Gerhard Hofmann, AG Zukunft, für Solarify

Der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck: „Das ist eine enorm wichtige Entscheidung für den Klimaschutz und den Industriestandort in Deutschland. Das Werk in Duisburg ist nicht nur einer der größten CO2-Emittenten, sondern auch ein zentraler Teil der Wertschöpfung in Deutschland – vom Auto bis zum Windrad. Nicht zuletzt geht es um viele Arbeitsplätze, die mit dem Vorhaben zukunftssicher gemacht werden können. Ich danke der Europäischen Kommission dafür, dass das hochkomplexe Genehmigungsverfahren jetzt noch vor der Sommerpause abgeschlossen werden konnte.“

Habeck ergänzt: „Mit diesem Vorhaben geben wir auch der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und Europa einen weiteren Push. Mit der Direktreduktionsanlage kann der Einsatz von Kohle in der Stahlerzeugung vollständig durch grünen Wasserstoff ersetzt werden. Wir werden im Rahmen des IPCEI Wasserstoff weitere Vorhaben unterstützen, damit auch die Erzeugung und der Transport des Wasserstoffs ermöglicht wird.“

Das Projekt „tkH2Steel“ der thyssenkrupp Steel Europe wurde zunächst im Rahmen von „IPCEI Wasserstoff“ (Important Projects of Common European Interest – H2) ausgewählt und nun separat von der Europäischen Kommission genehmigt. Mit dem Bau einer Direktreduktionsanlage mit Einschmelzern am größten europäischen Stahlhüttenwerk soll der nächste wichtige Schritt zur Dekarbonisierung der Stahlbranche, der CO2-intensivsten Industriebranche, und zum Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft genommen werden. Die Erteilung des nationalen Förderbescheids soll zeitnah erfolgen.

Mit dem Projekt „tkH2Steel“ können bei einem Einsatz von rund 140 Kilotonnen (kt) grünem und damit CO2-freiem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien im Jahr bis zu 2,3 Mio. t Roheisen klimaneutral hergestellt werden. Die CO2-Einsparungen von bis zu 3,5 Mio. t CO2 im Jahr von thyssenkrupp Steel Europe entsprechen über 6 % der Emissionen der gesamten Stahlindustrie in Deutschland, die alleine für ein Drittel der industriellen Treibhausgasemmissionnen in Deutschland verantwortlich ist. Die neuen Anlagen sollen 2026 in Betrieb gehen und planmäßig ab 2028 stufenweise auf grünen Wasserstoff umgestellt werden.

Insgesamt arbeiten in dem Werk in Duisburg rund 27.000 Beschäftigte und viele weitere Arbeitsplätze sind indirekt von dem Standort abhängig. Bundesminister Habeck hatte bereits im letzten Monat das Werk besucht und bei einem Stahlaktionstag den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern seine Unterstützung bei der Transformation des Standortes und der Industrie allgemein zugesagt.

Das Projekt in Duisburg soll vom Bund gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen mit rund 2 € Mrd. gefördert werden, wobei der Bund 70 Prozent der Mittel zur Verfügung stellt. Nach der Kommissionsentscheidung gliedert sich die Förderung in einen Anteil von rund 550 Mio. € für die Anlageninvestitionen und eine sogenannte bedingte Zahlung in Höhe von rund 1450 Mio. € für den Einsatz von grünem Wasserstoff, die aber bereits im Vorfeld ausgezahlt werden kann.

Es handelt sich um die zweite große Förderung der Dekarbonisierung eines Stahlstandortes in Deutschland im Rahmen des IPCEI Wasserstoff. Bereits Ende Mai 2023 hat die Salzgitter AG eine Förderung erhalten. Ein weiteres Projekt der Stahl-Holding-Saar im Saarland sowie eines von ArcelorMittal an den Standorten Bremen und Eisenhüttenstadt befinden sich noch im beihilferechtlichen Genehmigungsverfahren bei der Europäischen Kommission.

EU-Kommission wählt insgesamt sieben innovative Dekarbonisierungs-Großprojekte in Deutschland zur Förderung aus EU-Innovationsfonds aus

Die Europäische Kommission hat am 13.07.2023 beim dritten Förderaufruf im EU-Innovationsfonds sieben große innovative Dekarbonisierungsprojekte in Deutschland vor-ausgewählt. Dabei handelt es sich um zwei Vorhaben zur CO2-Abscheidung in der Zement- und Kalkindustrie, ein 157 MW Elektrolyseur und eine Elektrolyseurproduktion, jeweils eine Anlage zur Herstellung von innovativen PEM-Stacks und von PV-Modulen sowie eine elektrifizierte Pilotanlage zum Kunststoffrecycling. Die Vorhaben wurden u. a. aufgrund ihres hohen Innovationsgrades und ihres substanziellen Beitrags zur Vermeidung von THG-Emissionen von einem Expertengremium ausgesucht. Insgesamt wurden in dem Vorauswahlverfahren 41 Projekte aus 15 EU Ländern aus allen Industriebereichen mit einem Fördervolumen von rund 3,6 Milliarden Euro bestimmt.

Bundeswirtschaftsminister Habeck zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Die vorausgewählten Projekte spiegeln die enorme Dynamik der Dekarbonisierung in Europa und in Deutschland wider und zeigen das riesige Potenzial innovativer Technologien zur Transformation der Industrie. Ich freue mich besonders, dass wichtige Vorhaben in Deutschland, die wir auch unterstützt haben, bei der Vorauswahl berücksichtigt worden sind. Die Mittel der EU ergänzen damit hervorragend unsere eigenen Anstrengungen, die Industrie auf dem Weg zur Klimaneutralität zu fördern.“

Die sieben Projekte aus Deutschland:

  • GeZero (Heidelberg Materials): Zementwerk; CCS-Projekt in Geseke (NRW)
  • Everest (Rheinkalk GmbH): Demo CCS für das größte Kalkwerk in Europa am Standort Wülfrath-Flandersbach (NRW)
  • HydrOxy (IQONY GmbH): PEM-Elektrolyseur in Duisburg (NRW)
  • ELYAS (Bosch): Produktion von Stacks für Automobile am Standort Bamberg (Bayern)
  • HOPE (Meyer Burger): Herstellung von PV-Modulen in Thalheim, Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt)
  • HynCrease (DE NORA): Produktion von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen in Rodenbach bei Hanau (Hessen)
  • MoReTec-1 (LYONDELLBASELL): innovative Kunststoffrecycling Anlage in Wesseling (NRW)

Der EU-Innovationsfonds ist eines der weltweit größten Finanzierungsprogramme für die kommerzielle Demonstration innovativer CO2-armer Technologien, mit dessen Hilfe industrielle Lösungen zur Dekarbonisierung Europas auf den Markt gebracht und der Übergang Europas zur Klimaneutralität unterstützt werden sollen. In einem jährlichen Auswahlverfahren werden großvolumige Vorhaben aus den Kategorien generelle Dekarbonisierungsprojekte, Wasserstoff und Elektrolyseure, Herstellung von Schlüsselkomponenten und Ausrüstung und innovative Pilotvorhaben vorausgewählt.

Die nunmehr vorausgewählten Projekte decken über 30 verschiedene Minderungspfade ab und können über 10 Jahre Betriebszeit zur Reduzierung von 221 Mio. Tonnen CO2-Emissionen führen. Die Mitgliedstaaten haben die Gelegenheit, zu der Vorauswahl noch bis zum 7. September Stellung zu nehmen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unterstützt aktiv die Bewerbung deutscher Vorhaben und hat eine nationale Kontaktstelle zum EU-Innovationsfonds eingerichtet, die in den nächsten Monaten noch weiter ausgebaut wird. Der nächste Förderaufruf der Europäischen Kommission für großskalige Vorhaben über 4 Mrd.€ wird bis Ende 2023 erwartet.

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