E-world 2026: Volle Hallen, offene Fragen

Erstmals in der Geschichte der E-world waren alle sechs Messehallen vollständig belegt. Das Wachstum zeigt: Die Energiebranche investiert – trotz politischer Unsicherheiten.

Die Modelle sind da, die Infrastruktur nicht: Auf der E-world 2026 präsentierte eine Branche unter Druck ihre Antworten auf die Energiewende – und wartet auf politische Verlässlichkeit. Foto: E-world25

Die E-World 2026 in Essen versammelte vom 10. bis 12. Februar mehr als 1.100 Aussteller aus 33 Ländern. Nach Angaben der Veranstalter stieg die Ausstellerzahl um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Fläche für Start-ups wuchs um 40 Prozent. Über 30 Prozent der Aussteller kamen aus dem Ausland, Besucher reisten aus mehr als 80 Nationen an. So sehr sich die Veranstalter über diese Rekord-Zahlen freuen können – sie sind auch ein Zeichen dafür, dass die Branche unter Druck steht.

Die Stärken der erneuerbaren Energien treffen in Deutschland noch immer auf Netze, die nicht auf dezentrale Erzeugung ausgelegt sind. Und trotz Rekordausbau bei Wind und Solar fehlen ausreichende Speicherkapazitäten. Politische Vorgaben verschärfen den Handlungsdruck: Zum Beispiel müssen kommunale Wärmepläne bis 2028 vorliegen, doch vielerorts fehlen Datengrundlage und Infrastruktur. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur forderte auf der Messe „Verlässlichkeit und Investitionssicherheit“ – ein Appell, der die Nervosität der Branche spiegelt.

Als Antwort auf diese Volatilität rückte Künstliche Intelligenz ins Zentrum vieler Messestände. Das Wuppertaler Start-up heatbrAIn präsentierte KI-Modelle, die kommunale Wärmeplanung automatisieren sollen – dort, wo Städte bislang mühsam Gebäudedaten zusammentragen. Der norwegische Anbieter Volue zeigte, wie KI-gestützte Wetterprognosen den Intraday-Stromhandel verbessern – also den kurzfristigen Kauf und Verkauf von Strom, der bei schwankender Wind- und Sonnenproduktion immer wichtiger wird. Erstmals veranstaltete die E-world einen „Municipalities Day“. Kommunen trafen dort direkt auf Technologieanbieter, ohne Umweg über Beratungsfirmen. Ein überfälliger Schritt: Die Energiewende entscheidet sich zu großen Teilen auf lokaler Ebene, von der Fernwärme bis zur Ladeinfrastruktur.

Ein Thema blieb hingegen am Rand: die Kreislaufwirtschaft. Windräder, Solarmodule und Batterien benötigen Kupfer, Lithium und seltene Erden. Was am Ende ihrer Lebensdauer damit passiert, ist weiterhin eine Nebensache. Großtechnische Recyclinglösungen existieren bislang kaum. Wer heute Anlagen installiert, schiebt das Problem in die 2040er Jahre. Die E-World 2026 zeigte eine Branche in Bewegung – mit konkreten Werkzeugen für drängende Probleme und blinden Flecken, die noch adressiert werden müssen. Die Dynamik ist da. Ob sie ausreicht, wird sich nicht auf Messen entscheiden, sondern in Kommunen, Netzen und Investitionen.

 

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